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Serie - 70 Jahre Nach Kriegsende
Alliierte übernahmen die Verantwortung

Serie - 70 Jahre Nach Kriegsende: Alliierte übernahmen die Verantwortung
Laut der Proklamation Nr. 1 von General Eisenhower geht die höchste Machtbefugnis von der Militärregierung aus. FOTO: Stadtarchiv
Solingen. Seit der Einnahme der Stadt am 17. April 1945 ging die Macht von der Militärregierung aus. Sie entließ Nationalsozialisten aus der öffentlichen Verwaltung und musste tausende Zwangsarbeiter unterbringen. Von Benjamin Dresen

Auch wenn der Krieg in Deutschland noch andauert: In Solingen ist er seit dem 17. April 1945 vorbei und die Herrschaft der Nationalsozialisten beseitigt. An diesem Tag übergibt Oberbürgermeister Rudolf Brückmann im Rathaus die Stadt an die US-Streitkräfte. Leitender Offizier der Militärregierung ist Major John O. Hall. In Solingen gilt die "Proklamation Nr. 1" von General Dwight D. Eisenhower, dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte. Danach geht die "höchste gesetzgebende, rechtsprechende und vollziehende Machtbefugnis" von der Militärregierung aus. Damit das öffentliche Leben nicht zusammenbricht, sind alle Beamten verpflichtet, auf ihren Posten zu bleiben. Am selben Tag setzt die Militärregierung Oskar Rieß als Oberbürgermeister ein. Rieß war bis 1933 Geschäftsführer des Spar-und Bauvereins Solingen und den Amerikanern von Solinger Antifaschisten vorgeschlagen worden.

Die wichtigsten Aufgaben sind die Sicherung der öffentlichen Ordnung, die Entlassung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern, die Unterbringung der ehemaligen Zwangsarbeiter und die Versorgung mit Lebensmitteln. Schon am 18. April ordnet die Militärregierung an, eine neue Polizei "in Stärke von 200 Polizisten mit zwölf Kraftwagen" aufzustellen. Entlassene Soldaten, die sich in der Stadt aufhalten, werden am 21. April mit Plakaten aufgerufen, sich im Polizeipräsidium zu melden, um sich von den Amerikanern gefangen nehmen zu lassen. Am 26. April werden alle Schulen geschlossen und die Schulbücher sichergestellt.

Amerikanische Besatzungstruppen vor dem Stadthaus Potsdamer Straße. FOTO: Stadtarchiv

Um tausende ehemalige Zwangsarbeiter unterzubringen, ergreift die Militärregierung umfassende Maßnahmen. Schon am 24. April werden das "Provinzialerziehungsheim Halfeshof" und das dort untergebrachte Reservelazarett kurzfristig geräumt. Sie müssen Platz machen für 1500 bis 2000 sowjetische Zwangsarbeiter, die ab 7. Mai eintreffen. Zur Unterbringung von polnischen Zwangsarbeitern ordnen die Amerikaner am 17. Mai an, am Mangenberg in der Sommerstraße und Adlerstraße Häuser zu räumen. Innerhalb eines Tages müssen rund 400 Familien ihre Wohnungen verlassen.

Rasch beginnen die Alliierten, gegen Nationalsozialisten in führenden Positionen vorzugehen. Jenny Weber aus Ohligs schreibt am 24. April in ihr Tagebuch: "Im Augenblick holt man die Parteigenossen, die hauptamtlichen Leiter werden sofort abgeschoben mit unbekanntem Ziel. Die "kleinen PG's" müssen die Panzersperren beseitigen, ihre Frauen öffentliche Gebäude putzen." Auch aus der öffentlichen Verwaltung sollen Nationalsozialisten entfernt werden. Seit dem 22. Mai geschieht dies unter der Verantwortung des neuen Oberbürgermeisters Josef Brisch, der das Amt schon von 1930 bis 1933 innehatte. Am 24. Mai legt die Militärregierung eine Liste mit 400 Namen von Verwaltungskräften vor, die wegen ihrer Beziehungen zur NSDAP "ihrer Posten mit Dienstschluss am 28. Mai 1945 enthoben" sind. Auch wenn bereits 135 städtische Beamte und 80 Polizisten entlassen wurden, besteht Major Hall trotz der Bedenken von Oberbürgermeister Brisch, der die Lahmlegung der Verwaltung fürchtet, auf den Entlassungen.

Wenige Tage später, am 28. Mai, übernehmen die Briten die Besatzungshoheit von den Amerikanern. Damit aus Personalmangel keine Dienststellen geschlossen werden müssen, genehmigt der leitende Major Bean am 2. Juni, einige Beamte wieder einzustellen. Mitte Juni werden auch die rund 80 entlassenen Polizeibeamten wieder eingestellt. Die amerikanische Militärregierung hatte die Entlassung der Beamten erst kurz vor ihrem Abzug verfügt und die Verantwortung für den Zusammenbruch der Verwaltung und die Wiedereinstellung belasteter Beamter ihren Nachfolgern aufgebürdet.

Quelle: RP
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