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Solingen
Als Seelsorgerin Vertrauensperson

Solingen. Mit Saadet Bulut arbeitet in der DITIB-Gemeinde an der Kasernenstraße erstmals eine studierte Theologin als Religionsbeauftragte. Ihre Aufgaben sind vergleichbar mit denen einer Pastorin. Von Benjamin Dresen

Seit Mitte 2015 arbeitet Saadet Bulut für zwei Jahre in der Gemeinde. In der Kasernenstraße sind ihre Aufgaben vergleichbar mit denen einer Pastorin: Islamkunde, Krankenbesuche, Koranunterricht, Seelsorge, Einzelgespräche und Familienberatung. Bis auf die Gebete nimmt die Religionsbeauftragte alle Aufgaben wahr, die auch der Imam ausübt. Die 51-Jährige stammt aus Tokat, ist verheiratete Mutter von fünf Kindern und studierte in der Türkei islamische Theologie. Nach Herzberg und Witten ist Solingen ihre dritte Station in Deutschland.

In der Gemeinde kümmert sich Saadet Bulut verstärkt um Bildung. In drei Altersgruppen macht sie in Islamkunde Kinder und Jugendliche mit dem Koran vertraut, zeigt, wie man ihn liest und vermittelt die Glaubensinhalte. Dazu gehören auch religionspraktische Dinge, etwa wie man betet oder wie die Waschung abläuft. In den Osterferien unternimmt sie mit 35 Jugendlichen eine zweiwöchige, freiwillige Pilgerfahrt (Umra) nach Mekka. Dort lernen die Teilnehmerinnen die Stätten kennen, an denen der Prophet Mohammed wirkte.

Schon in der Vergangenheit war in der Gemeinde für etwa fünf Jahre eine Religionsbeauftragte tätig, die jedoch kein Studium absolviert hatte. Der Vorstand des Vereins sah den Bedarf: "Frauen und Mädchen brauchen eine Vertrauensperson, mit der man im Gespräch Ängste abbauen kann", sagt die stellvertretende Vorsitzende Keziban Altay. "Und die Familien zerrütten auch mehr."

Natürlich ist auch Imam Abdulselam Özdere für solche Fragen ansprechbar. "Aber eine Frau kann bei Familien mehr erreichen", weiß Keziban Altay. "Eine Frau ist von Natur aus einfühlsam und kann viele Probleme sehen und differenzieren", übersetzt Keziban Altay für Saadet Bulut. "Frauen öffnen sich bei einer Frau anders als bei einem Mann", ergänzt Ayse Borlucaoglu, die Dialogbeauftragte der Gemeinde.

Während die Imame bei DITIB, also der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, Beamte des türkischen Staates sind, finanziert die Gemeinde die Stelle von Saadet Bulut selbst. Die Mittel stammen aus Mitgliedsbeiträgen des Vereins, Spenden von Unternehmen und den Einnahmen von Veranstaltungen. Auch wenn Saadet Bulut nur wenige Worte Deutsch spricht, funktioniert die Verständigung zumeist. Die Grundschulkinder verstehen etwa 60 Prozent des Gesprochenen, hier hilft eine Übersetzerin. "Die Kinder werden in der Schule auf Deutsch unterrichtet. Für sie ist es eine Umstellung, auf Türkisch unterrichtet zu werden", berichtet Saadet Bulut. Bei den Älteren gibt es aber keine Probleme mehr mit der Verständigung.

Bislang stammen die Theologen der DITIB-Gemeinden zumeist aus der Türkei und werden dort an Universitäten ausgebildet. "Wir versuchen, Jugendliche aus Deutschland für ein Theologiestudium in der Türkei zu gewinnen", berichtet Ayse Borlucaoglu. "Es ist besser, wenn der Imam auch Deutsch spricht." Auch von den Lehrstühlen für Islamwissenschaft in Münster, Osnabrück und Frankfurt könnten in Zukunft deutschsprachige Imame kommen.

Quelle: RP
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