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Solingen
"amici del canto" führt musikalisch aus dem Dunkel ins Licht

Solingen. Musik spricht direkt zur Seele, berührt sie, bewegt sie, lässt sie träumen und jubilieren. Dass Musik die Fähigkeit hat, Stimmungen aufzuhellen, bewiesen die 30 Sängerinnen und Sänger des Kammerchores "amici del canto" und das Bergische Blechbläser Ensemble mit ihrem Konzert unter der Leitung von Dennis Hansel in Ohligs. Von Sandra Grünwald

Unter dem Titel "Vom Dunkel ins Licht" hatten sie mit geistlichen Stücken überwiegend moderner Komponisten ein vielfältiges Programm in die gut besuchte katholische Kirche St. Josef mitgebracht.

Gerade im November, wenn die Tage immer kürzer werden und das Licht der langen Dunkelheit weicht, in einem Monat des Gedenkens an die Verstorbenen, thematisierte das Konzert den Abschied - aber auch das Keimen neuer Hoffnung. Raymond Premrus (1934 - 1998) "In Memoriam" für ein Posaunenquartett, das er in den 1950er Jahren nach dem plötzlichen Unfalltod eines Studienkollegen schrieb, vereinte Trauer und Schmerz mit der Aussöhnung mit dem Unabwendbaren und klang mit stillen, aber zuversichtlichen Tönen aus.

Eindrücklich das "Apparebit repentina dies", des 1895 in Hanau geborenen Paul Hindemith. Das Werk für Chor und Blechbläser begann mit dem Niedergang der Welt, wobei Hindemith mit einem Leitmotiv das Beben der Erde, die züngelnden Flammen und das Herabfallen der Sterne nahezu bildhaft darstellte. Nach dem Vergehen der Welt traten die Menschen - gesungen von den Frauenstimmen - vor Christus, der von allen Männerstimmen verkörpert wurde. Er belohnt die Barmherzigen und straft die Herzlosen, was Hindemith durch den Einsatz der Bläser wirkungsvoll unterstrich. Die Essenz des Werkes ist, dass es darauf ankommt, wie die Menschen auf Erden mit ihren Mitmenschen umgehen. Das war 1947, als Hindemith das Stück komponierte, ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Aber sicher auch für den Komponisten selbst, dessen Musik in den 1930er Jahren als "entartet" verfemt wurde, was ihn zwang, ins Exil zu gehen.

Eine besondere Atmosphäre schuf das von der Empore gesungene A-capella-Stück "O Adonai" des 1968 geborenen Komponisten Pawel Lukaszewski. Die sich steigernden Wiederholungen des "O Adonai" entfalteten eine meditative Wirkung, bevor es mit dem Wunsch nach Christi Erscheinen endete. Nach der erhebenden Motette "O Jesu Christ, meins Lebens Licht" von Johann Sebastian Bach, folgte das gemeinsame Lied "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

Mit dem "Gloria" für gemischten Chor, Blechbläser und Schlagwerk, das John Rutter im Jahr 1974 schuf, endete das Konzert des Kammerchores unter großem Jubel. Mit neuer Zuversicht erfüllt wurde das Publikum in den dunklen Novemberabend entlassen.

Quelle: RP
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