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Analyse

Man muss nicht lange um den sprichwörtlich heißen Brei herumreden: Knapp ein Jahr, nachdem das britische Bahnunternehmen National Express in der Region die Arbeit aufgenommen hat, fällt die Bilanz ziemlich schlecht aus. Ärger mit der Technik, überfüllte Züge, Verspätungen und als trauriger Höhepunkt das Fiasko, als im Sommer ganze Züge ausfielen, weil zu wenig Lokführer zur Verfügung standen, lassen nur ein Fazit zu: Das Tempo, mit dem das Unternehmen seinen Ruf bei den Kunden verspielt hat, hätte man sich manches Mal lieber im Alltag auf der Schiene gewünscht. Von Martin Oberpriller

Keine Frage, aller Anfang ist schwer. Doch es führt kein Weg daran vorbei, dass die Pannen bei National Express Methode haben. Die Verantwortlichen haben die Herausforderungen unterschätzt, die das Betreiben von zwei wichtigen Bahnlinien in NRW nun einmal mitbringt. Wer glaubt, er könnte die Strecken der Regionalbahn 48 sowie des Regionalexpresses 7 bedienen, hat schlicht und ergreifend vom ersten Tag an dafür Sorge zu tragen, dass die benötigte Hardware, in diesem Fall Züge, zur Verfügung steht.

Davon konnte indes in den ersten Monaten keine Rede sein - mit der Folge, dass National Express bereits viel an Reputation verspielt hatte, als schließlich der Super-GAU passierte. Weil - völlig überraschend - während der Sommerferien einige Zugführer in Urlaub waren und auch noch ein paar Kollegen krank wurden, strich National Express kurzerhand einige Fahrten, ohne die Kunden über diese ohnehin inakzeptablen Ausfälle zu informieren.

Mit Verlaub, das kann sich vielleicht eine Pommesbude erlauben, die in solchen Fällen ein Schild ins Fenster hängt: "Wegen Krankheit geschlossen". Doch für ein Bahnunternehmen ist dies ein Armutszeugnis und lässt lediglich den Schluss zu, dass es National Express von Beginn an darauf angelegt hatte, mit wenig Personal und geringen Kosten den maximalen Profit herauszuholen.

Okay, so kann man es sicher machen. Nur darf man sich dann auch nicht über die Konsequenzen wundern. Dass sich einige Kunden inzwischen wieder die Bahn als Betreiberin zurückwünschen, sollten die Verantwortlichen als das verstehen, was es ist: Ein Alarmsignal.

Quelle: RP
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