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Solingen
Anbieter von Diätkur unterliegt vor Gericht

Solingen. Kundin muss nicht den vollen Preis einer angebrochenen Diät bezahlen. Kläger geht in Revision. Von Martin Oberpriller

Eigentlich sollte die Diät vier Wochen dauern und Pfunde purzeln lassen. Doch in Wirklichkeit waren die Abnehmbemühungen der Solingerin bereits nach einigen Tagen wieder vorbei - wobei am Ende lediglich das Konto der Betroffenen, im übertragenen Sinn, an Gewicht verlieren sollte.

Gleichwohl wird der in Solingen beheimatete Besitzer einer auf homöopathische Verfahren spezialisierten Ernährungsberatung einstweilen leer ausgehen. Denn der Mann scheiterte gestern vor dem Wuppertaler Landgericht auch in zweiter Instanz mit dem Versuch, von einer Ex-Kundin 1290 Euro zu bekommen. Die Richter der 9. Zivilkammer wiesen - wie schon das Solinger Amtsgericht - die Klage auf Zahlung des vollen Preises für die abgebrochene Diät zurück.

Rückblende: 2014 hatte sich die Solingerin in die Obhut der Ernährungsberatung begeben, die ihrerseits Franchisenehmerin eines in Süddeutschland ansässigen Unternehmens ist. Das ehrgeizige Ziel: In lediglich 28 Tagen wollte die Frau mit spezieller Ernährung sowie homöopathischen Spritzen zur Traumfigur gelangen. Allerdings verspürte die nun Beklagte bereits kurz darauf Übelkeit, so dass sie ein ärztliches Attest vorlegte und den Vertrag mit der Ernährungsberatung fristlos kündigte. Schließlich, so die Frau damals, habe der Arzt ihr von der Fortsetzung des Abnehmprogramms abgeraten.

Doch durfte die Solingerin das einfach so ? Dies wäre nur der Fall gewesen, hätte es sich bei der 28 Tage-Diät um eine "Dienstleistung höherer Art" gehandelt. Darunter fassen Juristen so unterschiedliche Dinge wie Arztbehandlungen und Leistungen von Eheanbahnungsinstituten zusammen. Also all jene Dienste, die auf den ersten Blick nichts gemein haben, gleichwohl aber auf einem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Anbieter und Kunden beruhen - und wozu die Richter gestern auch homöopathische Diätkuren zählten. Diese Therapie habe nämlich unter anderem unter ärztlicher Begleitung stattgefunden und sei deshalb sehr wohl eine "Dienstleistung höherer Art" gewesen.

Was indes den Streit zwischen Ernährungsberatung und Kundin nicht beendet. Denn das Landgericht ließ eine Revision zu. Und der Unternehmer kündigte an, den Weg zum Bundesgerichtshof gehen zu wollen. "Wir wollen das klären lassen, weil es sonst den Kunden zu leicht gemacht wird, Verträge zu kündigen", sagte der Mann, der seine Diät lediglich als eine ganz normale Dienstleistung ansieht.

Quelle: RP
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