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Solingen
Annäherung beim Hindenburgplatz

Solingen. Interview mit Bezirksvorsteherin Birgit Zeier (SPD) und Lars Schulz, Sprecher der Bürgerinitiative Hindenburgplatz, über einen Ausweg aus dem Namensstreit, der Wald seit Wochen nicht zur Ruhe kommen lässt. Doch jetzt sollen die Gespräche aufgenommen werden.

Frau Zeier, Walder Marktplatz statt Hindenburgplatz ­ dies ist der Vorschlag, der jetzt in der Bezirksvertretung präsentiert wurde. Trifft das auf Zustimmung in Wald?

Zeier Mein Eindruck ist, dass ein Walder Marktplatz bei vielen gut ankommt. Viele wünschen sich, dass wir zu einem Kompromiss kommen, damit wir uns auch den vielen anderen wichtigen Themen widmen können.

Sie haben in der BV eine Erklärung für die drei Fraktionen SPD, Grüne und Linke abgegeben ­ mit dem Rückzieher vom Pina-Bausch-Platz. Wann kommt der politische Beschluss?

Zeier Das wäre frühestens in der Sitzung am 26. April möglich. Die Zeit drängt jedoch nicht. Es wäre schön, wenn sich bis dahin eine Meinungsbildung gefunden hätte. Die ersten Gespräche mit der Bürgerinitiative und die Chance, gemeinsam eine Lösung zu finden, haben in jedem Fall Vorrang. Die Gespräche finden noch in dieser Woche statt.

Der Beschluss zum Pina-Bausch-Platz wird zwar gekippt; doch der Hindenburgplatz soll trotzdem umbenannt werden. Hängt für Sie politisch beides zusammen?

Zeier Wir sind im Moment noch in der Gesprächsphase. Das muss am 26. April nicht zwingend auf die Tagesordnung. Es besteht kein Zeitdruck. Die Umsetzung des im Januar gefassten Beschlusses mit dem Pina-Bausch-Platz ist zur Zeit ausgesetzt; es passiert nichts in diese Richtung. Es ist jetzt noch zu früh, eine Prognose über den Inhalt einer zukünftigen Beschluss-Empfehlung abzugeben. Das müssen die Gespräche zeigen. Wir haben uns aber sehr von unserem ursprünglichen Beschluss auf die anderen zubewegt. Wir hoffen und erwarten von ihnen ebenfalls Mut und Beweglichkeit.

Die Umbenennung in Walder Marktplatz kostet doch auch Geld?

Zeier Daran würde dies nicht scheitern. So, wie wir für den Pina-Bausch-Platz genügend Mittel aus der Bürgerschaft bekommen hätten, wird sich auch für den Walder Marktplatz eine Lösung finden lassen, erst recht, wenn alle an einem Strang ziehen.

Wegen des Streits um den Namen des großen Platzes ist Wald seit Wochen nicht zur Ruhe gekommen. Wie viel Kraft raubt das für anderes, zumal jetzt das städtische Sparpaket mit der geplanten Schließung des Stadtsaals zu diskutieren ist?

Zeier Wir möchten nach vorne blicken und uns auch auf andere wichtige Dinge im Stadtteil konzentrieren.

"Bürger ins Boot holen”

Herr Schulz, wann spricht die Bürgerinitiative mit Bezirksvorsteherin Birgit Zeier, um eine Lösung im Namensstreit zu finden?

Schulz Wir haben schon miteinander telefoniert und werden uns in Kürze zusammensetzen. Ich habe vorgeschlagen, das unter der Moderation des Oberbürgermeisters als neutrale Instanz zu machen. Das entspricht auch den Vorstellungen des Walder Ex-Bezirksvorstehers Dr. Hans-Joachim Müller Stöver.

Sind die Fronten denn so verhärtet?

Schulz Wir sind an einer gemeinsamen Lösung interessiert. Aber das Bürgerbegehren ist noch nicht vom Tisch. Wer einen Kompromiss will, sollte doch erst einmal Gespräche führen und dann das gemeinsame Ergebnis präsentieren. Mit dem Vorschlag des Walder Marktplatzes ist der Weg doch schon vorgegeben. Und wieder wurde der Bürger daran nicht beteiligt.

Könnten Sie sich denn mit der Umbenennung des Hindenburgplatzes in Walder Marktplatz anfreunden?

Schulz Mein Eindruck ist, dass das nach wie vor auf Ablehnung stößt. Die Mehrheit der Bürger möchte, dass alles so bleibt, wie es ist. Das haben wir aus unseren Gesprächen erfahren, und das zeigen die zahlreichen Leserbriefe und die Proteste der Walder.

Wie ist die Position der Bürgerinitiative?

Schulz Wir sind Fürsprecher der Walder Bürger.

Was schlagen Sie denn vor?

Schulz In der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am 26. April sollte der Beschluss einer Namensänderung in Pina-Bausch-Platz ersatzlos zurückgenommen werden. Eine Entscheidung über einen neuen Namen für den Hindenburgplatz sollte dann aber noch nicht getroffen werden. Dazu sollte der Bürger mit ins Boot geholt werden. Ein neuer Name sollte in Wald sachlich, offen und ehrlich diskutiert werden, um dann zu einer Lösung im Sinne der Bürger zu kommen.

Im städtischen Sparpaket steht die Schließung des Stadtsaals, des Hallenbads Vogelsang und andere richtungsweisende Entscheidungen. Doch eine Bürgerinitiative in Wald focussiert sich auf den Streit um den Namen eines großen Platzes, der zum Teil für den Wochenmarkt und hauptsächlich als Parkplatz genutzt wird. Setzt die Initiative die falschen Akzente?

Schulz Der Stadtsaal ist ja nicht Teil unseres Begehrens. Das heißt aber nicht, dass dort nichts aus der Bürgerschaft passiert. Es gibt ja Bemühungen eines Fördervereins Stadtsaal, die sich entsprechend darum kümmern.

Günter Tewes führte die Gespräche mit Birgit Zeier und Lars Schulz.

(oste)
 
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