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Solingen
Ansichten aus der Endzeit

Solingen: Ansichten aus der Endzeit
Zwei aktuelle Bilder des in Berlin lebenden Malers Niels Sievers, der zum ersten Mal in der Bergischen ausstellt: "Ohne Titel" (2013, Öl und Lack auf Leinwand/Foto oben) und "It's all right" (2013, Öl). FOTO: Privat
Solingen. Seine Bilder sind durchweg in dunklen, melancholisch stimmenden Farbtönen gemalt. Die in Sprühnebel getauchten Naturmotive scheinen das Zeitalter der deutschen Romantik zu zitieren. Dass sie nicht aus der Zeit gefallen sind, zeigen die gesetzten Störelemente, die zeitgenössischen Bezüge in den Landschaften und Waldstücken, die Niels Sievers in extrem düsterer Endzeitstimmung anlegt. Von Michael Tesch

Nichts Menschliches scheint in dieser Welt überlebt zu haben. Nur ein paar Eulen sitzen auf den kahlen Ästen der abgestorbenen Bäume. Den Tieren scheint die Dunkelheit in den Landschaften wenig auszumachen. Der Mensch könnte in solch unwirtlicher Natur nicht überleben. Höchstens in einem Raumanzug ("Ohne Titel", 2009). "It's All Right" hat der Künstler in das auch so bezeichnete Bild (2013) in den Himmel geschrieben. Er wolle eine "Opposition zum Lärm des Medienzeitalters darstellen", hat Sievers einmal zu seiner Malerei erklärt. Zwei Großformate sind jetzt bis zum 8. September in einer 67. Bergischen Kunstausstellung im Kunstmuseum Solingen zu sehen.

Der Künstler, 1979 in Niebüll geboren, hat an der Düsseldorfer Kunstakademie in der Klasse Jörg Immendorff studiert. Sievers ist einer der letzten Meisterschüler des 2007 verstorbenen Künstlers. Schaut man sich frühere Bildmotive an, etwa die Serie mit den Lautsprecher-Membranen, oder auf die nach Songs von "Cure" ("Boy's Don't Cray") und "AC/DC" ("Back to Black") betitelten Einzelausstellungen des heute in Berlin lebenden Malers, wird ein starker Bezug zur Musik deutlich. Auch auf Schallplatten hat der Künstler bereits gemalt. Das schwarze Vinyl wurde zum nächtlich-schwarzen Himmel über den Landschaften, das ausgestanzte Mittelloch der Platte zum Mond.

"Ich komme ursprünglich aus der Musik. In meiner Jugend hatte ich eine Rockband", erzählt Sievers. "Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass man in einer Band viele Kompromisse machen muss, um voranzukommen. Und da ich auch während meiner Musikerlaufbahn immer gemalt und gezeichnet habe, habe ich mich schließlich mit 18 nur noch der Kunst gewidmet." Wichtige Inspirationsquelle ist die Musik für Sievers aber geblieben: "Die unterschiedlichen Stimmungen, in die einen Musik versetzen kann, wie Moll- und Dur-Töne, Veränderung des Taktes, laut und leise, versuche ich auch oft in den Bildern zu transportieren."

Obwohl die Bilder Sievers atmosphärisch vom Dunkel der Nacht bestimmt sind, kommt dem Licht eine wichtige Rolle zu. "Am Horizont schimmernd oder in Strahlen einfallend, bahnt es der Farbe den Weg. Schwarz sind die Bilder nur für den flüchtigen Betrachter. So viele Worte wie die Eskimos für Schnee haben, bräuchte man, um die nächtlichen Szenarien zu beschreiben, die in ihren Schattierungen des Dunkels eine reiche Farbigkeit entfalten", schreibt Zora Schmidt-Tychen zur Malerei Sievers anlässlich der Ausstellung "Spiegelbild" 2008 im Düsseldorfer "Kunst im Tunnel".

Für den Katalog zur 67. Bergischen Kunstausstellung im Kunstmuseum Solingen hat Sievers auf einen erklärenden Text zu seiner Malerei verzichtet. Nur ein kleines Gedicht hat er abdrucken lassen: "All these mountains / I have to climb / in this world that I made / ignoring everything / on my own / in the darkness of the dawn".

(RP/ac)
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