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Solingen
Anwohner kritisieren Bau des Holzhauses

Solingen. Die Stadt informierte über die geplante Flüchtlingsunterkunft in Höhscheid. Ein Streitpunkt war der Landschaftsschutz. Ab Mitte Mai soll an der Neuenkamper Straße gebaut werden. Von Benjamin Dresen

Der Ort der Veranstaltung verzeichnete einen sehr guten Besuch. Die Lutherkirche war bei der Info-Veranstaltung zum Bau eines Holzhauses für Flüchtlinge an der Neuenkamper Straße bis in die hinteren Reihen besetzt. Die Stadt stellte ihre Pläne vor, und Sozialdezernent Jan Welzel sowie Flüchtlingskoordinator Dirk Wagner standen den Bürgern Rede und Antwort.

Welzel betonte, die Situation bei der Unterbringung von Flüchtlingen habe sich entspannt. Notunterkünfte könnten aufgegeben und die Menschen in normalen Wohnraum überführt werden. 820 Flüchtlinge konnte die Stadt bislang in 368 angemieteten Wohnungen unterbringen. Da das Angebot auf dem Wohnungsmarkt nicht ausreicht, schafft die Stadt weiteren Wohnraum durch den Bau von vier Holzhäusern: an der Zietenstraße, der Jaspersstraße, der Nibelungenstraße und an der Neuenkamper Straße. Ab Mitte Mai soll an der Neuenkamper Straße auf dem Feld gegenüber der Bauermannskulle ein zweistöckiges Holzhaus in Modulbauweise gebaut werden. Das Gebäude mit etwa 700 Quadratmetern Grundfläche bietet in 21 Wohnungen Platz für maximal 100 Personen.

Die Anwohner kritisierten den Bau eines solchen Hauses an der viel und schnell befahrenen B 229. Die Straße sei nachts nicht beleuchtet und Kinder könnten die Straße nicht queren. Eine Besucherin stellte den schnellen Bau der Häuser in Frage. Die Stadt habe zum Teil Wohnungen angemietet, die noch nicht bezogen seien. Flüchtlingskoordinator Dirk Wagner entgegnete hierzu, die Stadt könne nicht auf Containerbauten verzichten. Aktuell stünden nur etwa 20 angemietete Wohnungen leer.

Sozialdezernent Welzel rechtfertigte den Bau des Holzhauses an diesem Standort. Es sei notwendig gewesen, die Flüchtlinge über das Stadtgebiet verteilt unterzubringen und eine "schnelle Entscheidung" zu treffen. Der Landschaftsschutz an diesem Ort schließe eine solche Maßnahme nicht grundsätzlich aus. Die Bürgerinitiative Neuenkamper Straße bemängelt, dass die Stadt bei den Anwohnern bisher sehr genau auf den Landschaftsschutz geachtet habe. Dieser werde nun einfach übergangen. Zudem seien Busanbindung und Einkaufsmöglichkeiten schlecht. "Die Stadt ist verpflichtet, adäquat unterzubringen", erklärte Welzel. Damit konnte die Aufhebung des Landschaftsschutzes begründet werden. "Es besteht Not", unterstrich Dirk Wagner. "Wir haben keine leichtfertige Entscheidung getroffen."

Eine Anwohnerin bemerkte, die Stadt habe mit der Begründung des Landschaftsschutzes dreimal die Baugenehmigung für ihren Carport abgelehnt. Sie hätte sich gewünscht, früher über den Bau informiert worden zu sein und "nicht vor vollendete Tatsachen" gestellt zu werden.

Derzeit sind etwa 2900 Flüchtlinge in Solingen registriert. Davon befinden sich 1684 in laufenden Asylverfahren, bei 977 ist das Asylverfahren abgeschlossen und 219 sind in Landeseinrichtungen untergebracht.

Quelle: RP
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