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Kooperationsserie Hören Am Arbeitsplatz
Arbeitnehmer nachlässig beim Gehörschutz

Solingen. Lärm am Arbeitsplatz ist noch immer eine wichtige Ursache für Schwerhörigkeit - trotz gestiegener Anforderungen an den Lärmschutz. Von Alexander Riedel

Wenn der alte Fallhammer im LVR-Industriemuseum auf das Werkstück saust, bekommen die Besucher einen Eindruck davon, welchem Lärm die Mitarbeiter der Gesenkschmiede Hendrichs und anderer Schmieden ausgesetzt waren. Doch auch heute, in Zeiten modernerer Maschinen, eines stärkeren Bewusstseins für den Arbeitsschutz und strengeren Vorschriften, ist Lautstärke in vielen Firmen oder an Baustellen noch immer eines der größten Gesundheitsrisiken.

Mehrere Millionen Bundesbürger arbeiten täglich unter einem regelmäßigen Pegel von mehr als 85 Dezibel - also über dem kritischen Schwellenwert für die Schädigung des Gehörs. Ab einer Tagesbelastung von 80 Dezibel für die Mitarbeiter müssen Arbeitgeber gemäß der nationalen Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung einen Gehörschutz bereitstellen und eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten, ab 85 besteht eine Tragepflicht, zudem müssen Lärmbereiche gekennzeichnet werden. Doch auch das kann Schäden nicht immer verhindern: Zum einen, weil der bereitgestellte Schutz manchmal undicht ist und daher nicht zuverlässig schützt, wie etwa die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe beklagt. "Und zum anderen, weil manche Mitarbeiter die Risiken auf die leichte Schulter nähmen", erklärt Birgit Wasserfuhr-Fischer vom gleichnamigen Hörgeräte-Spezialisten an der Hauptstraße.

"Manchen Leuten ist es zu umständlich, immer wieder den Gehörschutz herauszunehmen, um etwa zu telefonieren oder sich mit Kollegen abzusprechen - und dann wieder einzusetzen", ergänzt Mitarbeiterin Julia Spanier. Regelmäßige Untersuchungen durch den Amtsarzt in lärmintensiven Branchen seien sehr wichtig, um die Hörminderung frühzeitig zu erkennen, sagt die Hörgeräteakustikermeisterin. Ratsam ist zudem oft ein individuell angefertigter Hörschutz, den die Berufsgenossenschaft in der Regel übernimmt.

Einmal mehr macht sich jedoch der Umstand bemerkbar, dass die Hörminderung nur schleichend eintritt, die Betroffenen die Gefahr teilweise unterschätzen: "Vor allem die älteren und Erfahreneren sind manchmal etwas nachlässig, wenn es um das Tragen des Hörschutzes geht", sagt Wasserfuhr-Fischer. Bei jüngeren Kollegen habe sich das Bewusstsein für die Risiken eher durchgesetzt: "Sie sind vielfach auch bereit, privat für ihren Lärmschutz zu sorgen." Zumal sich in jüngerer Vergangenheit auch die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Lärm nicht nur das Gehör schädigt, sondern den ganzen Organismus: Als stressauslösender Faktor steigt bei regelmäßiger Belastung sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In einer dreiteiligen Serie widmet sich unsere Redaktion in Kooperation mit Hörgeräte Wasserfuhr dem Thema "Hören".

Quelle: RP
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