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Solingen
Arbeitsagentur ebnet den Weg zur Fachkraft

Solingen. Fast zwei Millionen Euro stehen für die Weiterbildung von Mitarbeitern bereit.

Bei Gebr. Hartkopf und der Arbeitsagentur sind alle Beteiligten hochzufrieden: Industriemechaniker Alwin Unterweger freut sich über seine Festanstellung in der Gesenkschmiede, Prokuristin Sabine Stamm hat einen neuen vielseitigen Mitarbeiter mit Einser-Abschluss, und die Agentur kann mit dem Beispiel für ihr "WeGebAU"-Programm werben - der Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeitnehmer in Unternehmen. Rund 1,9 Millionen Euro stehen in diesem Jahr im Städtedreieck für das Förderprogramm bereit.

"Gering qualifiziert" ist bei Alwin Unterweger relativ: Der heute 31-Jährige studierte in Bochum Maschinenbau und jobbte nebenher in der Gesenkschmiede an der Bismarckstraße - rund ein halbes Dutzend Jahre lang. Dort begeisterte er sich für das Berufsbild des Industriemechanikers und entschied sich, das Studium abzubrechen. "Die Arbeitsagentur hat schnell und total unbürokratisch geholfen", lobt Sabine Stamm. "Wir haben die Weiterbildungskosten übernommen und einen Entgelt-Zuschuss gezahlt", erläutert Qualifizierungsberaterin Martina Wildförster. Das Programm "WeGebAU" gibt es seit 2006. "Wir haben es 2009/2010 in der Krise kennengelernt", sagt Sabine Stamm. "Dadurch, dass wir Mitarbeiter zu Maschinen- und Anlagenführern ausbilden ließen, haben wir die Kurzarbeit vermeiden können." In dem 50-Mitarbeiter-Unternehmen hätten es die Beschäftigten nach anfänglicher Skepsis "wie einen Adelstitel" empfunden, als sie für das Programm ausgewählt wurden.

Alwin Unterweger hat sein spezielles Adelsprädikat: Er schloss Zwischen- und Abschlussprüfung jeweils mit "Eins" ab - bei einer verkürzten Ausbildung, die ihn von September 2014 bis Juni 2016 in die Berufsschule führte. "Wegen der Verkürzung wurde es vor allem im letzten halben Jahr stressig", erläutert er. "Es lohnt sich aber auf jeden Fall. Jetzt stehen mir auf dem Arbeitsmarkt alle Möglichkeiten offen." Denn neben dem Industriemechaniker-Abschluss förderte die Arbeitsagentur Zusatzqualifikationen. Unterweger nahm an Pneumatik-Lehrgängen teil, erwarb den Gabelstaplerschein und darf Kräne sowie Lkw (bis 40 t) führen. "Er weiß, dass er gebraucht wird", betont Sabine Stamm.

33 derartige Umschulungen unterstützt die Arbeitsagentur zurzeit - neun in Solingen, sechs in Remscheid und 18 in Wuppertal. "Viele junge Leute brauchen mehrere Chancen", bemerkt Qualifizierungsberaterin Wildförster. "Unsere älteste Umschülerin war aber 57 Jahre alt." Die Erfolgsquote ist beachtlich: Bei bisher rund 1000 Förderfällen, die von ihr betreut wurden, hätten weniger als zehn Teilnehmer den Abschluss nicht erreicht. Franz Heuel, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, wünscht sich von den Arbeitgebern noch mehr Interesse an dem Programm: "Die Zahl der Arbeitsstellen für Geringqualifizierte nimmt ab."

"WeGebAU" besteht aus drei Fördersäulen. Über die Details informiert Martina Wildförster, Tel. 0 21 91/46 06-5 53 (für Solinger und Remscheider Firmen).

(flm)
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