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Solingen
Auf dem "Operationstisch" Leinwand

Solingen. Der Wuppertaler Maler Ralf Altreuther zeigt prallvolle Bildkompositionen in der Galerie SK in den Güterhallen. Von Güdny Schneider-Mombaur

Ralf Altreuthers Malerei lebt von Fülle und Pluralismus, von der Bilderflut in der Realität, in den Medien und in unseren Köpfen. Alles ist für den Künstler bildwürdig. Er fügt heterogene Dinge zusammen, schichtet und verdichtet die Bildebenen zu einem neuen Ganzen - mal homogen, mal disparat. Frei nach Lautréamonts Definition des Surrealismus treffen unterschiedliche Gegenstände auf dem "Operationstisch" Leinwand zusammen. Bei Altreuther sind es Lampenschirme, Rüstungsteile, Hosen, Megaphone, Fliegenpilze und vieles mehr. Die überbordende Fülle an Motiven soll den Betrachter überwältigen und sein Interesse binden. Auf Einladung von Michael Klette stellt Altreuther seine Malerei jetzt in der Galerie der Solinger Künstler in den Güterhallen aus. Die Ausstellung wird morgen um 15 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 23. Oktober in der Galerie im Südpark zu sehen.

Die Einzelmotive finden in unterschiedlichsten Darstellungsweisen ihren Weg ins Bild: von erkennbar realistisch bis fotorealistisch, in verschiedenen Abstraktionsgraden, vollständig oder fragmentiert. "Manches kommt dem Betrachter bekannt vor, aber er weiß trotzdem oft nicht, was es ist", erläutert der in Wuppertal lebende Altreuther. Hinzu kommen Grafiken, Piktogramme, Textfragmente sowie Passagen abstrakter gestischer Malerei. Alle Bildelemente sind in sich durchdringenden Schichten miteinander verwoben, erzeugen Spannung, Konflikte oder Harmonie. "Auch die Wortfetzen sind kein Narrativ", so der Künstler, "sie sind genauso widerständig wie alle anderen Bildelemente, und doch stellen sie manchmal auch für mich im Nachhinein unterschwellige Bezüge her."

"Blind dates" nennt Ralf Altreuther seine in der Galerie SK vorgestellte Werkgruppe - und beschreibt damit auch das unvermittelte Aufeinandertreffen von Heterogenem. Der Künstler ergänzt: "Die Ergebnisse dieses Verkupplungsprozesses sind meist harmonischer, als erwartet." Die Serie großformatiger Bilder auf der Hauptwand der Galerie in den Güterhallen haben den Titel: "Eklekticity", eine Wortschöpfung, die Altreuther als positiven Gegenentwurf zum oft negativ besetzten Begriff Eklektizismus versteht. "Der Künstler", so definiert Altreuther, "bedient sich im Selbstbedienungsladen der Objekte und Stile und schafft so neue und skurrile Konstellationen."

Im Obergeschoss zeigt der Maler kleinformatige Arbeiten, die als Vorläufer seine künstlerische Entwicklung nachvollziehbar machen. Die Stillleben sind realistischer, wirken aber nicht arrangiert, sondern sind bedingt durch die ungewöhnlichen Perspektiven und Anschnitte ähnlich dichte, komprimierte Kompositionen von Spielzeugen, Legosteinen oder Gummihandschuhen.

Der Maler ist studierter Physiker und schloss sein zweites Studium an der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen ab, wo er heute als Dozent arbeitet.

Quelle: RP
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