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Solingen
Aus der heutigen Küche ist der Hasenbraten (nahezu) verschwunden

Solingen. Axel Caspers käme heute nicht mehr auf die Idee, ein Hasen- oder Kaninchengericht auf die Speisekarte zu setzen. Zwar bekommt der Koch des Landgasthofes Friedrichsaue bei der Jagd häufig genug einen Hasen vor die Flinte, doch beschränkt er sich darauf, Rehe und Hirsche sowie in der Mehrzahl Wildschweine für die Küche zu schießen. Einen herumlaufenden "Meister Lampe" lässt Caspers stets mit einem zufriedenen Lächeln hoppeln. Von Guido Radtke

"Vor gut zehn Jahren hatten wir eine geschmorte Kaninchenkeule angeboten - aber kaum ein Gast wollte sie so richtig bestellen", erinnert sich Dijana Caspers. Die Gastronomin selbst käme höchstens im Urlaub in Spanien auf die Idee, eine Ausnahme zu machen. "Alles, was einen Namen hat, kommt bei uns nicht auf den Tisch", lautet die Grundregel, die seit dem Einzug der Kaninchen Benji, Frankie und Jonny in Rüden ihre Gültigkeit hat. "Für die Tiere war es hier ein kleines Paradies. Unser Ausbrecherkönig Benji hat es aus dem riesigen Stall und Auslauf sogar immer wieder bis auf die Terrasse geschafft."

Ein altes Kochbuch in Sütterlinschrift von 1925 hat Dijana Caspers aus ihrem Fundus hervorgekramt, in dem die Autorin Henriette Davidis neben Dachs- oder Schwangerichten auch diverse Hasenrezepte niedergeschrieben hat. In der "Hausfrauen-Bibel" von damals finden sich Hasenragout, Hasenschnitten, Varianten von Hasenbraten und natürlich der Hasenpfeffer. "Diesen würde heute keiner mehr zubereiten, weil zu den Zutaten eine Tasse Hasen- oder Schweineblut gehört", weiß Caspers. Mit der Redensart "Da liegt der Hase im Pfeffer" hat dieses Gericht im Übrigen wenig zu tun. Im 18. Jahrhundert wurde das Fleisch des Hasen gerne so zerkleinert und in einer Brühe mit viel Gewürz und Pfeffer sowie allerlei Zutaten versehen, dass es nach dem Kochen nur noch schwer zu erkennen war.

Im Landgasthof Friedrichsaue ist der Hase an den Ostertagen zumindest aber bei der Dekoration präsent. Auf der Sonderkarte ist unter anderem eine Karottensuppe mit Ingwer zu finden. "Das ist sozusagen unsere Hommage an das Häschen", sagt Dijana Caspers. Sie ist sicher, dass die Vorspeise häufiger bestellt wird als damals die Kaninchenkeule.

Quelle: RP
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