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Solingen
Aus der Kneipe direkt ins Grüne

Solingen: Aus der Kneipe direkt ins Grüne
Mit gewaltigem Choraufgebot: Beim Solidaritätskonzert gab es die große Bandbreite - von Klassik über Oper bis hin zum Musical. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Zu einem Solidaritätskonzert mit den Bergischen Symphonikern lud die Kreis-Sängervereinigung in den Konzertsaal ein. Von Jan Crummenerl

Seit Bestehen der Bergischen Symphoniker flammen immer wieder Diskussionen auf, ob sich die klammen Kommunen Solingen und Remscheid so ein Orchester leisten können. "Hier wollen wir Flagge zeigen", sagt Andreas Imgrund, Vorsitzender der Kreis-Sängervereinigung (KSV). "Es soll ein Zeichen der Solidarität aller Kulturschaffenden in Solingen für die Symphoniker sein." Bei einer Sängerehrung der KSV vor rund zwei Jahren war der damalige Oberbürgermeister Norbert Feith zu Gast. Bei dieser Gelegenheit hat er besonders auf die finanziell schwierige Situation bei den Bergischen Symphonikern hingewiesen. Es wurde die Geburtsstunde einer Idee: ein Benefizkonzert zugunsten des Orchesters.

"Wir wollen zeigen, wie wichtig Kultur allgemein und die Symphoniker speziell für eine Stadt sind, auch wenn es finanziell nicht rosig aussieht", erläutert Imgrund. Immerhin: In den vergangenen Tagen haben die Oberbürgermeister von Solingen und Remscheid in einem gemeinsamen Schreiben der Möglichkeit einer Fusion mit den Wuppertaler Symphonikern eine Absage erteilt.

Im Januar haben die Proben begonnen, zu der in verschiedensten Formationen Sänger aus den in der KSV zusammengeschlossenen Chören sich eingefunden haben. "Willi Winkler als Chorleiter hat sich hierfür sehr engagiert." In diesem Jahre wird die KSV 70 Jahre alt. "Wir haben bewusst auf eine Festveranstaltung verzichtet, sondern dieses Projekt dafür ausgesucht." Am Samstagabend war es dann soweit. Zum gemeinsamen Konzert luden KSV und Bergische Symphoniker zum Benefizkonzert in den Konzertsaal ein. Dass dieses Zeichen auch "oben" angekommen ist, zeigt, dass Oberbürgermeister Tim Kurzbach die Schirmherrschaft dieser Solidaritätsveranstaltung übernommen hat, in der es musikalisch die ganz große Bandbreite gab: von Klassik über Oper bis hin zum Musical. Besonders die intensive Vorbereitung der Sänger durch Willi Winkler auf diesen Abend zahlte sich musikalisch mehr als aus. Ein Hörvergnügen, das jede Generation angesprochen hat. Nicht nur akustisch war der Chor aus Reihen der KSV-Mitglieder beachtlich im gut besuchten Konzertsaal. Alleine optisch machten die Sänger schon etwas her, die in fünf Reihen auf den Podeststufen über dem Orchester mit Generalmusikdirektor Peter Kuhn thronten. Gesamtchor, gemischter Chor und Männerchor wechselten sich dabei klanglich spannend ab.

Musikalisch gewaltig wurde das Konzert mit "O Fortuna" aus Carl Orffs "Carmina Burana" eröffnet. Da kam fast Wehmut auf. Dachte man doch an die wunderbare Aufführung der ganzen "Carmina" vor einigen Jahren durch Willi Winkler und den KSV-Chor. Eine Wiederholung dieses Ereignisses wünscht sich sicher mancher Chormusikfan. Der musikalische Bogen spannte sich bis hin zum abschließend mit dem Publikum gesungenen Bergischen Heimatlied. Für die, die da nicht mehr ganz textsicher waren, gab es selbigen auf ausgeteilten Blättern. Schwungvoll stiegen die Sänger in Lutters Kneipe aus "Hoffmanns Erzählungen" von Offenbach: "Nun fülle bis zum Rand hinab die Becher, Bier oder Wein, das gilt uns alles gleich."

Romantisch ging es etwa ins Grüne mit dem Jägerchor aus Webers "Der Freischütz": "Wenn Wälder und Felsen uns hallend umfangen, tönt freier und freud'ger der Pokal." Klassiker wie Beethovens "Ode an die Freude" oder Elgars umgetexteter 1. Orchestermarsch standen neben schwungvollen Nummern aus "My Fair Lady". Da durften auch nicht das Chianti-Lied oder Dostals Fliegermarsch fehlen. Die Bergischen Symphoniker brachten sich mit einer fein gestalteten Ouvertüre zu Rossinis "Die diebische Elster" und einem schmissigen Ungarischen Tanz von Brahms ein: ein Abend gelebter Solidarität.

Quelle: RP
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