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Solingen
Aus Dornröschenschlaf zur "Werkstadt"

Solingen: Aus Dornröschenschlaf zur "Werkstadt"
In Halle 11 des ehemaligen Kieserling-Geländes entwickelten die vier Planungsbüros erste Ideen für die künftige Nutzung des Areals. FOTO: mak
Solingen. Kommen "Alphatier" und "Cube-ator"? Erste Vorschläge für die Neugestaltung von Omega- und Kieserling-Gelände. Von Fred Lothar Melchior

Professor Kunibert Wachten war beeindruckt: "Die Teams haben wesentlich mehr gezeigt, als man eigentlich erwarten durfte", lobte der Jury-Vorsitzende am Donnerstagabend. Da hatten gerade vier Architektur- und Stadtplanungsbüros gezeigt, was man aus den ehemaligen Kieserling-Hallen und dem angrenzenden Omega-Grundstück machen kann. Vier Tage lang hatten sich die Planer in Halle 11 niedergelassen, wo jetzt auch das öffentliche Auftakt-Kolloquium stattfand. Begonnen hatte der städtebauliche Ideenwettbewerb am Dienstag mit einem "Tag der offenen Hallen".

Alle Teams können auf namhafte Referenzprojekte verweisen - etwa in Bocholt, in Herten, in Köln oder in Zürich. "Was braucht Solingen ?", fragte Holger Hoffschröer von rha (Reicher Haase assoziierte GmbH, Aachen). Der Vorschlag der Aachener: ein Zentrum für Produktion und Kreativität. Hoffschröer: "Womit wir noch punkten können, das ist das Thema Innovation."

Markus Schaefer (Hosoya Schaefer Architects, Zürich) denkt ähnlich: Zukunft hätten Innovation und Wertschöpfung; kleinere Unternehmen könnten auch mitten in der City einen Platz finden - in der "Werkstadt Solingen". "Es wird aber keine Nachfrage nach teuren Gewerbeflächen geben", warnte Schaefer und schlug unter anderem "Zelleneinbauten" in bestehenden Hallen vor. Stadt, Wirtschaftsunternehmen, Verbände und die Stadt-Sparkasse sollten einen Verein gründen: "Wir denken, dass es keine traditionelle Investorengeschichte sein kann." Mögliche Neubauten versahen die Züricher mit starken Namen wie "Alphatier" und "Cube-ator".

Für Prof. Oliver Hall (Astoc, Köln) liegt das Gelände noch im Dornröschenschlaf. Statt einer Vision (wie "CarKult") brauche man eine Strategie - und weniger enge Vorgaben, als sie die Stadt gemacht hat. Die sieht kaum Wohnungen und keinen Einzelhandel vor, obwohl, so Hall, der Markt in Bewegung sei. "Eine Nutzungsfestlegung jetzt schließt eine alternative Entwicklung später aus." Astoc entwickelte drei Varianten: Hallen und Höfe, Blöcke (mit privaten Innenhöfen) und Korridore sowie eine "Blockrand"-Bebauung mit Wohnhäusern im Inneren.

Über die engen Vorgaben dachten auch die Planer von Pesch Partner aus Dortmund hinaus. Sie legten unter anderem Vorschläge für die Fläche des Möbelmarkts vor, um allen Entwicklungen gerecht werden zu können.

Auf dem Omega-Areal ist nach Meinung der Dortmunder auch ein Hotel denkbar. Das ganze Gelände, so Horst Schönweitz, biete "Atmosphäre und Adresse", stelle die Entwickler aber auch vor einen Haufen von Herausforderungen.

Sämtliche Teilnehmer des Wettbewerbs wollen das streng abgeschlossene Industriegelände aufbrechen, wollen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten anbieten - von Forschung und Lehre bis zur Gastronomie - sowie Altes und Neues mischen. Die Gebäude hätten zum Teil "schon sehr viel Charme", urteilte Markus Schaefer. Das sieht Egon Evertz genauso. Der Unternehmer kaufte das Kieserling-Gelände 1998, nutzt inzwischen aber nur noch den Verwaltungstrakt. "Die Hallen abzureißen, würde ich für eine Katastrophe halten", sagte Egon Evertz.

Die ersten Vorschläge lässt er sich jetzt wie die anderen Jurymitglieder durch den Kopf gehen. Das nächste öffentliche Kolloquium gibt es am 13. September, das letzte am 15. Dezember.

Dann entscheiden auch die Preisrichter, wie die Zukunft am Birkenweiher aussehen könnte.

Quelle: RP
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