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Solingen
Aus Ecclesia wird Familienkirche

Solingen: Aus Ecclesia wird Familienkirche
Die Kinderkirche unterstützt junge Flüchtlinge. Esther und Pastor Andreas Wiltzer sowie Silvana Shiqerukaj und Dária Pereira (v.l.) freuen sich über die Spenden wie Spielzeug und Kleidungsstücke. FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Mit einem monatlichen Kinder-Event, der Kleiderkammer und Deutsch-Unterricht helfen 40 Ehrenamtliche um Pastor Andreas Wiltzer und seiner Frau Esther Flüchtlingen im Gemeindehaus an der Merscheider Straße. Von Maxine Herder

Die Spenden, Kleidungsstücke für Kinder und Spielzeug, stapeln sich bis fast unter die Decke des kleinen Raums im Gemeindehaus der Familienkirche Solingen (früher Christengemeinde Ecclesia) an der Merscheider Straße. "Eine Solinger Hebammenpraxis hat für uns gesammelt", freut sich Pastor Andreas Wiltzer, dessen Frau Esther die Spenden nun gemeinsam mit Dária Pereira, Chefin der Kinder-Kleiderkammer der Gemeinde, und ehrenamtlichen Helfern wie der jungen Albanerin Silvana Shiqerukaj sortiert. Die Sachen werden dringend benötigt: Mehrere hundert Flüchtlingskinder, die in Solinger Heimen leben, werden über die Kinder-Kleiderkammer der Gemeinde versorgt - Tendenz kontinuierlich steigend.

Angefangen hat alles, sagt Pastor Wiltzer, mit einer Vision: "Ich hatte das Buch eines Pastors aus New York gelesen, der dort ein Kinderhilfswerk gegründet hat, was mich so angesprochen hat, dass ich etwas Vergleichbares in Solingen machen wollte." 2011 wird die Kinderkirche als Flüchtlingsprojekt gegründet, am Anfang kommen 30 Kinder zu den monatlichen Events, bei denen die Kleinsten bei Spielen und Liedern, Theaterstücken und Rätseln, Geschichten und gemeinsamen Essen ihren oft schwierigen Alltag, die traumatisierenden Erfahrungen der Flucht, vergessen können.

Heute sind es jeden Monat bereits mehr als 300 Kinder, vom Baby bis zum Jugendlichen, die zu dem Programm im Saal der Gemeinde kommen - Tendenz auch hier steigend.

Die zunehmenden Flüchtlingszahlen, sie haben die Aufgaben in der Gemeinde verändert: Neben den Events bietet die Kinderkirche auch soziale Unterstützung an, zu der die vor rund zwei Jahren gegründete Kinder-Kleiderkammer ebenso gehört wie die Begleitung von Familien zu Ämtern. Immer freitags wird ein Deutsch-Kurs angeboten. Der Besuchsdienst geht zu Familien in die Heime.

Getragen wird die gesamte Arbeit von einem Stamm von rund 40 Ehrenamtlern, viele von ihnen selbst Flüchtlinge. "Die Herausforderung ist extrem gewachsen, die Flüchtlingsarbeit ist zum Hauptaspekt unserer Arbeit geworden", so der Pastor. Im März hat die Gemeinde ein Sozialwerk gegründet, das als gemeinnützig, mildtätig und sozial anerkannt ist und nun als Träger der Kinderkirche fungiert. In diesem Rahmen erfolgte auch die Umbenennung der Kirche in Familienkirche. Die zunehmenden Flüchtlingszahlen haben auch die mit rund 60 Mitgliedern recht kleine Gemeinde selbst verändert: "Wir sind immer mehr zu einer internationalen Gemeinde geworden. Viele Flüchtlinge helfen uns bei der täglichen Arbeit, sonntags im Gottesdienst haben wir manchmal zwei Drittel internationale Gäste. Diese Menschen brauchen einfach eine Heimat, wo sie sich festhalten können, und wir sind offen für alle Konfessionen."

Gottesdienste und Gemeinde-Veranstaltungen werden mittlerweile simultan in Albanisch, Persisch und Englisch übersetzt und über Kopfhörer übertragen.

So vielfältig die Aufgaben sind, so vielfältig ist auch die Unterstützung, die die Gemeinde braucht: Die Kapazitäten des Saals sind ausgeschöpft, für Kinderkirche und Kleiderkammer werden neue Räume benötigt. "Wir sind deshalb auf der Suche nach einer Gewerbehalle im Raum Merscheid, Ohligs", so Pastor Wiltzer. Dringend benötigt wird außerdem finanzielle Unterstützung zur Realisierung der monatlichen Kinder-Events, für die jedes Mal rund 1000 Euro nötig sind. "Zudem freuen wir uns über Ehrenamtler, die vormittags unter der Woche Zeit haben, uns beim Sortieren der Spenden zu helfen."

Quelle: RP
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