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Interview: Serie Die Rats-Gremien
Ausschuss soll Verwaltung kontrollieren

Solingen. Der neue Kulturausschussvorsitzende Jörg Becker will viele eigene Impulse geben. Ein Friedensmuseum und ein jährlich stattfindendes Rockfestival sind nur zwei der Ideen des Politikwissenschaftlers im Ruhestand. Von Annemarie Kister-Preuss

Leicht wird er es der Verwaltung nicht machen, denn Professor Dr. Jörg Becker sieht die Hauptaufgabe des Kulturausschusses darin, die Exekutive und die Verwaltung zu kontrollieren. So ist es für den neuen Vorsitzenden, der das Amt als Vertreter der Linken antritt, klar, dass der Ausschuss kein Abnickgremium für die Vorlagen der Verwaltung werden wird. Auch will der 67-Jährige, der bis 2011 Gastprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck war, mit eigenen Ideen die Arbeit des Kulturausschusses bereichern.

Gleich für die erste Ausschusssitzung am 30. Oktober plant der langjährige DGB-Vorsitzende und Mitbegründer der Bürgerinitiative "Solingen gehört uns" vor den Beginn der Beratungen "Impulsreferate" zu stellen, die sich mit der Situation des Buchhandels in der Klingenstadt beschäftigen. Das langsame Sterben des Buchhandels will Jörg Becker nicht unwidersprochen lassen und hat als Referenten eine Buchhändlerin und eine Vertreterin der Stadtbibliothek angefragt.

Seine Vorstellungen hat Jörg Becker in dieser Woche bereits mit Oberbürgermeister Norbert Feith und Kulturbürodirektor Hans Knopper erörtert, das Gespräch habe in einer sehr positiven Atmosphäre stattgefunden. Feith und Knopper hat der umtriebige und streitbare Wissenschaftler auch seine Projekte präsentiert, die er in den nächsten sechs Jahren verwirklichen möchte.

Als Erstes wäre da ein Festakt "70 Jahre Befreiung vom Faschismus" am 8. Mai 2015. Jörg Becker schwebt eine Veranstaltung im Theater und Konzerthaus vor sowie eine Ehrung des Walder Widerstandskämpfers Karl Bennert und eine Freiluft-Aufführung von Wolfgang Borcherts Kriegsheimkehrerdrama "Draußen vor der Tür" im Walder Rundling.

Während für das Gedenken mit den Vorbereitungen nun schnell begonnen werden muss, will sich Jörg Becker mit dem Projekt "Friedensmuseum" mehr Zeit lassen. "Viele 100 Jahre war Solingen Waffenschmiede, es gibt keine Bücher über die Rolle Solingens im Ersten und Zweiten Weltkrieg", sagt Jörg Becker. Ein Friedensmuseum mit Dauerausstellung und museumspädagogischem Angebot in den Räumen der ehemaligen Waffenfabrik Hörster könnte diese Versäumnisse der Vergangenheit mit einem zukunftsgewandten Projekt kompensieren. Vorbild ist für den Ausschussvorsitzenden das Friedensmuseum in Stadtschlaiming im Burgenland. Interessierten empfiehlt Becker schon einmal einen Blick auf die Webseite des Museums. (www.museum.friedensburg.at). Für die Finanzierung eines Pendants in Solingen könnte sich Jörg Becker den Landschaftsverband Rheinland vorstellen.

Als nächstes Projekt stellt sich der Politiker ein jährliches Rockfestival vor, das sich nicht nur finanziell trägt, sondern auch so groß angelegt ist, dass sogar noch Geld in der Stadt bleibt.

Zuletzt nennt Jörg Becker noch ein Vorhaben, dessen Durchsetzung in seinen Augen kritisch werden könnte: ein Hearing über die Situation der Presse in Solingen mit Parteienexperten und Wissenschaftlern. Denn Jörg Becker, der mit 67 Jahren zum ersten Mal ein politisches Amt übernimmt, sorgt sich um die Qualität des Journalismus, und für ihn ist klar: "Es fehlt an Kritik, es gibt zu viel Verlautbarungsjournalismus."

Quelle: RP
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