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Solingen
Ausstellung erinnert an Hochzeiten

Solingen: Ausstellung erinnert an Hochzeiten
Jürgen Schrader mit seinem Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1960, hier mit der Ausstellungsorganisatorin Carola Eckert. FOTO: Singer
Solingen. 50 Bilder sind in der Evangelischen Kirche in Burg zu sehen. Sie erinnern an die Menschen, die in dieser Kirche haben trauen lassen. Ebenso zu sehen sind historische Brautkleider und imposante Anzüge sowie Utensilien. Von Stephan Singer

Die Erinnerung trägt auch ein wenig Wehmut in sich. Dennoch denkt Jürgen Schrader gerne an seinen Hochzeitsstag mit seiner Ehefrau Lina (geb. Klein) am 30. August 1960 zurück. Damals gaben er und seine inzwischen verstorbene Gattin sich in der Evangelischen Kirche in Unterburg an der Wupper das Ja-Wort. Heute ist ein Hochzeitsfoto der Schraders eines von 50 Bildern, die Carola Eckert für die Ausstellung "Für uns läuteten die Glocken in Unterburg" zusammengetragen hat. Genau am Hochzeitstag der Eheleute Schrader - am 30. August - endet die Schau in der Kirche zur "Heiligen Dreieinigkeit".

Liebevoll und mit einem geschmackvollen Blick für schöne "Altertümchen" hat Carola Eckert im vergangenen halben Jahr an der Zusammensetzung der Ausstellung gearbeitet. Die Fotos von den Trauungen in der Evangelischen Kirche - Burg gehört heute zur Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen - bekam sie nach einem Aufruf per Flyer und reichlich Mund-zu-Mund-Propaganda von den Hochzeitspaaren, die in Unterburg heirateten, zur Verfügung gestellt. Diese rahmte die 69-Jährige gemeinsam mit den Daten der Paare (Namen, Tag der Eheschließung) sowie deren ausgewählte Trausprüche ein.

Jürgen Schrader und seine Frau wählten in 1960 "Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst irgendwas auf der Welt können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn, schenkt." Die Hochzeit von Jürgen und Lina Schrader wurde stattlich zelebriert, sogar der Kinderchor sang während des Gottesdienstes. Der Grund: Jürgen Schrader, der aus Unterburg stammt, dort als Bäcker arbeitete und nach dem Tod seiner Frau nach Wermelskirchen zog, half in der Kirche oft als Organist. "Dadurch kannte ich die Abläufe einer kirchlichen Trauung genau. Unser Pfarrer Giessler musste uns damals im Vorfeld gar nichts erklären", erinnert sich Schrader, der viele Anekdoten und Geschichten rund um die Kirche in Unterburg zu erzählen weiss.

Gerade diese Geschichten sind es, die Carola Eckert an der Vorbereitung der Ausstellung, deren ältestes Bild von einer Hochzeit im Jahr 1934 stammt, gereizt haben: "Zum Beispiel fanden die Trauungen 1944 im Gemeindehaus statt, weil die Kirche voll gestellt war mit Möbeln von Burger Bürgern, deren Häuser ausgebombt waren." Die Bereitschaft, ihr Fotos und Erinnerungsstücke für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, sei groß gewesen: "Die Beteiligung war rege, wir sind hier eben ein Dorf." Dabei habe sie die Idee zu dem Projekt aus einer anderen Kirchengemeinde "geklaut", gesteht Carola Eckert lachend.

So fügen sich in der Ausstellung nicht nur die gerahmten Fotos zu einer interessanten Schau zusammen. Exponate und Utensilien sind genauso zu sehen wie historische Brautkleider und imposante Bräutigam-Anzüge nebst dazugehörigen Zylinderhüten ("Chapeau Claque"). Auf Schaufensterpuppen ausgestellt, haben die Kleidungsstücke nach Jahren ihres Fristens in Schränken nun noch einmal ihre Rolle als Hingucker wieder erlangt.

Am Tag der Eröffnung war ein reges Treiben zu beobachten. Für die Ausstellung backten die Schwestern Clara (22 Jahre) und Janna (25) Liedtke eigens eine Hochzeitstorte, die schnell ihre Abnehmer fand. Leer ausgehen musste niemand, da es reichlich Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus gab. Das Folk-Pop-Quartett "Green Garden Project" spielte im Garten auf, wozu es sich knapp 100 Zuhörer auf den Sitzbänken und auf der Wiese gemütlich machten.

Quelle: RP
 
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