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Solingen
Ausstellung erinnert an legendären Kirchenmann

Solingen. Johannes Lutze, der couragierte Pfarrer der Dorper Gemeinde, predigte, was Sache war. Er war ein Mann der Bekenntnis; von den Nationalsozialisten ließ er sich nicht vereinnahmen. Für seine mutige Buß- und Bettagspredigt 1938 acht Tage nach der Reichspogromnacht wurde er gleich mehrfach von der Gestapo vorgeladen.

Am Sonntag, 8. Mai, jährt sich zum 25. Mal der Todestag und zum 119. Mal der Geburtstag des früheren Dorper Pfarrers und Solinger Superintendenten Johannes Lutze. Der damals stadtweit bekannte und geachtete Theologe starb an seinem 94. Geburtstag. Gleichzeitig erinnert der 8. Mai auch an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 71 Jahren, ein Datum, das auch für den bekennenden Kriegsgegner, der sich noch im hohen Alter in den 1980er Jahren für die Friedensbewegung eingesetzt hatte, von besonderer Bedeutung war. Aus Anlass seines 25. Todestages erinnert die Evangelische Gemeinde Dorp mit einer Ausstellung in der Kirche an der Schützenstraße an den legendären Kirchenmann. "Er ist eine Ermutigung, und er zeigt auf, was man machen kann in einer schwierigen Zeit", berichten Historiker Dr. Horst Sassin und Kantorin Annegret Pallasch, die die Ausstellung vorbereitet haben.

Die Ausstellung, die am morgigen Sonntag mit einem Gottesdienst um 11 Uhr eröffnet wird, steht unter einem Wort, mit dem Lutze kurz nach den Verbrechen der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 das dort geschehene Nazi-Unrecht kritisiert hatte: "Gott richtet ernste Flammenzeichen auf". Sie zeigt Erinnerungsstücke, die Johannes Lutze besonders wichtig waren, wie das handgeschnitzte Holzkreuz, das er in seinen letzten Lebenstagen bis zum Schluss immer in seinen Händen hielt. Und es zeigt Blätter aus seiner Gestapo-Akte, die erkennen lassen, wie akribisch die nationalsozialistische Geheimpolizei oppositionelle Kirchenmänner wie Lutze verfolgt hat.

Der in Brandenburg geborene Johannes Lutze, seit 1932 Pfarrer der damaligen Evangelischen Kirchengemeinde Solingen mit Zuständigkeit für den Bezirk Dorp, geriet während der Nazi-Herrschaft als Verbindungspfarrer zur regimekritischen Bekennenden Kirche mit seinen kritischen Predigten immer wieder ins Visier der Gestapo. 1945 wurde er Superintendent für den damaligen Kirchenkreis Solingen, zu dem damals auch große Teile Leverkusens gehörten. Nach seiner Emeritierung blieb er noch bis ins hohe Alter als Seelsorger für die Menschen in Dorp aktiv.

Info Die Ausstellung ist montags 10-12 Uhr, mittwochs 14.30-17 Uhr und sonntags 12.15-13 Uhr geöffnet. Am Mittwoch, 29. Juni, endet sie mit einer literarisch-musikalischen Finissage ab 19.30 Uhr in der Dorper Kirche.

(tws)
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