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Solingen
Ausverkauf bei Grossmann Stahlguss

Solingen: Ausverkauf bei Grossmann Stahlguss
Das gesamte Inventar der traditionsreichen Walder Stahlgießerei Grossmann wurde jetzt von einem Düsseldorfer Unternehmen bei einer Auktion zum Verkauf angeboten. Viele Teile wechselten den Besitzer. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Die insolvente Walder Stahlgießerei bietet Glühöfen, Kräne und unter anderem Maschinen im Internet an. Von Uwe Vetter

Für das Härteprüfgerät gibt es drei Interessenten. Das höchste Gebot liegt bei 300 Euro - und wird bei der Auktion zu diesem Preis wohl auch weggehen. Für eine Werkbank mit Doppelschleifbock wurden 60 Euro geboten, aber auch Maschinen und Anlagen zu deutlich höheren Preisen sind im Angebot des Düsseldorfer Spezialunternehmens, das derzeit im Auftrag des Insolvenzverwalters Maschinen und Anlagen des Walder Unternehmens Grossmann Stahlguss im Internet zum Kauf anbietet: 1261 Teile des Solinger Unternehmens werden derzeit zu Geld gemacht - auf 13 Internetseiten werden je 100 Maschinen/Anlagen zum Kauf angeboten. Eine Vor-Ort-Besichtigung an der Wittkuller Straße in Wald war ebenfalls möglich.

Möglichst jedes Teil soll Geld in die Kasse des Insolvenzverwalters spülen - von der Topfschleifmaschine, selbst Hammer und Meißel für 20 Euro bis hin zur Universalfräsmaschine. Für letztere gab es bei der am 4. Oktober gestarteten Auktion einige Gebote. Das höchste liegt bei 3200 Euro. Eine Zyklendrehmaschine (15 Gebote) soll 4200 Euro bringen. Für einen Säulenschwenkkran gab es acht Gebote, er wird wohl für 1280 Euro den Besitzer wechseln. Drei Glühöfen stehen ebenfalls zum Verkauf, etwa 2200 Euro sollen hier pro Stück erzielt werden. Doch Käufer haben sich dafür noch nicht gefunden. Dafür gibt es aber neun Interessenten für einen Brückenkran, höchstes Gebot ist hier 1800 Euro.

Heute wird die Auktion abgeschlossen, vom 21. bis 25. November können die neuen Besitzer ihre erworbenen Grossmann-Teile dann an der Wittkuller Straße abholen.

Während der Verkauf des Inventars von Deutschlands ältester Stahlgießerei auf Hochtouren läuft, gestaltet sich die künftige Nutzung des Grundstücks eher langwieriger. Mehrfach waren die Solinger Wirtschaftsförderer aber bereits auf dem Walder Gelände, in dem bis zum Sommer dieses Jahres noch Gießerei-Produkte produziert worden waren. "Wir haben auch schon Anfragen für das Grundstück, wir sind mit dem Insolvenzverwalter in Kontakt", sagt Frank Balkenhol. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung ergänzt, dass der Insolvenzverwalter Dr. Marc d'Avoine die Hand auf dem Grossmann-Areal hat. "Als Stadt wollen wir aber mitreden, es muss so oder so eine Nutzungsänderung für das Grundstück erfolgen, zumal in Zukunft dort keine Gießerei mehr tätig sein wird", stellt Balkenhol klar.

Als Zwischenerwerber will die Stadt für das rund 43.000 Quadratmeter große Grundstück nicht auftreten. Zum Vergleich: Das Rasspe-Areal in der Kohlfurth, das jetzt vom AAV Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung entwickelt werden soll, ist rund 60.000 Quadratmetern groß.

Ende März dieses Jahres beantragte das 1853 gegründete Unternehmen wegen Zahlungsunfähigkeit das Insolvenzverfahren. Ein Investor, der Grossmann übernehmen wollte, hat bis zuletzt nicht an die Tür des Firmengebäudes in Wald geklopft. Den zuletzt verbliebenen 112 Mitarbeiter musste deshalb gekündigt werden.

Um Geld in die klamme Kasse zu bekommen - die Verschuldung soll im einstelligen Millionenbereich liegen -, werden nun Maschinen und Anlagen verwertet. "Die Verwertung wird über den Jahreswechsel andauern", sagt der Insolvenzverwalter. Solange bleibe die Immobilie unberührt. Die Wirtschaftsförderung geht wie Oberbürgermeister Tim Kurzbach von einer gewerblichen Weiternutzung des Grossmann-Areals aus. Da es sich aber um ein Gießerei-Gelände in all den Jahren gehandelt hat, könnten Schadstoffe im Boden wie im Grundwasser sein. "Zuständige Behörde im ersten Jahr der Insolvenz ist die Bezirksregierung Düsseldorf", sagt Dr. Klaus Strehlau, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt. Nach Ablauf des ersten Jahres bekomme sein Stadtdienst dann die Grossmann-Akten zur weiteren Bearbeitung überreicht. "Vor zwei Monaten haben wir das Gelände besichtigt und Auflagen formuliert", sagt Strehlau. Das Gelände müsse vor einer neuen Nutzung jedenfalls frei von wassergefährdenden Stoffen sein - der Boden darf nicht belastet, das Grundwasser nicht verunreinigt sein, so Strehlau zu den Auflagen.

Quelle: RP
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