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Solingen
Auszeichnung für ein Meer aus Porzellan

Solingen: Auszeichnung für ein Meer aus Porzellan
Die prämierte Installation "Das Meer in mir" der Solingerin Kirsten Diez-Reinbeck. FOTO: Diez-Reinbeck
Solingen. Den Staatspreis des Landes NRW bekommt heute die Solingerin Kirsten Diez-Reinbeck in Köln verliehen. Überreicht wird ihr die Auszeichnung im Museum für Angewandte Kunst von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. Von Michael Tesch

Seit 60 Jahren zeichnet die Landesregierung Nordrhein-Westfalen alle zwei Jahre herausragende Leistungen im Kunsthandwerk mit dem Staatspreis aus. Der Preis ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert und die Ausschreibung wurde in diesem Jahr geändert. Waren die Werkbereiche bislang streng nach dem genutzten Material unterteilt, waren diesmal Arbeiten in den neuen Themenfeldern Möbel, Skulpturen, Schmuck, Kleidung, Medien und Wohnen einzureichen. Insgesamt 436 Bewerber folgten der Einladung für diese sechs Bereiche und ihre Arbeiten wurden von einer Fachjury begutachtet. Allerdings kürten die Juroren nur fünf neue Staatspreisträger - im Themenbereich Medien wurde kein Preis vergeben.

Den Staatspreis für Skulpturen erhielt eine Solingerin: die Keramikerin Kirsten Diez-Reinbeck. Zusammen mit Klemens Grund (Möbel), Ursula Biskup (Schmuck), Katja Skoppek (Kleidung), Cornelia Falk/Katrin Reinke (Wohnen) wird Kirsten Diez-Reinbeck den Preis heute im Rahmen einer Feierstunde im Museum für Angewandte Kunst in Köln entgegen nehmen. Überreicht wird den neuen Staatspreis-Trägern die Auszeichnung von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin. Die Feierstunde ist gleichzeitig auch Teil einer Ausstellungseröffnung, denn die Landesausstellung "manu factum" wird bis zum 11. Oktober im Museum an der Rechtschule mit den 123 Arbeiten der erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmer einen Querschnitt des zeitgenössischen Kunsthandwerks präsentieren.

Kirsten Diez-Reibeck hat den Staatspreis 2015 für ihre Skulptur "Das Meer in mir" erhalten. Die Installation besteht aus 36 auf Metallständern präsentierten Porzellanschalen mit Motiven aus neuen Themenbereichen wie Haiku, Seekarten, Musik und Collagen. Die dünn gearbeiteten Porzellanschalen sind lichtdurchlässig. "In Anlehnung an das Meer", beschreibt die Solingerin. "Das Metall, gezeichnet von der Kraft des Wassers, erscheint in seiner rostigen Oberfläche." Die Form der Schalen erinnert an Wellen, "die horizontale Anordnung im Raum soll auf den Horizont verwiesen". Die fragile Installation in Form dreier Wellen kann jeden Luftstrom aufnehmen und die Schalen so "tanzen" lassen. "Wie Wellen das Meer", erzählt die Künstlerin. Für Kirsten Diez-Reinbeck sind Schalen Gefäße, die auch Gedanken, Gefühle und Erinnerungen aufnehmen können. "Dies soll mit Hilfe der Drucke vermittelt werden", so die Solingerin.

Kirsten Diez-Reinbeck hat in Kassel an der Kunst- und Gesamthochschule in der Keramikklasse von Prof. Hans Dobe studiert. Seit 2007 beschäftigt sich die Solinger intensiv mit der Raku-Keramik, einer Technik, die vor rund 450 Jahren in Japan entwickelt wurde und 1920 vom Engländer Bernard Leach bekannt gemacht wurde.

Bei der Raku-Technik wird das glasierte oder unglasierte Gefäß nicht im Ofen gebrannt, sondern die rotglühenden Gefäße werden im Niedrigbrand, also bei Temperaturen um 1000 Grad, dem Ofen entnommen und in einem Behälter mit organischem Brennstoff wie Laub, Stroh oder Heu luftdicht eingebettet. Der Sauerstoffentzug sowie die im Laub enthaltenen Mineralien wirken dabei stark auf die Glasurfarbe ein.

Quelle: RP
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