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Solingen
Auszeit von der Moderne auf Schloss Burg

Solingen: Auszeit von der Moderne auf Schloss Burg
Historische Kleidung vor historischer Kulisse: Wie Ritter Johannes von Cronenberge und Torsten vom Vahrenberg (v.l) zeigten am Osterwochenende wieder viele Mitglieder der "Wahren Bergischen Ritterschaft", wie das Leben im 13. Jahrhundert aussah. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Ritterrüstungen statt Funktionsjacken, Schwerter statt Handys: Beim Osterlager der "Wahren Bergischen Ritterschaft" ging es auf Zeitreise ins Mittelalter. Von Sandra Grünwald

Der Rauch von Holzfeuer lag in der Luft. Auf feuchter Erde standen die Zelte, dazwischen tummelten sich mittelalterlich gewandete Menschen neben solchen in Goretex-Jacken und Turnschuhen. Auch dieses Jahr hatte die "Wahre Bergische Ritterschaft" wieder ihr Osterlager auf Schloss Burg aufgeschlagen und lud dazu ein, den Rittern, Handwerkern und Köchinnen einmal über die Schulter zu schauen und einen Hauch des Lebens im 13. Jahrhundert zu erspüren.

Die "Wahre Bergische Ritterschaft" möchte dieses Leben so authentisch wie möglich vermitteln. Dazu gehört auch die Kleidung. "Wir sind nicht kostümiert, wir sind gewandet", betonte Michael von Uplhadin. Das ist aus Sicht der Bergischen Ritter ein großer Unterschied. Denn die Kleidung besteht nur aus Materialien, die im Mittelalter Verwendung fanden - Schurwolle und Leinen.

Michael von Uplhadin selbst trug Kleidung aus Schurwolle, die seine Frau genäht hatte. "Das ziehe ich jeder Goretex-Jacke vor", sagte er. Und das will etwas heißen, verbrachte doch die "Wahre Bergische Ritterschaft" die Tage und Nächte von Karfreitag bis Ostermontag im Freien oder in ihren Zelten.

Da zeigt sich schnell, ob Kleidung dem Wetter standhalten kann. "Gekocht wird am offenen Feuer", sagte Michael. Natürlich auch nur das, was auch im 13. Jahrhundert auf den Tisch kam. "Keine Kartoffeln, aber viel Getreide wie Roggen, Gerste oder Emmer."

Das Osterlager ist dabei der historischen Realität nachempfunden. "Damals zogen die Fürsten mit ihrem Gefolge durch die Lande", sagte Michael von Uplhadin. Alles musste portabel sein. "Auch die mittelalterlichen Menschen wollten es schön haben." So nahmen sie Möbel mit, die schnell aufzubauen waren. Außerdem richteten sich Märkte nach den kirchlichen Feiertagen - so wie auch das Osterlager.

Dabei war die Sache mit den Ostereiern im Mittelalter auch eher eine praktische Angelegenheit. "In der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden, deshalb hat man sie hartgekocht und haltbar gemacht", berichtete Michael von Uplhadin.

Die Ritterschaft zeigte überdies, wie damals die Eier gefärbt wurden - mit natürlichen Färbemitteln wie Zwiebeln oder Rotkohl. "Mit Rotkohl kann man die Eier rot, blau und grün färben", verriet Michael von Uplhadin. Gibt man Säure dazu, werden die Eier rot, mit Kalk werden sie grün.

Natürlich gab es im Osterlager keine Uhren oder Handys. Denn der Tagesablauf richtete sich im Mittelalter nach der Sonne. "Es lässt sich auch ohne Facebook und die Bundesliga leben", sagte Michael von Uplhadin. So richte sich der Blick wieder auf das Wesentliche. Rund 30 aktive Mitglieder hat die "Wahre Bergische Ritterschaft" und freut sich über Menschen, die Lust haben, einmal für einen Tag mit ihr ins Mittelalter zurückzureisen.

Quelle: RP
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