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Solingen
Barrierefreies Haus macht Wohnen leichter

Solingen. Im vergangenen Dezember zogen die ersten Mieter in das neu gebaute Wohnhaus des Vereins "Pro Mobil" in Aufderhöhe ein. Die zehn Wohnungen sind auf die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl zugeschnitten. Von Benjamin Dresen

Für Claudia Ries hat sich durch den Umzug vieles geändert. Mitte Dezember bezog die 37-Jährige als erste Mieterin ihre neue Wohnung im barrierefreien Wohnhaus des Vereins "Pro Mobil". Für die Rollstuhlfahrerin ist ihr Alltag dadurch einfacher geworden. Schließlich ist das gesamte Haus mit seinen zehn Wohnungen an der Wiefeldicker Straße auf Menschen im Rollstuhl ausgerichtet. Das beginnt bei den glatten Bodenbelägen und breiten Türen und setzt sich fort bei der unterfahrbaren Arbeitsplatte in der Küche, dem Kühlschrank mit Podest, dem befahrbaren Badezimmer oder den niedriger angebrachten Türgriffen und Steckdosen.

Vorher wohnte Claudia Ries erstens nicht barrierefrei und zweitens allein. Nur morgens und abends kam das Pflegeteam vorbei. Jetzt kann sie 24 Stunden am Tag über einen Knopf am Handgelenk den Hintergrunddienst des Hauses rufen - in Notfällen, oder auch, wenn mal der Teller im Schrank nicht erreichbar ist.

"Es macht alles viel leichter und sicherer", nennt sie die Vorzüge ihrer neuen Wohnung. "Man weiß, der Hintergrunddienst ist da. Das ist in einer einzelnen Wohnung nicht der Fall." Zusätzlich helfen eine Fachleistungskraft bei Schwierigkeiten im Haushalt und eine Assistenz beim Stadtbummel oder bei Behördengängen.

Drei Nachbarn sind nach Claudia Ries noch hinzu gekommen. Der Verein ist optimistisch, auch die übrigen der insgesamt zehn Wohnungen in Aufderhöhe vermieten zu können. Die 62 Quadratmeter großen Wohnungen sind für jüngere Einzelpersonen vorgesehen. Interessenten benötigen in jedem Fall einen Wohnberechtigungsschein.

Dafür, dass die Barrierefreiheit für Menschen im Rollstuhl nicht an der Haustür endet, sorgt Jeannine Hauke als Quartiersmanagerin. In Absprache mit den Mietern soll sie für rollstuhlgerechte Lebensbedingungen im Stadtteil sorgen. Dies betrifft etwa Bushaltestellen, Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten oder Sportvereine.

Der Verein "Pro Mobil" gründete sich 1969 in Velbert als Elterninitiative für Menschen mit Behinderung. "Es geht Pro Mobil darum, Teilhabe zu leben und nicht nur zu predigen", betont Pressesprecherin Kerstin Ehmke-Putsch. Zur Teilhabe braucht es barrierefreien Wohnraum, und da es den kaum gab, entschloss sich der Verein schließlich zum Bau des Hauses. 1,2 Millionen Euro kostete es, 30 Prozent steuerte der Verein dazu bei, 200.000 Euro gab die Aktion Mensch. Um Menschen mit Behinderung im Alltag unterstützen zu können, braucht "Pro Mobil" weitere Mitarbeiter. Zwar sucht der Verein auch pädagogische Fachkräfte, doch das ist nicht Voraussetzung. So sind im Hintergrunddienst auch Quereinsteiger beschäftigt, und auch die Schulbegleiter haben keine Ausbildung im klassischen Sinne.

Natürlich sind Bewerber mit Behinderung gerne gesehen. Die Grundvoraussetzung ist, dass Interessenten die deutsche Sprache beherrschen. "Ob ein Bewerber gut ist, macht sich an Empathie und Menschlichkeit fest", sagt Sprecherin Kerstin Ehmke-Putsch. "Wir brauchen Menschen für Menschen."

Quelle: RP
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