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Solingen
Bauern: Landwirtschaft lohnt sich nicht

Solingen. Viele Bauern protestieren, weil sie immer weniger Gewinn aus ihren Lebensmittelverkäufen erhalten. Andere suchen sich neue Wege. Von Hanna Sellheim und Uwe Vetter

Schon seit Jahren beklagen die Bauern, dass am Ende des Tages nicht mehr viel für sie übrig bleibt. In den Innenstädten demonstrierten die Bauern vor kurzem gegen die geringen Erzeugerpreise. Unter dem Motto "Wir machen Ihr Frühstück - aber wir können davon nicht leben" führten sie Verbrauchern dabei vor Augen, wie wenig vom Verkauf von Lebensmitteln tatsächlich beim Bauern ankommt.

Die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch seien in den vergangenen Monaten drastisch gefallen. "Die Situation der Bauernfamilien ist seit über einem Jahr äußerst angespannt", sagt Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann. Die Zahlen, die er nennt, sind erschreckend: Pro Liter Milch erhalten Bauern vom Verkauf nur 25 Cent, pro 100 Gramm Wurst bloß 26 Cent und pro Brötchen lediglich 1 Cent. "Um unsere Kosten decken zu können, müssten wir aber pro Liter Milch mindestens 35 bis 40 Cent bekommen", sagt Martin Dahlmann. Der momentane Erzeugerpreis sei also etwa 30 bis 40 Prozent zu niedrig.

Schuld seien vor allem die Großkonzerne: "Allein vier Unternehmen teilen 85 Prozent des Marktes untereinander auf", erklärt Dahlmann. "Das übt großen Preisdruck aus." Im Durchschnitt kämen nur noch 22 Prozent dessen, was der Verbraucher an der Kasse ausgibt, bei den Bauern an. Der Rest bleibe bei den Vermarktern, Verarbeitern und dem Lebensmitteleinzelhandel. "Lebensmittel sind in Deutschland nichts mehr wert", sagt Dahlmann deutlich, "fast nirgendwo sind die Lebenshaltungskosten so gering wie hier."

Durch die Fusion zweier der Großkonzerne werde der Preisdruck auf die Bauern noch einmal größer. "Ich kann aber meine Preise nicht beliebig weiter drücken. Schließlich arbeite ich mit lebenden Tieren, nicht mit Maschinen", sagt Dahlmann resigniert. Wenn es so weitergeht, wird sich die Landwirtschaft bald für viele Bauern nicht mehr lohnen. "Ich arbeite jeden Tag von 6 bis 19 Uhr. Ich glaube nicht, dass ich dabei auf einen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde komme", beschreibt Dahlmann die verzweifelte Lage.

Direktvermarktung heißt bei Bauern deshalb die Devise, um einigermaßen auf die Kosten zu kommen. "Ohne Direktvermarktung geht es nicht, allein mit der reinen Landwirtschaft können keine kostendeckenden Preise erzielt werden", sagt Landwirt Knut Meinsma. Er hat im vergangenen Jahr auch eine Milchtankstelle auf dem Bauernhof an der Lützowstraße 357 in Gräfrath nahe der Fauna eingerichtet. Für einen Euro gibt es hier einen Liter frische Milch in der Zeit von 6 bis 22 Uhr - und zwar täglich. "Die Milchtankstelle wird sehr gut angenommen", freut sich Knut Meinsma, "die Verbraucher kommen gerne zu uns und sind bereit, uns zu unterstützen." Und kaufen im Bauernladen frische Produkte ein. Ab dem 28. April gibt es beispielsweise wieder Hähnchen aus eigener Aufzucht.

Karl-Otto Dickhoven betreibt im südwestlichsten Zipfel Solingens in der dritten Generation Landwirtschaft - traditionell Milchwirtschaft. 200 Milchkühe hat er auf dem Hof. "Die Milchpreise sind schon vor Monaten eingebrochen, das ist eine Katastrophe", sagt der Landwirt. Andererseits steigen die Kosten - "eine schwierige Situation", sagt Dickhoven, der allerdings einräumt: "Es ist zu viel Milch auf dem Markt - das drückt die Preise."

Noch bis zum 1. April 2015 hat es eine Milchquote gegeben. An die hat sich Landwirt Dickhoven stets gehalten. Seit die Quote aber weg ist, hätte ein Teil der Bauern ihre Milchproduktion erhöht. Mit den bekannten Folgen. "Um die Kosten decken zu können, brauchen wir mindestens 35 bis 40 Cent pro Liter Milch", sagt auch Karl-Otto Dickhoven, dessen Familie Ackerflächen zu je einem Drittel in Solingen, Langenfeld und Leichlingen bewirtschaftet. Wie Martin Dahlmann appelliert Karl-Otto Dickhoven: "Verbraucher müssen sich beim Einkaufen mehr Gedanken machen. Viele sagen so häufig, dass sie grundsätzlich bereit sind, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Das sollten sie jetzt auch tun."

Quelle: RP
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