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Solingen
Baustart für Stadion-Ersatz im Frühjahr

Solingen. Im neuen Jahr soll das Union-Stadion in Ohligs abgerissen werden. Dort sollen Wohnungen entstehen. Zeitgleich beginnt die Stadt mit dem Bau des Ersatz-Sportplatzes Josefstal. Die Pflege des Stadions wurde inzwischen ganz eingestellt. Von Martin Oberpriller

Die Zeichen für das nahende Ende sind kaum noch zu übersehen. Nachdem die Stadt Solingen schon seit Jahren die Haupttribüne sowie die Stehtraversen des alten Union-Stadions in Ohligs nicht mehr instand hält, haben die Verantwortlichen im Rathaus seit einigen Monaten auch die Pflege des ehemaligen Spielfeldes aufgegeben. Mit der Folge, dass nun nicht mehr nur die Zuschauerränge der Arena durch wildwachsendes Grün einem Dschungel gleichen. Vielmehr sprießen auf dem Acker, der früher einmal ein formidabler Fußballrasen war, inzwischen ebenfalls kleine Bäume sowie Sträucher.

Gleichwohl werden diese Pflanzen dort nicht lange stehen können. Denn für das kommende Frühjahr ist der Abriss des Stadions am Hermann-Löns-Weg sowie des daneben liegenden Kunstrasenplatzes geplant, die beide über 100 Wohneinheiten in einer in Gänze neu zu errichtenden Siedlung weichen müssen. Und zeitgleich werden dann auch im einige Kilometer entfernten Josefstal die Bagger rollen. Der Grund dafür: Parallel zu den Arbeiten auf dem alten Stadion-Areal wird in Aufderhöhe der Ersatz-Sportplatz gebaut. Dieser soll nach seiner Fertigstellung den bisher in Ohligs spielenden Mannschaften zu einer neuen sportlichen Heimat werden.

Das bestätigte jetzt ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. "Der Baustart im Josefstal ist für das Frühjahr 2017 vorgesehen", hieß es aus dem Solinger Rathaus, wo man davon ausgeht, mit dem neuen Sportplatz in Aufderhöhe eine adäquate Ersatzlösung für die betroffenen Sportler gefunden zu haben.

Dabei trat die Stadt vergangene Woche zum wiederholten Male all jenen Stadion-Nostalgikern entgegen, die glauben, die Verwaltung opfere die traditionsreiche Spielstätte mit ihrer glanzvollen Vergangenheit gleichsam auf dem Altar des schnöden Mammons. "Das Union-Stadion hätte schon aus reinen Sicherheitsüberlegungen heraus keine Zukunft", betonte in diesem Zusammenhang beispielsweise der Leiter des Stadtdienstes Sport und Freizeit, Horst Schulten.

Der Hintergrund: In den zurückliegenden Jahren wurden - hauptsächlich unter dem Eindruck der Loveparade-Katastrophe in Duisburg 2010 - die Anforderungen an moderne Veranstaltungsstätten deutlich verschärft. Wobei vor allem den Fluchtwegen eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteilwurde - die tatsächlich eine sprichwörtliche Achillesferse des Ohligser Stadion darstellen.

So führt mit dem Hermann-Löns-Weg lediglich eine, zudem noch reichlich enge Straße zum Stadion. "Dort war der Platz bereits früher bei gut besuchten Spielen der Union in der Zweiten Bundesliga sehr knapp", erinnerte sich Horst Schulten jetzt noch einmal an die alten Zeiten, in denen regelmäßig tausende Fans die Partien im Stadion verfolgten.

Eine Vorstellung, die heutzutage vollkommen ausgeschlossen erscheint. Denn bei der Loveparade vor sechs Jahren waren es ja gerade die viel zu engen Fluchtwege gewesen, die am Ende zu der Tragödie mit 21 Toten sowie weit mehr als 500 Verletzten führten. Damals begegneten sich in Duisburg in einem Tunnel Besucher, die abreisen wollten, und Gäste, die auf das Veranstaltungsgelände drängten - mit der Konsequenz, dass viele Menschen in der in Panik geratenden Masse erdrückt wurden.

Ein Alptraum-Szenario für jeden Großveranstalter und für Horst Schulten der Beleg dafür, dass das Stadion in Ohligs längst nicht mehr für Fußballspiele geeignet ist. "Partien mit 4000 oder 5000 Zuschauern sind am Hermann-Löns-Weg inzwischen undenkbar", sagte der zuständige Stadtdienstleiter.

Gleichwohl löst das bevorstehende Ende des alten Stadions bei vielen, die solch gut besuchte Spiele selbst noch als Fußballer miterlebt haben, eine eher gedrückte Stimmung aus. Für Adolphe Diop, der in den 90er Jahren einige Saisons für Union Solingen die Fußballschuhe schnürte, kommt der bevorstehende Abriss beispielsweise "der Zerstörung von Kultur" gleich. "Immerhin sind dort ganze Generationen von Solingern regelmäßig hingegangen", gab der Ex-Spieler, der heute in Hessen unter anderem eine Fußball-Akademie leitet, vor kurzem im Gespräch mit unserer Redaktion zu bedenken.

Verhindern lässt sich der Abriss indes nicht mehr. "Wir befinden uns weiter in den Planungen", sagte nun einmal mehr ein Sprecher des Investors BPD Immobilienentwicklung. Am Hermann-Löns-Weg sollen 67 Häuser mit bis zu 115 Wohnungen gebaut werden. Zudem schwebt dem Investor aber auch eine irgendwie geratete Erinnerung ans Stadion vor.

Quelle: RP
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