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Solingen
Bei "Cabaret" hat Solingen eine Sonderrolle eingenommen

Solingen. Das Ensemble der Kammeroper Köln beeindruckte mit seiner Fassung des legendären Broadway-Musicals - begleitet von den bergischen Symphonikern. Von Guido Radtke

Der Schlussapplaus setzt nur zögerlich ein. Lediglich wenige Zuschauer stehen im Pina-Bausch-Saal auf und zollen den 13 Mitgliedern des Ensembles der Kammeroper Köln mit Stehenden Ovationen ihre Anerkennung für eine Vorstellung, die sich hinter keiner einer großen Musical-Bühne verstecken muss. Es ist alleine dem ernüchternden Ende von "Cabaret" geschuldet, dass das Publikum nach einer zweieinhalbstündigen, stets kurzweiligen Zeitreise in das Berlin der späten 30er-Jahre in seinen Sitzen nachdenklich zurückbleibt.

"Willkommen, Bienvenue, Welcome" eröffnet der Conférencier (brillant gegeben von Klaus Kranabetter) die Show rund um den legendären "Kit-Kat-Club" - begleitet von einer 15-köpfigen Abordnung der Bergischen Symphoniker. Es ist die Ausnahme auf der bereits im Oktober 2014 gestarteten Tournee, dass nicht das hauseigene Orchester der Kammeroper Köln die turbulente Liebesgeschichte der Sängerin Sally Bowles (Annette Krossa) und des amerikanischen Schriftstellers Clifford Bradshaw (Kevin Dickmann) musikalisch umrahmt. Die Verantwortung jedoch trägt - wie bei allen 42 Auftritten zuvor - die Chefdirigentin der Kölner Symphoniker, Inga Hilsberg.

"Cabaret" war bereits die fünfte Produktion der Kölner Kammeroper mit den Bergischen Symphonikern. "Solingen nimmt diese Sonderrolle ein, weil ein eigenes Orchester existiert und weil sich der Aufwand für die Proben aufgrund der Entfernung im Rahmen hält", sagt Inga Hilsberg. Vor den beiden jeweils nahezu ausverkauften Vorstellungen am Wochenende hatte sich die Dirigentin gemeinsam mit den 15 Orchester-Musiker lediglich in vier Proben Stücke wie "Mein Herr", "Maybe this Time" oder "Money, Money" einstudiert.

"Cabaret bietet großartige Musik" - und Inga Hilsberg hat eine klare Vorstellung davon, wie sie klingen muss. "Wir sind alle Profis. Die Kollegen wissen, was ich von ihnen erwarte und stellen sich darauf ein." Umgekehrt sei das genauso. Bei den Proben hat die 43-Jährige von Anfang die hohe Motivation der Symphoniker gespürt: "Man hat ihnen den Spaß angemerkt, sich das Repertoire von Swing, Dixie und auch deutschem Sound der dreiziger Jahre zu erarbeiten." Für das Solinger Publikum klang es so, als ob Orchester und Dirigentin seit Ewigkeiten in dieser Konstellation zusammenarbeiten.

"Es bewährt sich, wenn wir wie in diesem Fall mit Künstlern arbeiten, die das Theater und Konzerthaus kennen", sagt Hans Knopper. Der Leiter des Kulturmanagements könnte sich daher gut vorstellen, dass die Kooperation mit der Kammeroper Köln noch weiter gestärkt wird. Der nächste Termin ist im Übrigen schon für dieses Jahr im Spielplan verankert: Am 21. November dirigiert Inga Hilsberg im Pina-Bausch-Saal "Barricade - Les Misérables".

Quelle: RP
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