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Solingen
Bei Pfadfindern geht's abenteuerlich zu

Solingen. Der Stamm "Grafen von Berg" versteht sich als kirchliche Gruppe. Er trifft sich einmal in der Woche in Oberburg an der Tennisplatz-Anlage. Nachtwanderungen, Pflanzenkunde, der Umgang mit Werkzeug - all das erleben die Kinder. Von Stephan Singer

Wenn dieser Tage an der Tennisplatz-Anlage in Oberburg ein Lagerfeuer die Füße wärmt, singende Kinderstimmen zu den Klängen einer Akustik-Gitarre erschallen und der würzig-fruchtige Duft von Chai (ein Gewürz-Tee ähnlich wie Kinderpunsch) in der Luft liegt, dann treffen sich die "Grafen von Berg" zu ihrer wöchentlichen Gruppenstunde. Jedes Kind, das zum vierten Mal dabei ist, bekommt dort von Gruppenleiter Tobias Hoffmann sein Halstuch verliehen: Immer wieder ein stolzer Moment, ist das Halstuch doch wichtiger Bestandteil der Pfadfinder-Kluft und untrügliches, äußeres Zeichen für die Zugehörigkeit zur nach wie vor größten Jugendbewegung weltweit.

Dabei hat die Kluft der Pfadfinder einen besonderen Sinn, wird bewusst nicht als Uniform bezeichnet: "Bei uns sind nicht alle gleich. Wir nehmen jeden an, wie er ist. Gefördert und gefordert wird bei uns nach Neigung und Talent. Bei uns zählen eben keine Markenklamotten, soziale Unterschiede sind gewollt nicht sichtbar. Die Kluft ist ein äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit", erklärt Tobias Hoffmann, der seit seinem zwölften Lebensjahr zu den Pfadfindern gehört.

Inzwischen ist der 33-jährige Koch nicht nur Gruppenleiter des seit 2002 bestehenden Stammes "Grafen von Berg", sondern auch Vorsitzender des dazugehörigen Vereins mit zurzeit knapp über 50 Mitgliedern, der vor einem Jahr gegründet wurde. Davor war der Stamm an die evangelische Kirchengemeinde Hünger-Burg angebunden. "Auch wenn es andere Pfadfinder-Gruppen gibt, verstehen wir uns nach wie vor als kirchliche Gruppe", sagt Hoffmann. Deshalb gehören die "Grafen von Berg" zum Dachverband "Ring evangelischer Gemeinde-Pfadfinder" (REGP), den Hoffmanns Patenonkel vor 20 Jahren gründete. Und ebenso spiegelt der Eid, den die Jungen und Mädchen aus Wermelskirchen, Solingen und Remscheid bei der Verleihung ihres ersten Halstuchs schwören, die Anbindung an christliche Werte wider: "In Vertrauen auf Gottes Hilfe verspreche ich, Gott zu dienen, den Nächsten zu helfen und das Pfadfinder-Gesetz zu erfüllen."

Für die Geschwister Marie (12 Jahre) und Maximilian Hallen (11) sowie Johanna Kamin (8) und Alicia Häberle (13) aus Wermelskirchen ist dieser Schwur keinesfalls eine schwere Bürde: "Wir haben ziemlich viel Spaß bei den Pfadfindern mit Spielen, Singen und vor allem den Zeltlagern, wo es beispielsweise mit Nachtwanderungen richtig abenteuerlich zugeht." Alicia Häberle freut sich immer auf den Tag der Gruppenstunde: "Der Donnerstag ist für uns Pfadfinder der wichtigste Tag in der Woche. Eigentlich versuchen wir natürlich, jeden Tag das Pfadfinder-Gesetz einzuhalten und anderen Leuten zu helfen, wenn wir sehen, dass Hilfe gebraucht wird." Übrigens: Die vier Freunde können sich allesamt gut vorstellen, genauso lange bei den Pfadfindern zu bleiben wie ihr Gruppenleiter Tobias Hoffmann und vielleicht irgendwann einmal dessen Posten aufzufüllen. Hoffmann sieht die Pfadfinder im Aufwind: "Allein innerhalb des REGP gibt es pro Jahr drei bis vier Stammesgründungen. Die Kinder lernen Dinge für das Leben. Und die Regelmäßigkeit, die im hektischen Alltag der Familien oft fehlt, tut den Jungen und Mädchen bei uns gut."

Der Stamm "Grafen von Berg" beschäftigt sich in den Gruppenstunden nicht nur mit Gesang. Der Umgang mit Messer, Beil oder anderem Werkzeug wird genauso geübt wie das Entfachen eines Feuers, Pflanzenkunde oder das Lesen von Tier-Spuren.

Gespräche am Lagerfeuer greifen auch das aktuelle Welt-Geschehen auf. Höhepunkte im Pfadfinderjahr sind die Zeltlager an Pfingsten und im Sommer.

Quelle: RP
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