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Solingen
Bei Schmitz' fließt Sonnenstrom auch nachts

Solingen. Verbraucherzentrale und Stadt informieren über Batteriespeicher für die heimische Photovoltaikanlage. Von Benjamin Dresen

Solaranlagen hatten jahrelang einen Haken: Der produzierte Strom floss nur, wenn die Sonne schien. Das ist heute kein Problem mehr. Batteriespeicher ermöglichen Privathaushalten, den erzeugten Solarstrom zu speichern und abends oder nachts zu nutzen.

Die Verbraucherzentrale NRW will Solaranlagen für das Eigenheim mit der Kampagne "Schick die Sonne in die Verlängerung" wieder nach vorne bringen. "Die Photovoltaik war wegen der gefallenen Einspeisevergütung im Sinkflug", weiß Energieberater Florian Bublies von der Verbraucherzentrale in Solingen.

In der Tat: Die staatliche Subvention für den Solarstrom sank von über 50 Cent in 2004 auf derzeit etwa zwölf Cent pro Kilowattstunde eingespeistem Strom. Der Anreiz ist mittlerweile ein anderer: "Eigener Solarstrom macht unabhängig und flexibel", sagt Florian Bublies.

Harald Schmitz (69) aus Aufderhöhe hat die Investition gewagt. Ende 2015 ließ Schmitz auf seinem Haus eine Photovoltaikanlage mit mit einer Spitzenleistung von 4 Kilowatt installieren. Zwei Batteriespeicher unter der Kellertreppe, jeder kaum größer als eine Getränkekiste, speichern bis zu 4 Kilowattstunden Strom.

"Das würde ausreichen, um eine 100-Kilowatt-Glühbirne 40 Stunden laufen zu lassen", gibt Martin Hartkopf von der Solinger Elektroinnung als Beispiel. Etwa 10 bis 15 Kilowattstunden verbraucht ein Einfamilienhaus am Tag. Mit eigener Solaranlage koste die Kilowattstunde Strom unter 20 Cent, sagt Kai Worring von der Solinger Dachdeckerinnung.

Harald Schmitz' Ziel für die Stromrechnung: "Ich möchte mit Nullkommanichts rauskommen. Dann wird mich mein Stromverbrauch nichts kosten."

15.000 Euro kostete die Anlage, 2.000 Euro gab die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) dazu. Eine vergleichbare Anlage hätte 2008 noch 40.000 Euro gekostet, kalkuliert Florian Bublies. Heute sollte sich eine Kleinstanlage auf dem Eigenheim (drei bis vier Kilowatt Leistung) in 15 Jahren amortisieren, sagt der Energieberater.

Das System funktioniert so: Die Anlage deckt zuerst den Eigenverbrauch an Strom. Was mehr produziert wird, lädt die Batterien auf. Und wenn die voll sind, wird Strom ins Netz eingespeist. "In der letzten Woche habe ich erstmalig mehr eingespeist, als verbraucht", berichtet Harald Schmitz stolz.

"Das ist Klimaschutz live", lobt die städtische Klimabeauftragte Birte Viétor. Sie hat das "Solinger Kompetenznetz für Gebäudemodernisierung" (So.Ko Gebäude) gegründet. Darin sind Handwerker, Architekten, Ingenieure, Planer und Energieberater vernetzt. Interessenten finden hier qualifizierte Dachdecker und Elektriker, die es für die Installation einer Solaranlage mit Stromspeicher braucht.

Quelle: RP
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