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Dagmar Blum im Interview
Beim Online-Kauf besonders kritisch sein

Dagmar Blum im Interview: Beim Online-Kauf besonders kritisch sein
14.000 Ratsuchende haben sich in diesem Jahr wieder an die Verbraucherzentrale am Werwolf gewandt. Der Kunde, sagt Leiterin Dagmar Blum, muss sich heutzutage wegen der immer komplexeren Angebote viel stärker selber bemühen, um den Überblick zu behalten. FOTO: M. Kempner
Solingen. Die Leiterin der Verbraucherzentrale am Werwolf rät zum Jahreswechsel generell zur Inventur der bestehenden Versicherungsverträge. Reklamationen der Telefonrechnung sind ein Dauerärgernis beim Verbraucher.

Was hat sich in diesem Jahr für Verbraucher geändert?

Blum Die Angebote werden komplexer, vor allem ist bei den Anbietern der digitale Bereich vermehrt hinzugekommen. Das Marktgeschehen wird für den Verbraucher immer undurchsichtiger. Der Kunde muss sich heutzutage viel stärker selber bemühen, er muss sich informieren, um den Überblick zu behalten. In diesem Jahr haben sich erneut 14.000 Ratsuchende an die Solinger Verbraucherzentrale gewandt. Das ist wieder eine hohe Zahl.

Bei welchen Themen gibt es die meisten Probleme?

Blum Mittlerweile werden viele Verträge online abgeschlossen. Das gilt nicht nur für Telekommunikations- und Kaufverträge, sondern zum Beispiel auch für Urlaubs- und Flugbuchungen. Dass das beim Verbraucher zu neuen Tücken führen kann, sehen wir daran, dass das Spektrum der Rechtsberatung bei uns sehr viel breiter geworden ist als noch vor drei oder vier Jahren. Bei Online-Verträgen neigt man doch dazu, schnell ein Häkchen zu machen oder ein voreingestelltes zu übersehen. Mit dem Anbieter, der einem Auge in Auge gegenübersitzt, kann man verhandeln und noch einmal nachfragen. Online-Verträge sind abstrakter. Das erfordert noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit.

In welchem Bereich wenden sich die Kunden am häufigsten an die Verbraucherzentrale?

Blum Dauerthema bei uns sind Reklamationen der Telefonrechnungen, sowohl Festnetz als auch Mobilfunk. Probleme gibt es insbesondere mit Drittanbieterkosten. Hier tauchen plötzlich Kosten eines anderen Anbieters auf. So wird dem Kunden über das Telefon ein Abo, zum Beispiel für Klingeltöne, untergeschoben. Für uns als Verbraucherzentrale sind Drittanbieterkosten auf der Telefonrechnung eine Abzocke-Masche. Es ist sehr mühsam, sich dagegen zu wehren. Zum Weltverbrauchertag im nächsten Jahr machen wir das zu einem Schwerpunktthema.

Wo kann der Verbraucher sonst noch von einer gesalzenen Rechnung überrascht werden?

Blum Wenn er im Urlaub sein Smartphone nicht entsprechend kontrolliert. In manchen Ländern gibt es keine automatische Kostensperre bei der Internetnutzung. Wenn dann der Internetzugang des Handys nicht deaktiviert wird, können Kosten von mehreren 1000 Euro auflaufen. Das Problem beobachten wir in den letzten Monaten verstärkt.

Sind die immer komplizierteren Kaufverträge überhaupt noch zu durchschauen?

Blum Wichtig ist, sich die wesentlichen Punkte bewusst zu machen: Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen, die tatsächlichen Kosten - und mit wem habe ich es überhaupt zu tun. Ist es ein Anbieter, der sich klar zu erkennen gibt mit vollständiger Adresse? Beim Online-Handel muss man darauf besonders achten. Damit ich weiß, an wen ich mich wenden kann und beispielsweise nicht von einem chinesischen Anbieter überrascht werde, bei dem unter Umständen noch der Zoll zu zahlen ist.

Was sollte man in diesem Jahr noch erledigen?

Blum Ratsam ist eine Inventur der bestehenden Verträge. Strom, Gas, Wasser, Kfz und andere Verträge sollten überprüft werden, ob sie in der Form noch gebraucht werden. Wo muss ich nachsteuern? Gibt es günstigere Anbieter? Hilfreich ist, sich die jeweiligen Kündigungstermine im Kalender für 2016 zu notieren, damit ich das nicht verpasse. Gut wäre auch ein Kassensturz der eigenen Finanzen und eventuell ein Sparziel festzulegen, um einen Kauf auf Pump, der wieder Kosten verursacht, zu vermeiden.

Welcher Termin ist im neuen Jahr zu beachten?

Blum Bei Immobilien-Darlehensverträgen gilt noch bis zum 31. März eine Widerrufsfrist bei Formfehlern in der Widerrufsbelehrung. Dadurch lassen möglicherweise erhebliche Kosten sparen.

Wo setzt die Verbraucherzentrale im neuen Jahr einen Akzent?

Blum Bei dem sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten. Die sind ein Wirtschaftsgut geworden, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Seine Daten sollte man nur sehr sparsam preisgeben - insbesondere im Internet. An Gewinnspielen am besten gar nicht teilnehmen. Unsere Aufgabe ist, den Verbraucher darüber zu informieren und ihn bei Datenmissbrauch aus ungewollten Verträgen wieder herauszubekommen.

Welchen Rat geben Sie generell?

Blum Bei einer geplanten Anschaffung vor dem Kauf mit einem Experten darüber reden. Wenn einem nach Vertragsabschluss etwas dubios vorkommt, schnell um Rat fragen, damit keine Fristen verstreichen.

GÜNTER TEWES FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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