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Solingen
Bestecksammler trafen sich zum 21. Mal im Klingenmuseum

Solingen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Dass Dr. Christoph Carlhoff seit 50 Jahren sammelt, hat er seiner Großtante Adele zu verdanken. "Ich habe mit zwölf Jahren angefangen, als ich ihr Silberbesteck putzen musste", sagt der Physiker. "Als Student habe ich dann später kaum einen Trödelmarkt ausgelassen." Von Fred Lothar Melchior

Jetzt war der gebürtige Reutlinger wieder im Klingenmuseum, wo das 21. Treffen der Bestecksammler stattfand. Carlhoff: "Das ist eigentlich nur in Solingen möglich. Hier kann man Bekanntschaften knüpfen, aus denen manchmal auch Freundschaften werden."

Etwa 45 Teilnehmer waren zum Kaufen und Verkaufen und wegen der Vorträge sowie Diskussionen gekommen. "40 bis 60 Teilnehmer, das ist normal", erläutert Museumsdirektorin Dr. Barbara Grotkamp-Schepers. Sie hatte auch schon 90 Bestecksammler im Haus. Die meisten kamen und kommen aus Deutschland, aber es waren auch Teilnehmer aus Nordamerika und Europa da - aktuell etwa aus Österreich und der Schweiz. "Manche springen jedoch aus Altersgründen ab; wir haben den Wunsch, dass auch Jüngere dazustoßen."

Die müssen nicht gleich mit einem dicken Scheckbuch kommen. Löffelchen wechseln bereits für zehn bis 20 Euro den Besitzer. Christoph Carlhoff hat allerdings auch schon 2000 Mark gezahlt: für einen um 1500 entstandenen Löffel mit einer Laffe aus Buchsbaum - das teuerste Stück seiner Sammlung. Spezialisiert hat er sich aber auf Silberbestecke mit Barockdekoren aus dem 18. Jahrhundert.

"Frühere Stücke sind selten", kommentiert Barbara Grotkamp-Schepers. "Meistens geht es so um 1900 los." Robert Heyne aus Neuengönna bei Jena hatte ein besonders altes Besteck dabei: "Unter 2500 Euro würde ich das nicht abgeben."

Das Messer und die Gabel mit geschnitzten Griffen aus Ebenholz und Knochen stammen aus dem 17. Jahrhundert. "Reiche Leute packten ihr eigenes Besteck aus", erläutert der Besitzer eines Heimatmuseums. 2014 veranstaltete er eine Sonderausstellung mit Bestecken, zu der 5000 Besucher kamen. Jetzt stellte er zum ersten Mal in der Klingenstadt aus. "Ein Freund aus Solingen gab mir den Tipp."

Heinz J. Averwerber und Jörg Müller-Daehn gehören dagegen zu Sammlern, die immer wieder ins Klingenmuseum kommen. Sie stell-ten ihre Forschungen zur Besteckproduktion in Burgdorf bei Hannover vor - eine Fleißarbeit. "Man wünscht es sich als Sammler homogen und stringent", fasst Jörg Müller-Daehn zusammen. "Das ist aber leider nicht der Fall."

Eindeutig dagegen das Versprechen, das Museumsdirektorin Grotkamp-Schepers den Sammlern gibt: Auch nach ihrem Ausscheiden Ende April wird die Tradition des Treffens aufrecht erhalten.

Quelle: RP
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