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Solingen
Betreute ziehen "mitten ins Leben"

Solingen. Richtfest: Unternehmer Thomas Herriger baut in der Nordstadt für 24 Menschen mit geistiger Behinderung. Von Fred Lothar Melchior

"Hier tut sich was", sagt Investor Thomas Herriger. Im "buntesten Teil der Stadt", zwischen Mehrgenerationenhaus und türkischer Moschee, feierte er gestern Nachmittag Richtfest: An der Van-Meenen-Straße ist der Rohbau eines Wohnhauses entstanden, in das im Frühjahr 24 Menschen mit geistiger Behinderung einziehen. Mieter wird ein Betrieb des Landschaftsverbands Rheinland (LVR): das HPH-Netz Ost.

HPH steht für heilpädagogische Hilfen. Die bekommen in Solingen rund 120 Menschen mit geistiger Behinderung. Sie leben in fünf Wohnhäusern in Gräfrath, Ohligs, Mitte sowie im Halfeshof oder werden zu Hause betreut. Die Frauen und Männer, die demnächst an der Van-Meenen-Straße wohnen, kamen 1998 vom Gelände der LVR-Klinik in Gerresheim nach Solingen. Am Halfesweg sind sie in drei Häusern untergebracht, die künftig von der Jugendhilfe Halfeshof genutzt werden. "Alle können sich nun öfter sehen", lobte Kevin Skala, der Vorsitzende des Bewohnerbeirats aller Solinger Standorte.

Das neue, drei- bis viergeschossige Haus bringt auch sonst mehr Lebensqualität: vom Standort her wie von der Ausstattung. In den alten LVR-Häusern teilen sich noch zwei Bewohner ein Bad. An der Van-Meenen-Straße gibt es sechs Wohneinheiten für je vier Personen. Ein gemeinsames Leben wird in Wohnzimmern und Küchen, einem Gemeinschaftsraum sowie auf den beiden Dachterrassen stattfinden.

Dort wurde gestern gefeiert - eingeleitet von den Blechbläsern der Bergischen Symphoniker und abgeschlossen mit einem Pizza-Essen bei Musik der Band "Schäkers". In der Gruppe spielen LVR-Mitarbeiter (in Solingen sind mehr als 100 tätig) zusammen mit von ihnen Betreuten.

Von der Suche nach einem neuen Standort bis zum Richtfest vergingen rund zwei Jahre. Für Unternehmer Thomas Herriger ("Präsenta"), der etwa drei Millionen Euro investierte, eine lange Zeit, für das HPH-Netz Ost aber ein Novum: "Ein so schnelles Projekt haben wir noch nie hingekriegt", hieß es bei der Feier.

Der bis auf einen Technikraum nicht unterkellerte Bau erhält noch jeweils zwölf Quadratmeter große Stahlbalkone und eine Gartenfläche. Wie die Räume gestaltet werden, bespricht Ingo Vohwinkel, der zukünftige Leiter des Hauses, bereits mit den künftigen Bewohnern. Die sind, das wurde beim Richtfest von vielen betont, in der Nähe von Theater und Konzerthaus, Korkenziehertrasse und Gaststätten ab Frühjahr nächsten Jahres "mitten im Leben".

Quelle: RP
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