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Feuer im Swingerclub "Beverly"
Angeklagter zu neun Jahren Haft verurteilt

Beverly Solingen: Angeklagter zu neun Jahren Haft verurteilt
Der Angeklagte Harrison B. (hier mit seiner Anwältin Andrea Groß-Bölting) wurde gestern verurteilt. FOTO: aki (Archiv)
Solingen. Am Montag ist der 42-jährige Harrison B. wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes von der Schwurgerichtskammer des Wuppertaler Landgerichts verurteilt worden. Gegen das Urteil kann B. Revision beantragen. Sein Motiv war offenbar Wut über zu wenig gezahltes Honorar.

Das Gericht hatte keinerlei Zweifel daran, dass der Angeklagte Harrison B. wusste, dass sich im Swingerclub Beverly in jener Nacht, in der er das Gebäude aus Wut über zu wenig gezahltes Honorar anzündete, Menschen befanden. Zwangsläufig musste die Schwurgerichtskammer beim Landgericht Wuppertal den 42-jährigen Mann aus Nigeria nicht nur wegen schwerer Brandstiftung, sondern auch wegen versuchten Mordes verurteilen. Das Strafmaß: neun Jahre. Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt hatte zuvor in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von neun Jahren und sechs Monaten gefordert, während Verteidigerin Andrea Groß-Bölting den Tatbestand des versuchten Mordes nicht erfüllt sah und auf eine dreijährige Freiheitsstrafe sowie die Aufhebung des Haftbefehls plädierte.

Der Angeklagte, ein ausgebildeter Diplom-Chemiker, hatte sich während des seit Anfang Mai laufenden Prozesses immer wieder darauf berufen, er habe alle Räume durchsucht, bevor er in der Nacht des 9. November gut fünf Liter Benzin in den Räumen der Erotik-Diskothek ausschüttete und in Brand setzte. "Wir glauben dem Angeklagten davon kein Wort", sagte der Vorsitzende Richter Robert Bertling in seiner Urteilsbegründung. Viel zu unübersichtlich seien die verwinkelten Räume gewesen, viel zu schwach die nur teilweise eingeschaltete Notbeleuchtung.

Außerdem sei der Zeitraum zwischen Ankunft des Angeklagten am Swingerclub an der Eschbachstraße und dem Alarmieren der Feuerwehr viel zu kurz, um das Haus komplett zu durchsuchen. Das Gericht ist überzeugt, dass Harrison B. gegen 5.30 Uhr die Eingangstür des Clubs eintrat und anschließend an zwei Stellen Feuer legte. Gegen 5.44 Uhr hatte die Feuerwehr bereits den Notruf erhalten, dass der deutschlandweit bekannte Club in Flammen steht.

Fotos: Swingerclub "Beverly" brennt vollständig aus FOTO: Tinter, Anja

Dass sich das Feuer so rasend schnell ausbreitete, lag in erster Linie an dem Interieur des Beverly. "Der Laden war vollgestopft mit Leder, Stoff, Gummi und Betten", sagte der Vorsitzende Richter. Dazu kam, dass es kaum Türen gab und sich die Flammen ungehindert von Raum zu Raum ausbreiten konnten.

Zugute gehalten wurde dem Angeklagten, dass er nicht vorbestraft ist und er sich wegen des Streits um seine Gage als Veranstalter und der Auseinandersetzung mit seiner Freundin in einer emotional aufgeheizten Stimmung befand. Auch sei er, so Robert Bertling, nach dem Genuss von vier Whisky leicht enthemmt und außerdem übermüdet gewesen. Weniger gewichtig sei das Geständnis des Angeklagten. Der hatte zum einen beim Kauf des Benzins an einer Wermelskirchener Tankstelle seinen Ausweis hinterlassen, weil er kein Geld hatte, zum anderen war er beim Ausschütten des Benzins von einer Putzkraft des Beverly beobachtet worden.

Für den versuchten Mord nimmt das Gericht nur einen bedingten Vorsatz an, es verurteilte den 42-jährigen Vater von zwei Kindern auch nicht wie vom Staatsanwalt beantragt wegen gefährlicher Körperverletzung, da sich die Menschen im Haus unverletzt vor den Flammen retten konnten. "Die Folgen seiner Tat musste er jedoch als gelernter Chemiker überblicken und wissen, dass sich das Feuer rasend schnell ausbreiten würde", sagte Robert Bertling weiter.

Der 42-jährige Angeklagte, der weiter in Haft bleibt, hat die Möglichkeit, gegen das am Montag ergangene Urteil Revision einzulegen. Dafür bleibt ihm nun eine Woche Bedenkzeit.