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Solingen
Bewegender Klangzauber lässt träumen

Solingen: Bewegender Klangzauber lässt träumen
Der Solinger Männerchor 1980 begeisterte mit einem Weihnachtskonzert in der restlos ausverkauften Stadtkirche am Fronhof. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. In der ausverkauften Stadtkirche gab der Solinger Männerchor 1980 sein Weihnachtskonzert. Von Jan Crummenerl

Haben Sie Ihren Weihnachtsbaum schon aufgestellt? Oder müssen Sie sich erst noch einen besorgen? Hetzen Sie noch den letzten Geschenken hinterher? Einzige Belohnung: eine hastig reingestopfte Krakauer auf dem Weihnachtsmarkt, die mit Glühwein heruntergespült wird? Oder haben Sie doch einfach einmal die Nase voll von kitschiger Weihnachtsbeleuchtung und verkaufsoffenen Sonntagen zum Lobe des Herrn? Davon muss es eine Menge Menschen geben. Denn am vierten Advent war die Stadtkirche am Fronhof brechend voll und bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Mal besinnlich, mal munter und oft sehr bewegend hat der Männerchor 1980 zu seinem Weihnachtskonzert eingeladen. Über zwei Stunden lassen die Sänger und Musiker Stille in die Seelen einkehren. "Mache dich auf und werde Licht", zitiert Hausherrin Pfarrerin Jutta Degen einleitend aus der Bibel. Mit einem satten Sound im akustisch hervorragenden Kirchenschiff eröffnet der Männerchor mit Schuberts "Abendfrieden". Besonders der Wechsel von großem und kleinem Chor macht Eindruck: "Wie schön, oh Gott, ist deine Welt."

Aber nicht nur der klassische Männergesang ist Sache der 80er. In der bereits abendlich dämmernden Stadtkirche wird der Spiritual "Steal away to Jesus, steal away home" zu einem ergreifenden Ereignis. Dynamisch und gestalterisch ausgefeilt, zeigen sich die Sänger auf der Höhe ihres Könnens. Das ist nicht zuletzt Chordirektor Ralf Leßenich zu verdanken. Sympathisch und ganz unaufdringlich hält er alle musikalischen Fäden in der Hand und hat in den vergangenen Jahren die 80er zu einem vielseitigen und leistungsstarken Chor geformt. So gilt an diesem Nachmittag besonders der Dank der Sänger ihrem musikalischen Chef. Seit zehn Jahren leitet Leßenich den Männerchor 1980. Und noch mehr Jubiläen kann in diesem für die 80er nicht immer einfachen Jahr gedacht werden. Der Chor kann sein 35-jähriges Bestehen feiern, und Ralf Leßenich 25 Jahre Tätigkeit als Chorleiter. Vier Chöre leitet er in Solingen. Und mit Uwe Buchmann haben die 80er den wohl besten Solinger Tenor in ihren eigenen Reihen. Rhythmisch fein gestaltet und die spannenden Wendungen auskostend, schwebt etwa das Tenorsolo über dem Chor in Willy Trapps bewegend gestalteter Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied". Das kann nur noch von "Jerusalem" übertroffen werden. Diesem Männerchor-Evergreen geben Buchmann und die 80er Tiefe und neue Frische.

Als Solist beschenkt Uwe Buchmann das Publikum mit einem wundervoll vorgetragenen "Wolgalied" von Franz Lehar. Auch sonst warten die 80er mit tollen musikalischen Gästen auf. Perlend setzt die Sopranistin Christina Maria Heuel Caccinis "Ave Maria" in Szene. Mit ihrer strahlenden und warmen Stimme wird auch das altbekannte "Ave Maria" von Schubert zu einem neuen Hörerlebnis. Die Solistin überzeugt mit ihrer feinen, fast zärtlichen musikalischen Diktion. Fast wie aus Charles Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte" entsprungen, erscheint das belgische Gesangsquartett "The Christmas Carol Singers". Mit Zylinder und Hauben angetan, mit Mänteln und Schals bekleidet, gibt es mit den beiden Damen und den beiden Herren eine richtig swingende Reise durch die Welt internationaler Weihnachtslieder. Ein bezaubernd schwelgendes "White Christmas" wird klanglich geradezu in Zuckerwatte eingepackt. Ebenso beeindruckt das fast jazzig genommene "Mary's Boychild" das Publikum.

Aber was nützen die besten Sänger in einem Konzert? Versiert und umsichtig begleitet Nadja Bulatovic Solisten und Chor am Klavier. Nach diesem warmherzig gestalteten Konzert kann Weihnachten kommen.

Quelle: RP
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