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Solingen
Birkerbad-Investor ändert Pläne

Solingen: Birkerbad-Investor ändert Pläne
In das denkmalgeschützte Birkerbad sollen ein Bio-Supermarkt sowie ein Restaurant einziehen. Der Investor hat eine Option zum Kauf des Gebäudes, das aus dem Jahr 1903 stammt. FOTO: Kempner
Solingen. Geht es nach dem Projektentwickler, werden die Verträge zur Nutzung des Bades noch diesen Monat unterzeichnet. Wohnungen wird es aber nicht geben. Von Martin Oberpriller

Die vorbereitenden Arbeiten laufen auf Hochtouren. Nachdem unsere Redaktion vor einigen Wochen darüber berichtet hatte, dass ein Investor in dem seit Jahren leerstehenden Birkerbad in der Solinger Innenstadt einen Bio-Supermarkt und ein Restaurant ansiedeln will, sind die Verhandlungen inzwischen weit gediehen. So kündigte Eduard Meßmer von der betreffenden Entwicklungsgesellschaft Meßmer & Meßmer gestern auf Anfrage an, die entsprechenden Verträge seien mittlerweile nahezu unterschriftsreif.

"Ich hoffe, dass wir noch Ende April am Ziel sein werden", sagte der Immobilienfachmann aus Erftstadt bei Köln im Gespräch mit unserer Redaktion. Gleichzeitig hat Meßmer, der sich auf die Revitalisierung denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert hat, weitergehende Vorhaben rund um das Solinger Birkerbad allerdings zu den sprichwörtlichen Akten gelegt. So wird es - entgegen der ursprünglichen, auch schon der Politik präsentierten Planungen - nun doch keine Wohnbebauung an dem alten städtischen Hallenbad geben, das im Jahr 1903 errichtet wurde und seit 2011 nicht mehr genutzt wird.

"Manchmal ist weniger einfach mehr", begründete Eduard Meßmer den jetzt erfolgten Verzicht auf die Wohnungen, die eigentlich auf dem Parkplatz direkt neben dem Birkerbad an der Ecke Werwolf / Birkerstraße hätten entstehen sollen. Denn immerhin, so der Projektentwickler, belaufe sich die Summe, die er in die historische Badeanstalt stecken werde, auch ohne Wohnbebauung auf rund vier Millionen Euro.

Indes stößt die Entscheidung gegen das Wohnprojekt nicht überall in Solingen auf Begeisterung. So zeigten sich Mitglieder der Bezirksvertretung Mitte, in deren Bezirk das Birkerbad liegt, am Mittwoch durchaus enttäuscht über die neue Entwicklung. "Das ist sehr schade", sagte zum Beispiel ein Sozialdemokrat. Schließlich benötige die Stadt dringend zusätzlichen Wohnraum, betonte der Bezirksvertreter, der sich nach eigenem Bekunden durchaus hätte vorstellen können, den Standort mittels ebenso moderner wie erschwinglicher Wohnungen zu beleben.

Eine Einschätzung, die von anderen geteilt wird. "Die Gegend ist citynah, hat den Südpark vor der Tür und liegt fußläufig zum Bahnhof Mitte", fasste ein Ratsmitglied gestern noch einmal die Vorzüge des Birkerbades zusammen. Wobei der Ratsherr in diesem Kontext ausdrücklich unterstrich, das Wohnprojekt sei bislang auch von der Verwaltung mit Wohlwollen betrachtet worden.

Was jedoch nichts daran ändert, dass die Verantwortlichen im Rathaus nach dem jetzt bekannt gewordenen Aus für die Wohnungspläne weiter auf Meßmer & Meßmer als Investor bauen. "Die Frage, ob es zusätzlich Gespräche mit anderen Interessenten gebe, wurde jedenfalls zuletzt verneint", hieß es am Mittwoch aus der Politik, die sich wünscht, dass es nicht nur am Birkerbad, sondern beim zweiten Solinger Investitionsobjekt, dem Hallenbad Sauerbreystraße, ebenfalls bald losgeht.

Gleichwohl gestalten sich die Dinge in Ohligs anscheinend etwas komplizierter als in Mitte. Denn nachdem der Projektentwickler im Februar die Öffentlichkeit zum ersten Mal darüber in Kenntnis gesetzt hatte, in dem auch schon fast sechs Jahre leerstehenden Bad einen Supermarkt einrichten zu wollen, herrschte bei der Stadt dem Vernehmen nach zunächst eine gewisse Ratlosigkeit.

"Es war zu hören, dass eine diesbezügliche Entscheidung noch nicht gefallen sei", erinnerte sich ein Insider in dieser Woche an die Reaktionen aus dem Rathaus. Zudem bestehen in Teilen der Politik massive Zweifel an der Wirtschaftlichkeit einer solchen Ansiedlung. "Immerhin gibt es im näheren Umkreis bereits Lebensmittelgeschäfte", wiederholte ein Politiker gestern diesbezügliche Bedenken, derweil der Investor seine Pläne einmal mehr bekräftigte. Zwar gelte es nach wie vor, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das Gesamtprojekt sei aber keineswegs gefährdet, versicherte Eduard Meßmer gegenüber unserer Redaktion.

Quelle: RP
 
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