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Solingen
Brillanter Theaterspuk im Gräfrather Kammerspielchen

Solingen. Eigentlich darf in dem kleinen Theater an der Gerberstraße meist fröhlich gelacht werden. In dem Stück "Die Frau in Schwarz" jedoch laufen dem Publikum kalte Schauern des Schreckens den Rücken herunter.

Das Stück von Stephen Mallatratt basiert auf dem Roman von Susan Hill und ist ein Dauerbrenner im Londoner Theaterdistrikt. Mit großer Raffinesse hat der Regisseur Ronald F. Stürzebecher das Zwei-Personen-Stück für die kleine Gräfrather Bühne eingerichtet - die Premiere war ausverkauft.

Wenige Versatzstücke werden zu Büros, Pferdekutschen oder rüttelndem Eisenbahnabteil. Herbert Ruhnau und Marcel Gewehr sind die Protagonisten des mehr als doppelbödigen Spiels um den jungen Anwalt Arthur Kipps, der im Auftrag seines Chefs in einer gottverlassenen Gegend den Nachlass einer verstorbenen Klientin regeln soll. Die Dorfbevölkerung meidet ihn, und am Haus der verstorbenen Frau begegnet ihm eine geheimnisvolle, maskierte Frau in schwarzer Kleidung. Trotz aller Warnungen versucht er das Geheimnis um die Frau in Schwarz zu lüften und gerät in große Gefahr.

In der Dramaturgie ist das Stück als Theater auf dem Theater angelegt, die Geschichte wird in einer dramatischen Rückblende erzählt. Die beiden Schauspieler entwickeln mit hohem Körpereinsatz ein dermaßen intensives Spiel, dass sich der Zuschauer tatsächlich bald gruselt, als die Dame in Schwarz (intensiv in der stummen Rolle: Jutta Friese) immer wieder geheimnisvoll und unerwartet erscheint. Fortwährend dichter wird das Dickicht der spannenden Handlung, immer neue Wendungen überraschen den Zuschauer.

Natürlich darf hier nichts von der weiteren Geschichte und dem überraschenden Ende verraten werden, aber das Publikum wird immer tiefer in das Labyrinth des Grauens hineingezogen. Das liegt nicht nur an der Handlung, sondern sicher zum größeren Teil auch an der Schauspielkunst der beiden Darsteller. Marcel Gewehr spielt den jungen unbedarften Anwalt, der auch seinen späteren Horror und seine Verzweiflung glaubhaft über die Rampe zu bringen vermag. Herbert Ruhnau ist als Erzähler im Einsatz, zudem spielt er auch die verschiedenen Partner und Helfer von Arthur Kipps mit blitzschnellem Kostümwechsel.

Das raffinierte Spiel der gelungenen Illusionen fordert auch die Fantasie der Zuschauer. Die Gruseleffekte dieser Gespenstergeschichte werden von den Darstellern - unterstützt von der Theatertechnik - aber punktgenau eingesetzt. Die pausenlos durchgespielte Geschichte faszinierte, die Zuschauer dankten mit viel Applaus.

"Die Frau in Schwarz" wird im Gräfrather Kammerspielchen bis zum 18. Dezember an verschiedenen Tagen noch acht Mal gespielt.

Informationen / Kartenbestellungen www.theater-kammerspielchen.de

(wgü)
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