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Solingen
Buchstabensuppe, Einblicke und Monster in der Maschinn

Solingen. Der Fotograf Ralf Albert stellt in Widdert aus.

Zuerst war da das Foto eines ablaufenden Priels. "Das sah wie ein S aus", erklärt Fotograf Ralf Albert. Nun, da er schon mal ein "S" hatte, machte er sich auf die Suche nach den übrigen Buchstaben des Alphabetes. Ein Unterfangen, das nicht einfach war. "Ich bin wie manisch durch die Gegend gelaufen, immer nur den Buchstaben im Kopf, der mir noch fehlte", gibt Ralf Albert zu. Denn seine Buchstaben suchte er in der Landschaft, in der natürlichen wie in der architektonischen. Ob in Wald und Feld, am Strand oder eben in der Stadt - seine Buchstabenmotive sind Zufallseindrücke, wie das "V", das von einem Eiszapfen dargestellt wird. Der letzte Buchstabe war das "K", das er schließlich in einer gerissenen Bodenplatte entdeckte. "Es hat Jahre gedauert, alle Buchstaben zusammen zu bekommen", sagt Ralf Albert. Als er schließlich das "K" gefunden hatte, sei er froh gewesen. "Ich konnte endlich wieder ganz normal spazierengehen."

Mit dem Titel "Buchstabensuppe ... wie uns das Alphabet den ganzen Tag begleitet" ist dieser Teil der Ausstellung überschrieben, die derzeit in der Loosen Maschinn in Widdert zu sehen ist. Der Solinger Fotokreis hat die Ausstellung der Fotos von Ralf Albert in Kooperation mit dem Rheinischen Industriemuseum organisiert. Im Obergeschoss sind zwei weitere Themenbereiche ausgestellt, die sich stark von der "Buchstabensuppe" unterscheiden. Hier gewähren Fensterbilder ungewöhnliche Einblicke. Auf die Idee, sich die Fenster als Fotomotiv zu suchen, kam Ralf Albert, nachdem er es geschafft hatte, den flüchtigen Augenblick eines Sonnenstrahls zu fotografieren, der durch ein Fenster fiel. "Ich konnte nur ein einziges Bild machen", erklärt er. Doch dieses Bild ist von einer so faszinierenden Magie, dass Albert sich den Fenstern zuwandte. "Sie sind fast alle in öffentlichen Räumen entstanden", verrät er.

Eines zeigt die Spitze des Lutherkirchturms durch ein kaputtes Fenster, eines die perfekte Inszenierung einer Skulptur vor einem Fenster des Kunstmuseums. "Was hier besticht, sind die Linien und das Licht", sagt Alfred Vogel vom Fotokreis. Die zweite Hälfte des Obergeschosses widmet Ralf Albert den heimischen Monstern, die er während frühmorgendlicher Spaziergänge mit seinem Hund aufspürt. Äste, Baumstümpfe, Steine werden mit der richtigen Beleuchtung zu seltsamen Wesen, die Albert durch gezielte Schärfe und Unschärfe auf seine Fotos bannt. Es sind Bilder, die zu einer Entdeckungstour einladen und Dieter Henning vom Solinger Fotokreis sagt: "Es ist eine Ausstellung nicht nur für Erwachsene."

(sue)
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