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Solingen
Bücher für alle - der 90. Geburtstag der Bibliothek

Solingen. Die Solinger Stadtbibliothek wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Dass dies gebührend gefeiert werden muss, versteht sich von selbst. Den Auftakt zu den Feierlichkeiten rund ums Bücher ausleihen machte eine launige Veranstaltung, zu der - den Warnhinweisen wegen des Chemieunfalls am Müllheizkraftwerk zum Trotz - rund 70 Besucher in den Lichtraum gekommen waren. Von Sandra Grünwald

Zunächst ließ das Kantinentheater unter der Regie von Heidi Theunissen die Zuschauer in die Vergangenheit reisen. Den Rahmen bildete das Ausräumen eines Bücherschrankes, bei dem etliche heimatkundliche Bücher aus Solingen zum Vorschein kamen, die das Kantinentheater gekonnt in Szene setzte. So wurde Einblick in das Leben der Schleifersfrau Anna gegeben, die ihren neunjährigen Sohn gegen den Wunsch ihres Mannes in die Schule schickt, damit er dem harten Schleiferleben entfliehen kann und nicht in der Blüte seines Lebens vom gefürchteten Schleiferhusten dahingerafft würde.

Nach der eindrücklichen Aufführung in Solinger Mundart, die das Kantinentheater noch mit so manchem Reim abrundete, wurde bei Sekt, Wein und Häppchen erst einmal auf den runden Geburtstag der Stadtbibliothek angestoßen, bevor Ralf Rogge, Leiter des Solinger Stadtarchivs, einen kurzweiligen Ausflug in die Geschichte der Bibliotheken und der Solinger Stadtbibliothek im speziellen unternahm. Er erzählte aus 230 Jahren "organisiertem Lesen" und wie es überhaupt zur Gründung einer Stadtbibliothek kommen konnte.

"Zuerst wurden Lesegesellschaften gegründet", erklärt er. "Das waren Vereine, die natürlich nur aus Männern bestanden, und die gemeinschaftlich Bücher anschafften und untereinander verliehen haben." Was Solingen von anderen Städten unterschied, war, dass hier auch Handwerker kurz nach der Französischen Revolution solche Vereine aufbauten. Daneben gab es auch private Leihbibliotheken - 1796 der erste in Solingen - und Volksbibliotheken.

Die Solinger Stadtbibliothek wurde 1926 gegründet und von Dr. Georg Kemp geleitet, der jedoch 1928 von einer Bergtour nicht wieder zurückkam. Bis 1980 wurde die Stadtbibliothek ausschließlich von Männern geleitet. Dann ging die Leitung in weibliche Hand über - zunächst an Juliane Funke - was bis heute so geblieben ist.

Einen informativen Einblick in die Geschichte der Stadtbibliothek gibt auch die Ausstellung, die im Lichtraum zu sehen ist. So wird hier gezeigt, wie sich der Bibliotheksausweis im Laufe der Jahre von einem großen Formular zu einer kleinen Karte gewandelt hat. Es wird an den Bücherbus erinnert, der 45 Jahre durch Solingen rollte, und an den großen Umzug der Bibliothek im Jahr 2000 an die Mummstraße. Es ist eine spannende Zeit, auf die die Bibliothek zurückblicken kann.

Quelle: RP
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