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Solingen
Bühne frei für die Erste Kabarett-Liga

Solingen. Seit 25 Jahren organisiert Michael Tesch für das Kulturmanagement die Reihe Kleinkunst. In dieser Zeit waren viele Kabarettisten, die heute große Hallen füllen, in Solingen in weit intimeren Rahmen zu erleben. Von Jan Crummenerl

Alle waren sie in den vergangenen 25 Jahren da: Götz Alsmann, Lutz Görner, Hagen Rether, Konrad Beikircher, Dieter Nuhr, Georg Schramm, Urban Priol, Vince Ebert, und, und, und... Und viele haben hier ganz klein angefangen, ganz am Anfang ihrer Karrieren, die später große Hallen kochen lassen sollten.

So spielte Herbert Knebels Affentheater beim ersten Auftritt vor rund 70 Zuschauern, Helge Schneider füllte gerade mal den Kammermusiksaal, und Volker Pispers gab seine Kunst in der Kneipe "Am Birkenweiher" zum Besten. "Eigentlich alles, was heute Rang und Namen hat, war schon in Solingen", sagt Michael Tesch und kann auf ein Jubiläum blicken: Seit 25 Jahren organisiert er für die Stadt die Reihe Kleinkunst, in der sich alljährlich die Erste Liga der deutschen Kabarettisten die Klinke in die Hand gibt.

Tesch gibt sich bescheiden: "Ich weiß nicht, ob ich Glück hatte oder einfach den richtigen Riecher." Aber Tatsache ist, dass er im Laufe dieses Vierteljahrhunderts alles in die Klingenstadt holen konnte, was zur Spitze der Kabarettkunst gehört. "Das einzige Versäumnis konnte ich in der vergangenen Spielzeit nachholen", erläutert Michael Tesch, der den meisten Theaterfreunden als Regisseur des Ensemble Profan bekannt ist. "Ein Auftritt von Thomas Freitag hatte mir noch gefehlt." Und Freitag begeisterte wie seine Kollegen vor ihm.

Viele Künstler waren am Anfang ihrer Laufbahn in Solingen - und sie haben ihre Anfänge nicht vergessen und halten der Klingenstadt die Treue. So sind gerade die fast alljährlichen Auftritte von Herbert Knebel oder Volker Pispers eine sichere Bank für die Kleinkunstreihe. "Die Kabarett-Szene ist eine, die eigentlich kaum Eifersüchteleien kennt", weiß Tesch. So konnte er etwa manchen Kabarettisten früh nach Solingen holen, auf den ihn beispielsweise Volker Pispers aufmerksam gemacht hat.

Zur Reihe Kleinkunst kam Theatermacher Michael Tesch vor 25 Jahren wie die Jungfrau zum Kinde. "Jürgen Ullmann, damals Leiter des Kulturamtes, fragte mich, ob ich für die bereits seit vielen Jahren erfolgreiche Reihe die Saison 1991/1992 organisieren könnte." Da bat sich Tesch erstmal Bedenkzeit aus. "Es gab ja damals noch kein Internet, wo man einfach mal Künstler und Agenturen nachgucken konnte." Das ist heute natürlich einfacher in Zeiten, in denen man sich etwa über Onlinedienste kurz informieren kann. "Zum Glück hatte ich in Martina Steimer (Forum Wuppertal, heute Pantheon Bonn) und Angelika Schlicht (Kraftstation, später Klosterkirche Remscheid) Unterstützerinnen gefunden, die die nötigen Kontakte hatten. Ohne die beiden hätte ich das nicht machen können. Heute ist das für mich natürlich viel einfacher."

Das liegt nicht nur am Internet, sondern auch an den über 25 Jahre aufgebauten Kontakten. "Das ursprüngliche Konzept war es, mit der Reihe Kleinkunst vor Ort in die Stadtteile zu gehen." Spielstätten waren etwa der Walder Stadtsaal, die Festhalle Ohligs oder eben die Gaststätte "Am Birkenweiher". Dort startete übrigens die Reihe Kleinkunst unter dem neuen Programmplaner im Herbst 1991. Der erste Künstler war Harald Schmidt. Tesch: "Durch ,Schmidteinander' war er zwar schon bekannt, aber nicht so wie in späteren Jahren." Im Nicht-Internet-Zeitalter kam der Kontakt zu Harald Schmidt kurioserweise über den gemeinsamen Steuerberater zustande.

Was Michael Tesch nicht vermisst, ist Comedy. "Das ist zu kurzlebig. Da habe ich immer Abstand gehalten." Was er hingegen vermisst, ist das musikalische Kabarett, was in guter Qualität heute schwer zu finden sei. Besonders liebevoll denkt Tesch dabei an die 2012 mit erst 36 Jahren verstorbene Kabarettistin Christiane Weber. "Sie machte mit das beste Musikkabarett, das ich gesehen habe. Und sie hatte die Gabe, das Publikum buchstäblich um den Finger zu wickeln." Mit ihr hatte Tesch auch mit der wohl ungewöhnlichsten Bühnenanweisung zu tun. "50 langstielige Rosen wollte sie haben." Wofür fragte sich der Kleinkunstchef ? Ganz einfach: Christiane Weber hat sie nach dem Auftritt an die Damen im Publikum verteilt.

Eine andere Künstlerin, die die Solinger ins Herz geschlossen haben und deren Gastspiel jedes Mal ausverkauft ist, ist Tina Teubner. Mit ihrem Programm "Wenn du mich verlässt, komm ich mit" gastiert sie am 6. April im Kleinen Konzertsaal.

Eine weitere weibliche Vertreterin der Zunft ist am 8. Juni mit Nessi Tausendschön zu sehen: "Die wunderbare Welt der Amnesie". Den Auftakt macht am 24. September Philip Simon. Es folgen Sacher und Wilmanns und "Der Abstandhalter" Erwin Grosche. Und mit "Männer ohne Nerven" kommt im Februar der getreue Herbert Knebel mit seinem Affentheater. "Wenn ich die Leute hierher hole, gehe ich nicht von meinem eigenen Geschmack aus, denn ich mache ja kein Programm für mich, sondern für die Solinger", sagt Michael Tesch. "Aber der Geschmack ist doch oft deckungsgleich." Das bestätigen auch die Zahlen. Denn die Veranstaltungen der Reihe Kleinkunst sind mehr als oft ausverkauft.

Quelle: RP
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