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Solingen
Burger Jugendherberge ohne Zukunft

Solingen: Burger Jugendherberge ohne Zukunft
Die Jugendherberge in Oberburg soll voraussichtlich Ende September dieses Jahres schließen. Solingens OB Tim Kurzbach unterzeichnete vor zwei Wochen in der Kemenate von Schloss Burg die Resolution. Foto: Melchior FOTO: Melchior Fred Lothar
Solingen. Die "Burger Resolution" für den Erhalt der Jugendherberge ist von vielen unterschrieben worden - aber bis heute nicht beim Jugendherbergswerk angekommen. Die Stadt will das Initiativpapier persönlich nach Düsseldorf bringen. Von Uwe Vetter und Fred Lothar Melchior

Knapp zwei Wochen ist es her, als die Oberbürgermeister von Solingen und Remscheid sowie weitere bergische Parlamentarier in der Kemenate von Schloss Burg zusammenkamen, um sich für den Erhalt der Jugendherberge in Oberburg einzusetzen. Verfasst wurde dazu eine "Burger Resolution", die auch der Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU) unterzeichnete.

Doch die Resolution hat das Jugendherbergswerk Rheinland mit Sitz an der Düsseldorfer Straße in der Landeshauptstadt bislang nicht erreicht. "Ich weiß nichts von einer Burger Resolution", sagte der Geschäftsführer des Jugendherbergswerks, Friedhelm Kamps, auf Anfrage unserer Redaktion. "Uns liegt keine Resolution vor".

Kann sie auch nicht, denn das Solinger Rathaus verzichtete bewusst auf den Postversand. "Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter möchten die Resolution persönlich zum Jugendherbergswerk nach Düsseldorf bringen", sagte gestern der städtische Pressesprecher Thomas Kraft. Ein Termin für die Übergabe sei dafür aber noch nicht gefunden worden.

Die Jugendherberge in Oberburg soll nun voraussichtlich Ende September dieses Jahres schließen. FOTO: Peter Meuter

Die Burger Jugendherberge sollte schon zum Jahresende 2017 geschlossen werden. Kurz vor Weihnachten gab das Jugendherbergswerk indes bekannt, dass die Einrichtung in der Nähe des Burger Schlosses bis Ende September dieses Jahres weiter geöffnet bleibt. Grund: Die Nachfrage für die Jugendherberge gestaltete sich gut - mehr als 9200 Vorausbuchungen für 2018 gab es im Dezember. Doch Friedhelm Kamps betonte schon damals, dass die Herberge mit ihren 118 Betten "mittel- bis langfristig keine Zukunft" hat. Und das hat sie auch mit / ohne zugestellte Resolution nicht: "Burg wird nicht noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt", sagte Friedhelm Kamps.

Dass die Klingenstadt keine guten Karten beim Jugendherbergswerk hat, weiß Ex-Oberbürgermeister Norbert Feith seit langem. "Ich bin natürlich über das Ergebnis sehr enttäuscht", sagte er. Auch nach seinem Wechsel ins Familienministerium setzte sich Feith weiter für zumindest eine Herberge in der Stadt ein, nachdem die Gräfrather Jugendherberge 2015 von der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) übernommen worden war.

Als Mitglied des erweiterten Vorstandes beim DJH-Landesverband Rheinland schrieb Norbert Feith zuletzt im Mai 2017 den Vorsitzenden Ludwig Lühl an. Feith bat darum, den Schließungsbeschluss zur Jugendherberge Burg vorläufig auszusetzen - "um Gelegenheit zu einer umfassenden Beratung auf der Grundlage aktueller fachlicher und wirtschaftlicher Informationen zu erhalten".

Der Antrag wurde allerdings trotz intensiver Diskussion abgelehnt. "Der Vorstand hielt leider an der ablehnenden Haltung fest", bedauert Norbert Feith. Ihm war einiges "Ungereimte" in der Argumentation aufgefallen - wie etwa angebliche Vorzüge des Wuppertaler Standorts, während Solinger Pfunde nicht genannt wurden. Auch die Millionen Euro wurden nicht aufgeführt, die in die Sanierung und den Umbau des Schlosses investiert werden. Falsch sei auch, dass man dabei nur "Best Ager" im Auge habe. Argumente, auf die der Landesverbandsvorsitzende in seiner Antwort überhaupt nicht einging. Die Burger Herberge, so Ludwig Lühl, erfülle "schon seit langem nicht mehr" die Erwartungen und Anforderungen, die Schul- und Freizeitgruppen stellen. Außerdem habe sich das Umfeld in den vergangenen 20 Jahren gravierend geändert. Lühl: "Vor Jahren schon wurde uns mit Hinweis auf die Nachbarschaft die Nutzung unserer Feuerstelle verboten, dann häuften sich die Beschwerden wegen Kindergeschrei und zu lautem Ballspiel. Für den Betrieb einer Landjugendherberge ist inmitten einer zunehmend verdichteten Wohnbebauung kein Raum mehr."

Argumente, die auch für Feith berechtigt und nicht von der Hand zu weisen sind. Über viele Jahre hätten eben Stadt und das Deutsche Jugendherbergswerk nicht miteinander gesprochen. "Aber uns hätte man 2012 nicht den Erhalt zumindest einer Herberge in Solingen versprechen dürfen."

Reichlich Platz für einen Neubau gäbe es, wie von der Stadtverwaltung schon seit Jahren vorgeschlagen, an der Oberburger Sportanlage. Ob dort jemals eine "Bergische Herberge" gebaut wird, bleibt mehr als fraglich. "Irgendwelche Zusagen" zum kurzfristigen Bau eines neuen Hauses will der Vorstand des Landesverbands nicht geben - und auch keine Hoffnungen machen.

Quelle: RP
 
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