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Burger Schützen leben 555 Jahre Tradition

Mein Verein: Burger Schützen leben 555 Jahre Tradition
FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Der Burger St. Sebastianus-Schützenverein 1461 feiert seinen Geburtstag am 26. und 27. Mai mit Schützenfest und Open- Air-Konzert. Mit Karsten Beier und Stephanie Kalter hat der Verein zum "krummen" Jubiläum wieder ein Königspaar. Von Benjamin Dresen

Schützenkönigin Stephanie Kalter lebt diesen Verein. Wenn sie von den Schützenfesten des Burger St. Sebastianus-Schützenvereins berichtet, sind viele Emotionen dabei. Etwa, wenn sie von der Krönung des Schützenkönigs im Rittersaal des Schlosses spricht, nach der alle das Bergische Heimatlied angestimmten. "Wer da nicht ein Tränchen im Auge hat."

Mit ihrem Bruder Karsten Beier bildet Stephanie Kalter im Jahr des 555-jährigen Jubiläums das Königspaar des Vereins. In den drei Jahren davor hatte es aus Mangel an Bewerbern keinen Schützenkönig gegeben. Schon ihr Vater führte die beiden an den Verein heran. "Wir haben dieses Schützenfest gelebt", betont Stephanie Kalter.

Amerika war noch nicht entdeckt, als sich die Burger Schützen im Jahr 1461 zur Schützenbruderschaft zusammenschlossen. Immer wieder gab es Pausen im Lauf der Jahrhunderte: So verbot Napoleon 1807 die Schützengilden, erst 1852 gründete sich die katholische St. Sebastianus Schützenbruderschaft wieder. Seit 1872 firmiert sie als "Schützenverein" und steht damit auch anderen Konfessionen offen. 1936 verboten dann die Nationalsozialisten die bürgerlichen Schützenvereine, so dass erst 1950 wieder ein Schützenfest gefeiert werden konnte.

Es sind vor allem die Schützenfeste im Schloss, die den Stoff für Geschichten und Anekdoten liefern. Dazu gehören zwei beliebte Bräuche, wie der Ehrenvorsitzende Wolfgang Gomille berichtet: In der Nacht des Schützenfestes krönte stets ein mutiger Schützenbruder den Engelbert vor dem Schloss mit einem Lorbeerkranz - zum Ärger des Hausmeisters, der diesen entfernen musste. Und jedes Jahr aufs Neue kletterten die Schützen bei Nacht in den Turm, um dort die Glocken zu läuten.

Sein 555-jähriges Bestehen in diesem Jahr feiert der Verein mit einem großen Schützenfest an Fronleichnam: Am Donnerstag stehen unter anderem ein Festzug mit befreundeten Schützen durch Oberburg, der Zapfenstreich im Innenhof des Schlosses und der Königsball im Engelbertsaal auf dem Programm. Am Freitagabend spielen beim 31. Open Air "Mike and the Waiters" auf dem Schlossplatz. In den letzten vier Jahren hatte das Schützenfest nur im kleinen Rahmen stattgefunden, ohne Umzug und Zapfenstreich.

Wie viele Jubiläen es noch zu feiern gibt, ist nicht absehbar: "Der Nachwuchs fehlt etwas", sagt Wolfgang Gomille. 74 Mitglieder zählt der Verein unter der Führung von Mitja Geitebrügge und Axel Sersch aktuell, das Prinzenpaar aus Christopher Sersch und Arta Ahani zählt zu den Jüngsten. Weniger als eine Handvoll Mitglieder schießen noch aktiv auf dem städtischen Schießstand beim Oberburger Sportplatz. Der Verein pflegt vor allem das Miteinander bei seinen Stammtischen und unterstützt finanziell die Caritas Solingen.

Als Gründe für den Nachwuchsmangel nennt Karsten Beier die große Entfernung vom übrigen Stadtgebiet, aber auch den schlechten Ruf des Schießsports in der Öffentlichkeit. Hinzu kommt, dass es im kleinen Burg auch noch den Burger Schützenverein 1734 und den Schießverein Burg 1902 gibt. "Wir bewahren die Tradition", sagt Stephanie Kalter und betont: "Wir wollen die Leidenschaft weitergeben und nicht alten Zeiten hinterher trauern."

Quelle: RP
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