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Solingen
Caritas und Jobcenter eröffnen Suchtkranken neue Perspektive

Solingen. Herr W. war lange Jahre alkoholabhängig. Der gelernte Tischler arbeitete in vielen Jobs, fuhr Lkw und schlug sich durch. Dann verlor er den Führerschein und darauf seinen Arbeitsplatz. Irgendwann merkte er, dass er aus dem Teufelskreis Sucht ausbrechen musste. "Ich habe keine Entgiftung gemacht, ich habe selbst aufgehört", erzählt er. Mit enormem Willen begann er, abstinent zu leben, musste jedoch bald feststellen: "Sucht ist nicht ein Problem, Sucht sind viele Probleme." Zwar war er inzwischen trocken, fiel jedoch bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) durch, bekam seinen Führerschein nicht zurück, und damit zerschlugen sich auch Jobaussichten. Als er nicht mehr weiter wusste, lernte er durch einen Mitarbeiter des Caritasverbands Solingen/Wuppertal die Suchthilfe der Caritas kennen. Herr W. ist kein Einzelfall. Von Sandra Grünwald

"Sucht ist ein großes Hemmnis bei der Arbeitsvermittlung", weiß Anke Svensson, stellvertretende Leiterin des Jobcenters Solingen. Aus diesem Grund haben die Caritas Suchthilfe und das Jobcenter vor einem dreiviertel Jahr mit einer Kooperation begonnen, die an Alkoholsucht oder Pathologischer Spielsucht erkrankte Menschen unterstützt - ganz individuell.

"Es ist wichtig, dass diese Menschen die Möglichkeit bekommen, durch ihre Arbeit wieder Wertschätzung zu erfahren", begründet Caritasdirektor Dr. Christoph Humburg die Zusammenarbeit.

Die Klienten beziehungsweise Kunden werden entweder vom Jobcenter an die Suchthilfe empfohlen oder melden sich direkt bei der Suchthilfe. Dazu gehört natürlich, dass der Betroffene offen mit seiner Sucht umgeht. Bei der Suchthilfe stehen ihm dann zahlreiche Hilfen zur Verfügung. "Es gibt Einzel- und Gruppensitzungen, die ambulante Reha Sucht", zählt Gabriele Kirchner von der Suchthilfe auf. Natürlich basieren diese Angebote auf freiwilliger Basis. "Wir wollen unterstützen", betont Kirchner, "Sanktionen wird es nicht geben." Damit Caritas und Jobcenter dem Klienten neue Perspektiven eröffnen können, braucht es Offenheit. "Wichtig ist die Transparenz", erklärt Anke Svensson vom Jobcenter. Das heißt, der Klient entbindet die Fallmanager von ihrer Schweigepflicht. "Nur arbeitsrelevante Informationen werden weitergegeben, keine persönlichen", versichert Caren Tuchel vom Jobcenter. So kann das Jobcenter dem Betroffenen angemessene Angebote unterbreiten, wie Integrationsjobs oder Unterstützung bei der Ausbildung, Umschulung oder eben der MPU, wie bei Herrn W..

Beim zweiten Anlauf hat er sie nämlich geschafft und auch schon die theoretische Führerscheinprüfung, die praktische steht kurz bevor. Und dann will er sich einen Vollzeitjob suchen und hat, wie er sagt, "schon eine Firma unter die Lupe genommen".

Quelle: RP
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