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Ansichtssache
Chancen und Herausforderungen für die Wohnstadt

Solingen. Nein, Sportfans können sich über das nahende Ende des alten Stadions am Hermann-Löns-Weg wirklich nicht freuen. Denn mit dem bevorstehenden Abriss der längst unbespielbar gewordenen Arena ist die schmerzliche Gewissheit verbunden, dass der einstmals stolze Bundesliga-Standort Solingen wohl auf unabsehbare Zeit in der fußballerischen Bedeutungslosigkeit versunken ist.

Doch zur Wahrheit gehört einerseits, dass etliche Verantwortliche des Vereins Union in den zurückliegenden Jahrzehnten alles nur erdenklich Mögliche unternommen haben, um dieses sportliche Fiasko zu vollenden. Und darüber hinaus eröffnet das traurige Schicksal der Union anderseits auch Chancen - nicht allein für Ohligs, sondern für die gesamte Stadt.

Die Nachfrage nach den erst noch zu bauenden Wohnungen auf dem dem Stadion-Gelände beweist jedenfalls, dass sich die Klingenstadt einer bis vor kurzem kaum für möglich gehaltenen Beliebtheit erfreut. Sowohl junge Familien als auch zahlungskräftige Wohnungskäufer schätzen den Wohnstandort Solingen. Oder sollte man doch eher sagen: Sie sind gezwungen, ihn zu schätzen?

Denn wahr ist auch, dass viele Neubürger nur in Solingen landen, weil die Immobilienpreise beziehungsweise Mieten in den Metropolen Düsseldorf und Köln sowie in deren Umland inzwischen selbst für Gutverdiener oftmals unerschwinglich sind. Etliche Menschen ziehen also in die Klingenstadt, ohne Solingen genau zu kennen - und müssen dementsprechend zunächst einmal ihre neue Heimatstadt in Gänze als Heimat schätzen lernen.

Genau das ist die Herausforderung für Stadtverwaltung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich aus dem vermehrten Zuzug ergibt. Es reicht nämlich nicht, einfach nur Wohnraum zu schaffen. Die Neubürger brauchen auch Shopping-Möglichkeiten, Jobs, Kitas sowie Schulen, Ausgehmöglichkeiten, gute Verkehrsanbindungen und vieles mehr.

Dies müssen die Entscheidungsträger in der Stadt erkennen und dann danach handeln - damit der Standort Solingen als Ganzes auf Dauer nicht ein ähnliches Schicksal erfährt wie die Fußballer der Klingenstadt.

martin.oberpriller@solinger-morgenpost.de

Quelle: RP
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