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Solingen
Christussymbol als farbiges Druckobjekt

Solingen: Christussymbol als farbiges Druckobjekt
Auch das verrostete Eisenmodell der Christus-Figur ist in der Ausstellung zu sehen. FOTO: Wolf de Haan
Solingen. Kunst und Kirche gehen im Lutherjahr - 500 Jahre Reformation - zahlreiche und manchmal für das Thema auch recht ungewöhnliche Verbindungen ein. Solch eine ungewöhnliche Kunstidee für den Kirchenraum hatten auch Güdny Schneider-Mombaur und Wolf de Haan. Von Michael Tesch

Seit März laufen die Vorbereitungen für ihre Installation, die am 1. Juni in der Ev. Kirche Haan (Kaiserstraße 44) eröffnet werden wird - und in denen das Duo auch die Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts mit der modernen 3D-Druck-Technik miteinander verbinden. "Solus Christus 3D.0" ist der Titel der Installation, die die beiden Künstler mit Unterstützung des in Solingen beheimateten 3D-Netzwerk NRW realisieren konnten.

Kernstück der Installation im Kirchenraum ist ein auf dem Altartisch stehender 3D-Drucker, der ein Christussymbol als farbiges Objekt drucken wird. Vorlage für den Druck ist ein verrostetes und beschädigtes fragmentiertes Eisenmodell einer Christus-Figur. "Theologisch verweist das Konzept auf die vier Solas der Reformation. Hier: Solus Christus. Für die Reformatoren bedarf es für den Menschen nur Jesus Christus, um die Gnade Gottes zu empfangen", erläutert Güdny Schneider-Mombaur das Konzept der Installation. "Von seinen weltlich-historischen Bezügen verweist das Konzept auf das Prinzip der Vervielfältigung durch die Druckkunst." Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern löste eine Medienrevolution aus. Güdny Schneider-Mombaur und Wolf de Haan übertragen mit ihrem Werk das Prinzip der Multiplikation zukunftsweisend auf die 3D-Drucktechnik des 21. Jahrhunderts.

"Dem alten Modell der Christusfigur wollten wir eine formale Aktualisierung ermöglichen durch den Einsatz einer modernen Technologie, die zwar bekannt ist, aber noch nicht so verbreitet, dass sie nicht immer noch eine Faszination auf den Betrachter und Benutzer ausübt", erzählen die Künstler. "Im übertragenen Sinne erfährt die Christusfigur durch den Druckprozess in einem 3D-Drucker eine ständig sichtbare ,Auferstehung'".

Neben dem 3D-Drucker auf dem Altar besteht die Installation von Schneider-Mombaur und de Haan aus dem verrosteten Urmodell der Christus-Figur, einem Video-Touch-Screen, hier erhält der Besucher die Möglichkeit, sich über das Kunst und Kirche-Konzept zu informieren. Zudem werden großformatige Tableaus und Fahnen mit dem zentralen Motiv der Christus-Figur im Kirchenraum und an der Fassade "optisch ein Momentum für den Betrachter während und außerhalb der Gottesdienste schaffen".

Im Einsatz wird der 3D-Drucker während der Öffnungszeiten der Ausstellung sein. Die farbigen 3D-Objekte werden vom Künstlerduo als Edition angeboten: in einer limitierten und signierten Auflage von 100 Exemplaren. Die Ausstellung "Solus Christus 3D.0" von Güdny Schneider-Mombaur und Wolf de Haan ist bis zum 30. Juni in Haan zu sehen.

Güdny Schneider-Mombaur ist gebürtige Solingerin, lebt und arbeitet aber seit vielen Jahren in Haan. Im Dezember 2016 richtete ihr der Verein der Solinger Künstler eine Retrospektive im Kunstmuseum aus. Ihr Ehemann Wolfram Schneider-Mombaur nennt sich als Autor und Fotograf Wolf de Haan. Als Künstlerduo firmieren beide als Schneider + Mombaur.

Quelle: RP
 
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