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Analyse
City braucht ein zeitgemäßes Konzept

Analyse: City braucht ein zeitgemäßes Konzept
Der Fronhof im Kern der eigentlichen Innenstadt hat durchaus Potenzial für eine bedeutende Anziehungskraft. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Analyse An einem Strang ziehen und für die Innenstadt ein schlüssiges Konzept zur Steigerung der Attraktivität erarbeiten - das ist jetzt die Aufgabe von Politik, Verwaltung, Hauseigentümern, Einzelhändlern und auch Anwohnern. Das sollte schnell geschehen. Von Uwe Vetter

Der Internethandel nimmt immer mehr an Fahrt auf. Bequem wird auf dem heimischen Sofa bestellt, wenige Stunden später oder tags darauf ist das Objekt der Begierde bis an die Tür gebracht. Einfacher geht's nicht. Da kann der stationäre Handel nicht mithalten. Einzig: Sein Angebot ist sofort verfügbar und Fragen zum Produkt können in der Regel fachmännisch im Geschäft erläutert werden.

Letztere Serviceleistung wird von den Kunden aber auch ausgenutzt. Sie holen sich Rat im Geschäft und bestellen später die Ware im Internet, weil es vielleicht etwas weniger kostet. Auch diese Vorgehensweise macht dem Einzelhandel nicht nur in der Innenstadt zunehmend zu schaffen. Von daher reift die Erkenntnis immer mehr: Der stationäre Einzelhandel verliert zunehmend an Bedeutung.

Bis 2025, so die Schätzung des Stadtplaners und Architekten Dr. Holger Pump-Uhlmann, der diese Woche die Mitglieder des Planungsausschusses mit seiner Analyse über den Zustand in der Innenstadt wachrüttelte, wird der Internethandel voraussichtlich schon einen Anteil von 25 Prozent haben.

Was aber tun mit den leerstehenden Einzelhandelsflächen? Mehr Wohnbebauung in der City realisieren, Innenhöfe begrünen und die Stadt einfach attraktiver gestalten. Freizeitmöglichkeiten schaffen, ebenso mehr Gastronomie ansiedeln: Das würde vielleicht auch den Clemens-Galerien wieder auf die Beine helfen. An Vorschlägen mangelt es nicht. Und es ist ja nicht so, dass Verwaltung und Politik in den vergangenen Jahren die Hände in den Schoß gelegt und die City sich selbst überlassen haben.

Im Gegenteil - vielfältige Sachen wurden angeschoben und umgesetzt. Beispielsweise, die Untere Hauptstraße zu beleben. Vieles erweist sich im Nachhinein heute aber als nicht mehr zeitgemäß. Neues Handeln ist deshalb erforderlich. Das gelingt aber nur, wenn alle Akteure mitspielen. Die Verwaltung kann nämlich keinem Immobilieneigentümer in der Stadt vorschreiben, was er zu tun hat. Allenfalls ermuntern. Politik muss zudem lernen, sich von voreiligen Vorstellungen zu verabschieden, die in der Umsetzung über den Beschlussvorschlag nicht hinauskommen.

C & A dazu bewegen, vom Neumarkt auf die Hauptstraße umzuziehen, ist so eine Vorstellung. Den Wochenmarkt nach zehn Jahren wieder vom Neumarkt zurück zur Hauptstraße zu verlagern, ebenfalls. Der war gerade deshalb verlegt worden, weil der neue Busbahnhof direkt vor der Tür des Marktes entstanden ist. Vielmehr ist es wichtig, die schönen und durchaus vorhanden Plätze im Kern der City hervorzuheben. Fronhof und Alter Markt, also der Bereich um die Stadtkirche, haben durchaus Potenzial für eine bedeutende Anziehungskraft. Pump-Uhlmann hatte den Fronhof gar als "Perle der Innenstadt" bezeichnet. Das mag übertrieben klingen, aber ein externer Fachmann hat eben eine ganz andere Sicht für die "Schönheiten" der Stadt. Die gilt es hervorzuheben und den City-Besuchern sollten gleichzeitig Erlebnisräume angeboten werden, selbst beim Einkauf.

Von daher sollten Verwaltung, Politik, Hauseigentümer, Händler und Anwohner ein gemeinsames Interesse daran haben, sich schnell auf ein umsetzbares Konzept zu verständigen. Nur dann kann die Innenstadt profitieren.

Quelle: RP
 
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