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Solingen
Claus Wilcke mal in Bademantel

Solingen: Claus Wilcke mal in Bademantel
Lore Duwe und Claus Wilcke geben auf der Bühne der Kammerspielchen ein Ehepaar, das 47 Jahre verheiratet ist. FOTO: Köhlen
Solingen. In den gut besuchten Kammerspielchen erlebte die Kömodie "Die Ehe ist ein seltsames Spiel" von Lore Duwe ihre Uraufführung. Von Jan Crummenerl

"Es ist verdammte Pflicht zu heiraten. Man kann ja nicht ewig nur zum Vergnügen leben." Obwohl er homosexuell war, wusste Oscar Wilde, wovon er sprach. "Der Reiz der Ehe besteht darin, dass beide Partner zu einem Leben voller Täuschungsmanöver gezwungen sind."

Wer sowas nicht zuhause hat, konnte es in den Kammerspielchen Gräfrath höchst amüsant erleben: Die Komödie "Die Ehe ist ein seltsames Spiel" von Lore Duwe hatte nicht nur Premiere, sondern sogar Uraufführung. Damit setzt Duwe die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Claus Wilcke fort. Beide stehen in dem Zwei-Personen-Stück, das mit Pause fast zwei Stunden dauert, alleine auf der Bühne und werfen sich gekonnt und zum Vergnügen des Publikums nicht nur die verbalen Bälle zu. Alleine schon der Gesichtausdruck von Lore Duwe ist köstlich, wenn der Göttergatte gerade mal wieder ins Fettnäpfchen getreten ist. Das gilt auch für die Gesichtszüge von Claus Wilcke, wenn selbige ihm entgleisen, weil seine Frau in wieder erwischt hat.

"Männer heiraten aus Langeweile; Frauen aus Neugier. Beide werden enttäuscht" - um nochmal Mr. Wilde zu Wort kommen zu lassen. Und nach ehelicher Enttäuschung sieht es schon auf der Bühne aus, wenn das Licht angeht - buchstäblich verstaubt. Das Wohnzimmer mit seinen altmodischen Möbeln und dem grauenhaft rosa Sessel haben bessere Zeiten gesehen. Genauso wie die Ehe von Joachim und Elisabeth - wobei letztere passenderweise dabei ist, im echten Hausfrauenlook mit den Staubwedel zu wüten. Übertroffen wird sie nur von ihrem Gemahl, der in Unterhose, Unterhemd und rosa Bademantel zum Frühstück geschlurft kommt und sich erstmal in den Ohren puhlt. Nach 47 Jahren Ehe lässt man sich halt mal gerne gehen.

Elisabeth versucht zu kontrollieren: "Hast du dir auch die Hände gewaschen", fragt sie Joachim, als dieser von der Toilette kommt. Joachim wiederum versucht sie zu täuschen und zu bezirzen: "Aber Engelchen!" Und "Engelchen" kann Elisabeth gar nicht leiden. Lore Duwe und Claus Wilcke ergänzen sich in diesem Stück bestens. Sie ist die teils resolute, teils sensible Gattin. Er ist ein auf dem Wege zur Senilität befindlicher Schwerenöter.

Treffsicher und gelegentlich anzüglich gestalten beide den Dialog und die Pointen ins Ziel. Und dass beide singen können, wird fast fließend in die Handlung eingebaut. So glänzt Wilcke temperamentvoll in der Hochzeitsnummer aus "My fair Lady". Und Dowe schwelgt bei "Hair" in der glücklichen Anfangszeit der Ehe - als kiffende Hippies in den 70er Jahren. Zwischen Lügen und Banalitäten plätschert die Ehe der Sauerbiers so vor sich hin. Nur leider vergisst Joachim den vorher groß herausposaunten 47. Hochzeitstag. Er hat nicht nur Not auf den letzten Drücker noch Rosen zu besorgen und der beleidigten Gattin die Hucke voll zu lügen, warum es nicht 47 Blumen sind. Schlimmer noch: Elisabeth kommt durch ein paar für Joachim ungelegen kommende Telefonate dahinter, dass er noch eine Geliebte hat. Und als sich Joachim wie ein Aal aus der Affäre winden will, ist beim "Engelchen" der Eheofen aus: "Ich lass mich scheiden." Und schon wird weitergestritten: Wer bekommt welches Auto, wer bleibt im Haus wohnen.

Wie das Stück mit den beiden munter aufgelegten Darstellern endet, wird hier natürlich nicht verraten. Nur so viel: Wer einen angenehmen und heiteren Abend bei einer Boulevard-Komödie mag, ist hier genau richtig bei Lore Duwe und Claus Wilcke.

Quelle: RP
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