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Ralf Hartung Und Michael Elmer
CVJM-Café bietet ein Stück Familie

Solingen. Der Leiter der Offenen Tür, Ralf Hartung, und der Vorsitzende Michael Elmer berichten von der Arbeit des CVJM am Birkenweiher. Für das Anerkennungsjahr eines jungen Pädagogen sucht der Verein Sponsoren.

Vor dem Jugendcafé am Birkenweiher stehen häufiger Gruppen von Jugendlichen auf dem Bürgersteig. Was ist da los bei Ihnen?

Hartung Unser Jugendcafé ist ab 16 Uhr geöffnet, aber viele kommen früher und wollen ins Café. Das geht aber nicht, weil wir vor 16 Uhr mit den Jüngeren arbeiten, zum Beispiel beim Hausaufgabentreff. Die Leute warten dann auf dem Gehweg und freuen sich, wenn wir aufmachen und Zeit für sie haben. Wir sprechen Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren an, die meisten sind zwischen 12 und 17, Jungen und Mädchen gleichermaßen. Es kommen jeden Tag 40 bis 50 Jugendliche.

Was leisten Sie dort?

Hartung Wir nehmen die Jugendlichen, wie sie kommen, mit ihren Themen, Fragen und Nöten. Das Jugendcafé ist ein Ort, wo wir nicht gleich etwas von ihnen fordern. Sie können hier erst mal ankommen, und wenn sie möchten, können sie erzählen, was sie bewegt. Wir bekommen mit, wenn jemand traurig oder bedrückt ist. In vielen Fällen hilft es, einfach zuzuhören. Die Jugendlichen merken: Wir interessieren uns für sie. Falls es nötig ist und falls die Jugendlichen das möchten, stellen wir Kontakt zu Beratungsstellen her. Vor allen Dingen sind wir aber eine Freizeitstätte, wo man Freunde treffen kann, mit Kicker, Tischtennis, Billard, Bandraum und Musikveranstaltungen.

Wer kommt dorthin?

Hartung Manche haben schon sehr viel erlebt: Gleichgültigkeit, Ablehnung, wechselnde Bezugspersonen in Familie oder Betreuung. Es gibt unterbrochene Schullaufbahnen, wo der Abschluss gefährdet ist, und manche sind auf Schlafplatzsuche. Einige haben Probleme mit der Impulskontrolle, das heißt, bei einer scheinbar banalen Aussage eines anderen kann es emotional und kurz laut werden. Aber natürlich kommen auch Jugendliche, die eher ruhig und nicht auffällig sind. Für uns sind es einfach Jugendliche, die in unser Jugendcafé kommen.

Elmer Die Jugendlichen mit Auffälligkeiten machen schon den größeren Teil aus. Das Angebot der Offenen Tür gibt es seit 40 Jahren, und die Gewichte haben sich verschoben zu einem Personenkreis mit erhöhtem Betreuungsbedarf.

Wie kommen diese Jugendlichen zu Ihnen?

Hartung Da spielt der persönliche Kontakt unseres Mitarbeiters eine Rolle, der stundenweise mit dem Jugendmobil am Graf-Wilhelm-Platz ist. Und vieles läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda der Jugendlichen, das entwickelt sich dann als Schneeballsystem. Der Südpark, wo sich auch Jugendliche aufhalten, liegt ja noch näher bei uns.

Was macht denn den Reiz des Jugendcafés aus?

Hartung Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, Dinge mitzugestalten und sich einzubringen. Sie machen Dienst an der Theke und bekommen viel Verantwortung übertragen, auch im Umgang mit Geld. Sie sind auch bei Veranstaltungen mit einbezogen, dann wird das Café zum Konzertraum. Wir stellen Musikinstrumente zur Verfügung, die Akustikgitarre ist jeden Tag in Nutzung. Das schafft einfach Atmosphäre. Wesentlich für die Arbeit mit den Jugendlichen ist der Aufbau von Vertrauen. Sie merken, sie werden hier angenommen in ihrer Persönlichkeit und das wollen wir kontinuierlich und verlässlich machen. Ich habe den Eindruck, dass uns das an vielen Stellen gelingt. Wir möchten Heimat und ein Stück Familie vermitteln.

Eine wichtige Rolle spielt ein junger angehender Pädagoge, für dessen Anerkennungsjahr sie 13.000 Euro zur Finanzierung brauchen. Was leistet er?

Hartung Er ist seit zwei Jahren stundenweise bei uns angestellt und macht parallel seine Ausbildung zum Erzieher. Der theoretische Teil ist abgeschlossen und jetzt schließt sich ein Anerkennungsjahr an. Wir möchten die Zusammenarbeit gern fortsetzen und ihm ermöglichen, seine Ausbildung hier zu beenden. Er ist eine wichtige Bezugsperson, weil er dicht an den Themen und der Lebenswelt der Jugendlichen dran ist. Er hat eine gute Art, auf die Jugendlichen zuzugehen, zuzuhören, aber auch im Konfliktfall zu vermitteln. Neben der Jugendarbeit organisiert er mit seinen Kontakten in die Musikszene die Konzertreihe "Unplugged Tunes". In den Wintermonaten treten im Jugendcafé Solisten, Bands und manchmal Poetry Slammer auf. An den Abenden kommen bis zu 80 Leute, wir nennen es "Konzerte in Wohnzimmeratmosphäre". Wir haben ein sehr interessiertes Publikum, sehr zuhörend und ruhig.

Warum brauchen Sie eine externe Finanzierung für die Stelle?

Elmer Die Arbeit der Offenen Tür wird über Zuschüsse der Stadt und vom Land NRW finanziert. Das genügt für die 12 Stunden, die der Mitarbeiter bisher da ist, aber für den Rest brauchen wir Spenden und Sponsoren. Diesen "Luxus" müssen wir versuchen, selbst zu refinanzieren. 1000 Euro sind durch eine erste Spende bereits zusammengekommen. Auch kleinere Beträge helfen uns weiter.

Hartung Was die Situation nicht einfacher macht, ist, dass hier im Haus zwei Ladenlokale leer stehen und schwer zu vermieten sind. Dieses Geld fehlt zur Querfinanzierung. Pädagogisch ist die Weiterbeschäftigung eine absolute Notwendigkeit, finanziell eine große Herausforderung.

BENJAMIN DRESEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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