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Solingen
Da haben Götzen nichts zu melden

Solingen: Da haben Götzen nichts zu melden
Vier Chöre und Musiker der Bergischen Symphoniker sorgten zusammen mit stimmgewaltigen Solisten dafür, dass das Oratorium "Elias" von Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Lutherkirche ein Erfolg wurde. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Das große Oratorium "Elias", präsentiert von der Chorakademie Bergisch Land, begeisterte in der Lutherkirche. Von Jan Crummenerl

Richard Wagner hat damit sein Glück gemacht. Robert Schumann hat damit Schiffbruch erlitten. Felix Mendelssohn-Bartholdy hat gleich die Finger davon gelassen. Die Rede ist von der Oper: drei Zeitgenossen, drei unterschiedliche Ansätze. Werden heute Land auf, Land ab Wagners Werke vom "Rienzi" bis zum "Parsifal" gespielt, so ist Schumanns Oper "Genoveva" fast nur noch von historischem Interesse.

Der ähnlich lyrisch veranlagte Mendelssohn hatte allerdings ganz andere Bestrebungen. Nach seinem noch ganz den barocken Vorbildern verhafteten Oratorium "Paulus" schuf Mendelssohn zwischen 1837 und 1847 seinen opulenten "Elias", der in manch dramatischen Szenen fast opernreif ist. Dieses ebenso schwierige wie selten zu hörende Werk sorgte am vergangenen Sonntag für eine sehr gut besuchte Lutherkirche. Unter der engagierten Gesamtleitung der Langenfelder Kirchenmusikerin Ute Grapentin fanden hier der Chor der Martin-Luther-Kirche Reusrath, der Oratorienchor Wald unter Leitung von Charlotte Voget sowie der Tonart-Chor (Einstudierung: Artur Rivo) und der Kinderchor der Chorakademie Bergisch Land unter der Leitung von Ingrid Goethe-Fliersbach zusammen. Fünfter im Bunde waren Mitglieder der Bergischen Symphoniker als Orchester.

Wie es meist so ist, kommt vieles zufällig zustande. "Eine Nichte von Ute Grapentin singt in der Chorakademie", berichtet Ingrid Goethe-Fliersbach, Vorsitzende der Chorakademie. "Sie hätte gerne einmal den ,Elias' aufgeführt, aber dafür ist ihr Chor zu klein gewesen." So kam eine Kooperation zustande, die vor rund eineinhalb Jahren mit den Proben zu Mendelssohns Oratorium begonnen hat. Fliersbach: "Wir haben zunächst sporadisch geprobt, ab Januar wurde es dann allerdings knallhart." Inklusive Probenwochenenden in der Eifel. Das Ergebnis aber konnte sich hören lassen. Fast opernreif gestaltet wurde die dreimalige, aber vergebliche Anrufung des heidnischen Gottes Baal im ersten Teil des Oratoriums. Dem verzweifelten Ruf der Choristen folgt nur eisiges Schweigen vonseiten des Götzen, das durchaus Gänsehautcharakter bekommen hat: die Stille nach dem Fortissimo-Gebrüll. Gerade diese Baal-Episode zeigte, wie fruchtbar die Zusammenarbeit der Chöre ein solches Projekt gestalten kann.

Herausragend unter den Solisten war der Bassist Jörg Gottschick in der Titelrolle des alttestamentarischen Propheten Elias. Der Rolle gab er stimmliche Wucht und gestalterische Kraft - das buchstäblich Brennende dieser biblischen Gestalt. Tief empfunden gelangen so Bekenntnis-Arien wie das "Es ist genug". Gottschick - in Solingen kein Unbekannter - konnte einmal mehr sein stimmliches und dramatisches Talent unter Beweis stellen.

Ihm zur Seite standen adäquate Partner als Solisten: eine zarte Lydia Brotherton (Sopran), eine zugreifende Milena Haunhorst (Mezzosopran) und eine stimmlich hervorragende Ava Gesell als Altistin. Die Solistenreihe machte Vladimir Maric-Mindoljevic komplett, der sowohl in der Rolle des Propheten Obadjah wie des zwielichtigen Königs Ahab glänzen konnte.

Hauptdarsteller aber war natürlich der groß aufgestellte Chor, der das musikalische Geschehen beherrschte - von den dramatisch wuchtigen Baal-Anrufungen bis hin zum versöhnlichen Abschlusschor des "Alsdann wird euer Licht hervorbrechen". Zärtlich, fast versponnen gelang auch ein inniges "Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig". Mendelssohns gigantischer "Elias", der seit langer Zeit einmal wieder in Solingen zu hören war, ist ein wunderbares Beispiel dafür, was in chorischer Zusammenarbeit gemeinsam gestemmt werden kann.

Quelle: RP
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