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Solingen
Das Geheimnis um den Preis ist gelüftet

Solingen. Matthias Leeck hat von der Stadt-Sparkasse den mit 1500 Euro dotierten Publikumspreis der Bergischen erhalten. Von Güdny Schneider-Mombaur

Das Publikum hat entschieden. Von den 621 ausgefüllten Stimmkarten, die während der gesamten Ausstellungszeit der Bergischen Kunstausstellung von den Besuchern abgegeben wurden, fielen 162 auf die Arbeiten von Matthias Leeck. "In diesem Jahr gab es ein Kopf an Kopf Rennen zwischen ihm und dem Maler Max Schulze", verriet die stellvertretende Museumsleiterin Gisela Elbracht-Iglhaut. Der dritte Platz geht an das Künstlerduo Dan Dryer (Jörg Koslowski und Astrid Piethan) für ihre Videoinstallation "Isabelle" (2011).

Der Publikumspreis der "Bergischen" wird seit mehr als 20 Jahren von der Stadt-Sparkasse Solingen ausgelobt. Vorstandsvorsitzender Stefan Grunwald eröffnete die Publikumsveranstaltung im Meistermann-Saal vor zahlreichen geladenen Gästen mit dem Hinweis, dass der Publikumspreis die unmittelbare Auseinandersetzung des heimischen Publikums mit Gegenwartskunst und damit das bürgernahe Engagement der Stadtsparkasse im kulturellen Bereich fördere.

Nach einem Grußwort des neuen Oberbürgermeisters Tim Kurzbach konnte der junge Künstler Matthias Leeck den Preis der Stadt-Sparkasse in Empfang nehmen. "Geboren 1988 in Wermelskirchen und aufgewachsen in Wuppertal ist Leeck ein Urbergischer", leitete Gisela Elbracht-Iglhaut die Vorstellung des Preisträgers ein, der im Frühjahr diesen Jahres sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf beendet hat. Der Bildhauer hatte vor drei Jahren die Fotografie für sich entdeckt. Die Übersetzung von Motiven von einem Medium in ein anderes wurden Leecks Thema. So entwickelte sich die Idee, die Lichtwerte seiner Schwarz-Weiß-Fotografien mittels mathematischer Verfahren in digitale Höhenprofile zu übertragen, die dann durch eine mit CNC-Technik gesteuerte Fräse (Computerized Numerical Control) in eine dreidimensionale Skulptur oder ein Relief übersetzt werden.

Die Scheinräumlichkeit der Fotografie wird so zu einer realen Raumschichtung. Ein Lichteindruck verwandelt sich in plastische organische Form. Die vom Künstler verwendeten Materialien sind Aluminium, Holz, Kunststoff oder Styropor. Die technische Umsetzung realisiert ein Industrieunternehmen, der Künstler liefert nur die Pläne. "Diese Arbeitsweise", so Leeck, "entspricht unserer digitalisierten Welt. Und auch Michelangelo würde heute nicht mehr zum Meißel greifen."

"Insofern ist es erstaunlich, dass das Publikum eine Arbeit gewählt hat, die sperrig ist, mit der man sich auseinandersetzen muss", ergänzt Gisela Elbracht-Iglhaut, "weil sie dem traditionellen Bild des Bildhauers, der seine Materialen haptisch erleben will, nicht mehr entspricht."

Doch da der Künstler in der Ausstellung das Foto eines Waldes und das daraus entwickelte dreidimensionale Relief nebeneinander zeigt, fällt es dem Betrachter relativ leicht, den künstlerischen Dialog nachzuvollziehen und das Motiv in der Struktur des Reliefs ansatzweise wiederzufinden. Damit hat Leeck dem Publikum didaktisch den Weg bereitet, auch seine neueren größeren allseitigen Skulpturen wie die "Bildsynthese" von 2015 zu erschließen, die sich durch ihre Dimensionalität stärker von der Fotografie emanzipieren. Wer sich selbst überzeugen will, kann die Bergische Kunstausstellung noch bis Sonntag besuchen.

Quelle: RP
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