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Das Heimatgefühl wirkt bis Down Under

Mein Verein: Das Heimatgefühl wirkt bis Down Under
"Der Gräfrather" - Heimatvereins-Vorsitzender Karl-Gerd Hankammer verbindet mit dem von Andre Peer gestalten Poster über die Sehenswürdigkeiten im Stadtteil ein besonderes Lebensgefühl. FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Karl-Gerd Hankammer verbindet mit dem Stadtteil und seinem historischen Ortskern ein besonderes Lebensgefühl. Gräfrath hat seinen dörflichen Charakter bis heute bewahrt, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins mit 750 Mitgliedern. Von Günter Tewes

Wenn Karl-Gerd Hankammer durchs Wohnzimmerfenster schaut, ist er sogleich angekommen. Vis à vis sieht er das Klingenmuseum und die Klosterkirche, die über dem historischen Marktplatz thront. "Der Blick ist 1a", sagt er und meint damit freilich nicht nur die Optik, sondern vor allem auch ein Lebensgefühl. Er ist in Gräfrath geboren und dort verwurzelt. "Mein Herz hängt sehr stark am schönsten Stadtteil Solingens", gibt er unumwunden zu. Das Ensemble am Markt mit Brunnen und der Straße In der Freiheit, den schieferverkleideten Fachwerkhäusern und all dem anderen sei einmalig. Er habe jedenfalls noch keinen Auswärtigen erlebt, der davon nicht auf Anhieb beeindruckt gewesen sei.

Der pensionierte Gymnasiallehrer ist seit 1998 Vorsitzender des Gräfrather Heimatvereins. Auch dieses Amt ist Karl-Gerd Hankammer quasi in die Wiege gelegt worden. Sein Patenonkel war der allererste Vorsitzende des 1950 gegründeten Heimatvereins, dessen Anliegen bis heute unverändert ist. "Wir wollen Gräfrath für Bewohner und Besucher so attraktiv wie möglich bewahren beziehungsweises verbessern." Dabei liegt ein Schwerpunkt naturgemäß auf dem Erhalt des historisch Gewachsenem. "Trotz des Zuwachses hat Gräfrath seinen dörflichen Charakter nicht ganz verloren", sagt der 69-Jährige und fügt mit einem Schmunzeln hinzu. "Man kennt sich, spricht miteinander - und die meisten mögen sich auch."

Mitglieder des Vereins pflegen beispielsweise das Grab des legendären Augenarztes de Leuw; und sie haben seit elf Jahren im Untergeschoss des Klingenmuseums eine sehenswerte Ausstellung über den Solinger Stadtteil eingerichtet, der im Jahr 1135 erstmals erwähnt wurde. "Im Gräfrath-Museum arbeiten wir die Geschichte des Stadtteils auf." Nach den Worten des Heimatvereins-Vorsitzenden soll dieses besondere Gräfrath-Gefühl mit dem Zusammenhalt schon Kindergarten-Kindern und Grundschülern nahegebracht werden. Mit einem gewissen Stolz verweist er darauf, dass das Gräfrath-Museum ohne öffentlichen Zuschuss auskommt. "Wir haben es ohne Steuergelder eingerichtet."

Der Heimatverein ist jedenfalls kein überschaubares Clübchen historisch Interessierter; im Gegenteil: "Er wird wahrgenommen", betont der Vorsitzende mit Blick auf die Bedeutung. Mit 750 Mitgliedern ist er der größte Vereins Gräfraths. Beachtlich: Die Mitgliederzahlen entwickeln sich weiter steigend. Bei sparsamen zwölf Euro liegt der Jahresbeitrag. Gleichwohl kann der Verein auf Spenden seiner Mitglieder bauen.

Wie ein roter Faden ziehen sich die zahlreichen Veranstaltungen des Heimatvereins durchs Jahr, sei es das Mai-Ansingen mit 250 Kindern auf dem Gräfrather Markt, der Silvesterrundgang oder die Öffnung des Gräfrath-Museums an jedem ersten Sonntag im Monat. Wie der 69-jährige Hankammer betont, zeigt sich die Seele des Heimatvereins jedoch insbesondere in seiner Star-Veranstaltung: Dem Gräfrath-Abend, der diesmal am 28. Oktober stattfindet. "Gräfrather Künstler unterhalten Gräfrather ohne Gage": Das ist das Motto des Abends im Sälchen, an dem traditionell der "Gräfrathaler" verliehen wird - für jemanden, der sich in besondere Weise für den Stadtteil eingesetzt hat.

Mit dem Marktfest, dem Schützen- und Zeltfest sowie dem Jazzfrühschoppen und bis 2015 auch beim Lichterzauber mischt der Heimatverein zudem bei vielen Großveranstaltungen im Stadtteil mit, wie Hankammer unterstreicht. Drei Mal im Jahr erscheint die Informationszeitschrift des Vereins, der "Heimatspiegel" mit jeweils gut 90 Seiten.

"Den verschicken wir sogar bis Australien". Von dort hat der Vorsitzende Karl-Gerd Hankammer jetzt eine Antwort bekommen auf die Einladung zur Mitgliederversammlung am 21. Februar im Stiftersaal des Klingenmuseums.

Er befürchte, schrieb Paul Sowa aus Hobart in Down Under nach Gräfrath, er könne an dem Jahrestreffen des Vereins nicht teilnehmen: "Diesmal sind mir die 20.000 Kilometer zu weit."

Quelle: RP
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