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Solingen
Das Leben ist nicht kurz genug

Solingen: Das Leben ist nicht kurz genug
Roger Robinson ist zu Gast bei Wolfgang Günther im Laurel & Hardy Museum. FOTO: martin Kempner
Solingen. Am Wochenende schiebt der britische Autor und Experte Roger Robinson Dienst im Laurel & Hardy Museum und steht Rede und Antwort den Besuchern. Von Jan Crummenerl

Es ist die Geschichte seines Lebens: Als 1952 Stan Laurel und Oliver Hardy zu einer Tour durch England in Southampton ankamen, brachte sie ein Taxifahrer nach Southend, wo die beiden Komiker eine Woche verbrachten und auftraten. "Davon erzählt er bis heute", berichtet Roger Robinson. Der britische Autor und Experte ist an diesem Wochenende zu Gast im Laurel & Hardy Museum im Walder Kotten. Der 65-Jährige stellt dort sein aktualisiertes Buch "A Spot of Trouble in Southend" vor und wird den Besuchern über das Komikerduo berichten.

Allerdings sollte man seine Englischkenntnisse aufmöbeln, denn Deutsch lernen wird er bis dahin nicht. "Als Brite erwartet man ja, dass die ganze Welt Englisch spricht", sagt augenzwinkernd der humorvolle Mann aus Southend. "I like it here very much." Es sei etwas sehr besonderes, dass es in Solingen so ein Museum gibt. Mittlerweile ist er zum vierten Mal zu Besuch. "Ich bin froh, wieder hier zu sein, und ich bin sehr stolz auf dieses einmalige Museum. Es ist ein so schöner Platz", schwärmt er.

Aber auch die bergische Landschaft hat es ihm angetan. So hat er schon mit Museumsleiter Wolfgang Günther in den vergangenen Tagen ausgedehnte Wanderungen entlang der Wupper unternommen. "Wir kennen uns jetzt schon fast 20 Jahre", sagt Wolfgang Günther. Bei einem Treffen der Laurel & Hardy Fans haben sie sich in Birmingham kennengelernt. Wie Günther ist Robinson Mitglied der "Sons oft the Desert", der weltweiten Vereinigung der Freunde der beiden Komiker. Bei den Treffen kommen Menschen aus Großbritannien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden regelmäßig zusammen. "Das hat uns alle zusammen gebracht", berichtet Robinson. Und alle sind Freunde geworden. Vielleicht so eng wie Laurel und Hardy. Oft ist Robinson in die USA gereist, um Sammler und Zeitzeugen für seine Bücher zu besuchen. "Nachdem sein Freund Hardy 1957 gestorben ist, hat Laurel keine Filme mehr gemacht", erzählt Robinson. "Aber er hat unermüdlich weiter geschrieben." Denn Laurel war die treibende Kraft in Sachen Gag-Produktion des Duos. Stan Laurel: "Ich denke mir immer noch Späße für Babe (Oliver Hardy) und mich aus. Letztens dachte ich, die Türklingel zu hören, und hörte Babe sagen ,Stan, geh und öffne die Türe'. Ich komme dann mit der Türe in der Hand zurück."

Selbst Komikergrößen wie Jaques Tati oder Dick van Dyke besuchten Laurel, um sich Rat zu holen. Auf die Gags kommt es eben an. Robinson: "Die Filme von Laurel und Hardy haben nie eine komplizierte Handlung." Aber die Szenen sind unvergänglich. Im Gegensatz zu anderen Stars dieser Ära wie Chaplin oder Keaton kann man heute noch herzhaft über die verzweifelten Versuche der beiden, im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen und am Schluss alles ins Chaos zu stürzen, herzhaft lachen. "Man kann sich einfach damit identifizieren." Und dieses grotesk-komische Scheitern, das meistens in einer Zerstörungsorgie endet, macht bis heute den Charme von Laurel und Hardy aus. "Das Faszinierende ist, dass dieser Humor nach 80 Jahren immer noch so frisch ist", sagt Wolfgang Günther, der besonders von der Begeisterung der Kindergruppen beim Besuch im Museum schwärmt. "Das Leben ist nicht kurz genug", zitieren Günther und Robinson einen Satz des gebürtigen Briten Stan Laurel und amüsieren sich. Robinson: "Wenn Laurel und Hardy das Museum in Solingen sehen könnten, würden sie lächeln."

Info: Heute, 12 bis 17 Uhr, und Sonntag, 11 bis 17 Uhr, hat das Laurel & Hardy Museum im Walder Kotten an der Locher Straße geöffnet.

Quelle: RP
 
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