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Solingen
Das Leben könnte so einfach sein . . .

Solingen. "Der Brautvater" hatte Premiere im vollbesetzten Kammerspielchen.

Das Leben könnte so einfach sein. Aber dann kommt es ganz dick. So ergeht es Harry Förster, Witwer in fast noch besten Jahren. Sein größter Wunsch: Opa werden, bevor er Tattergreis ist. So freut sich der fromme Katholik auf die Osterfeiertage. Denn seine drei Kinder haben sich angesagt. Aber es kommt anders. Die älteste Tochter sagt ab. Zudem ist sie Nonne und fällt damit als Enkelproduzentin aus. Der Sohnemann kommt ebenfalls nicht. Sein Lebensgefährte hat Lungenentzündung. Dass der Herr Sohn schwul ist, haut den Papa erstmal um. Auch da ist kein Nachwuchs in Aussicht. Nur die jüngste Tochter Klara, Studentin mit launenhaft wechselnden Fächern, steht vor der Tür. Sie hat gar einen Verlobten im Gepäck. Nur dieser heißt Djamal und stammt aus Jordanien. Da entgleisen dem doch so scheinbar toleranten Kleinbürger nicht nur die Gesichtszüge: Mein Schwiegersohn ein Moslem? Das geht gar nicht. Dass dem Herrn Papa die Schwiegersöhne nicht gefallen, ist ein altes Thema. Aber Lydia Fox' neue Komödie "Der Brautvater" bereichert das Thema um mehr als aktuelle Bezüge. Nun hatte das Stück Premiere im vollbesetzten Kammerspielchen.

Die Regie von Marc Ossenbrink bringt das Kluge dieses Werkes sehr witzig und charmant ans Licht. Eigentlich sind wir ja alle tolerant - aber wehe, es betrifft einen direkt. Da werden sich schon mal die gegenseitigen Vorurteile um die Ohren gehauen. Djamal bringt es auf den Punkt: "Heile Welt gibt es nur bei Walt Disney." Harry versucht mit allen Mittel den künftigen Schwiegersohn - übrigens ein studierter Wirtschaftsinformatiker aus Zürich - zu vergraulen und seiner Tochter diesen "Unsinn" auszureden. Da ist sich Harry auch nicht zu schade, Pastor Blume für seine schäbigen Pläne einzuspannen. Seltsamerweise versteht sich Harry unerwartet gut mit Djamals Tante Rania. Und das nicht nur, weil beide die Hochzeit verhindern wollen. Wortwitz und burleske Szenen liefert die Autorin, wunderbar umgesetzt in der Gräfrather Inszenierung.

Aber was wäre das alles, ohne die Riege toller Schauspieler. Allen voran Thorsten Nindel. Er versprüht geradezu die Lust, einen solchen Kleingeist und Engstirner zu spielen. Jugendlich flott und temperamentvoll mimt Sandy Horáková das aufmüpfige Töchterchen. Charmant kultiviert, fast vornehm zurückhaltend, gestaltet Marc Oliver Teschke den Djamal. Selbstbewusst weiblich und durchaus dominant verleiht Nika von Altenstadt der Tante scharfen Charakter. Hier gab es nebenbei eine doppelte Premiere: Nindel und von Altenstadt spielen zusammen in "Die Lindenstraße". Nun aber stehen sie erstmals gemeinsam auf der Theaterbühne. Eine komödiantische Paraderolle für Markus Griebenow ist der Pastor Blume. Mal gespielt bräsig, aber immer pfiffig kommt der Gottesmann daher, der sich vor der Beichte gerne mal zur Stärkung einen aus dem Flachmann genehmigt. Dass der gute Pastor bei den ganzen familiären Verwicklungen am Schluss volltrunken ist, ist so klar wie Klarer. Mehr sei aber nicht verraten.

(crm)
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